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Seniorenrevolte

Jeden Tag Limousinen vor den Augen, die eine halbe Million und mehr kosten. Die Kinder müssen den Besitzern und ihren Huren in den Hintern kriechen. Deren widerlichen Dreck und Müll beseitigen. Die Mütter waschen restlos verkeimte, schlecht riechende Unterwäsche. Sie werden täglich mehrmals beleidigt und erniedrigt. Selbst die fremdsprachigen Huren, getarnt als Kinder – und Hausmädchen, behandeln sie hochnäsig und arrogant. Von Hygiene keine Spur und unpassend mit chemischer Tünche und dem dreihundert Dollar – Schweiß der Moschusochsen aus dem Schminkkoffer der Herrin beschmiert. Damit die Herrin nicht den regelmäßigen Kontakt mit dem Hausherren schnuppert. Obwohl die das ohnehin weiß und so beabsichtigt. Die interessiert nur das Geld und ein junger standhafter Beschäler.

Inzwischen haben mehrere Hundert das Plenum erreicht und stehen dort sehr gedrängt und rufen: „Gerechtigkeit“. Im Foyer stehen noch einmal Hunderte. Vor dem Landtag sammeln sich Tausende. Das Fernsehen nimmt Alles auf. In Folge der Übertragung, sammeln sich vor dem Platz und auf den Straßen die Einwohner Bozens. Die, einhundert Prozent und mehr gestiegenen Lebensmittelpreise haben die Bevölkerung eher begrenzt zu Demonstrationen animiert. Der Betrug an ihren Eltern und letztendlich an ihnen, hat bisher die zehnfache Menschenmenge auf die Straße getrieben. Wie scheint, reisen immer noch zahlreiche Einwohner anderer Städte an. Paul steht immer noch vor dem Mikrofon und liest seine Forderungen, lauthals – sich wiederholend, in die Ohren der Zuhörer.

In der Folge sammeln sich die Anzeigen aus anderen Alten- und Pflegeheimen des gesamten Landes. Die Plenarsitzung schwenkt um in eine Krisensitzung. Alle alten Fotos von geraubtem Schmuck, Uhren und Medaillen hoch. Andere zeigen Abbilder von großen Geldscheinen und ausgefüllten Schecks.

Die Abgeordneten sind sich unsicher, wie das für sie ausgeht. Wie gewohnt, sind die Mitglieder des Plenums von der allgemeinen Feigheit geplagt. Nicht mit dem Maul. Das veranlasst die Feigsten unter ihnen, in Vicenza die schnelle Eingreiftruppe zu alarmieren. Wohl in dem Wissen, wie die Genua aufräumten. Schwarz maskiert und ohne Skrupel. Wie Kapitalismus funktioniert; oder nicht. Raub funktioniert nur mit Gewalt.

Einige Abgeordnete ergreifen für die Anliegen der Senioren – Partei.

„Warum schmeißen wir dreckigen, dummen und frechen Gratis – Touristen das Geld vor die Füße und unseren Eltern nicht? Je mehr wir Denen gratis bieten, desto größer werden Deren Scheißhaufen. Die müssen wir auch noch teuer weg bringen. Zumal die Scheißhaufen aus teuren, minderwertigen Gammelfleisch – Importen bestehen.“

Marco kommt zu seinen Freunden.

„Ich kann euch jetzt nicht mehr begleiten. Meine Vorgesetzten haben Vicenza angerufen. Stehe ich jetzt bei euch, droht mir die Entlassung und vielleicht noch mehr. Das können wir Veronika und unseren Kindern nicht antun.“

Monika und Toni zeigen Verständnis für die Alten. Gerade in Achtung von Lukas und Frieda. Die haben Alles auf ihrer Alm aufgebaut. Das Regionale, das Typische und das Gastfreundliche. Sie verachten die Zerstörer ihrer Kultur und Freude. Sie können westdeutsche Touristen und ihre Art zu sprechen, einfach nicht mehr hören. Ihre Überheblichkeit kotzt sie an. Ihre Gastgeber zu Hause tun doch genau das, was Die wollen. Warum bleiben Die nicht zu Hause und terrorisieren uns und unsere Natur? Die fahren hier Ralleys und unsere Landsleute tot. Die pissen ihren Suff in unsere Seen. Die hetzen ihre Drecksköder auf unsere friedlichen Rinder und Schafe. Auf unsere Nahrung. Denen ihre rollenden Pisskübel, stehen in den Orten auf den Parkplätzen unserer Arbeiter. In Wäldern und Paßstraßen. In der Bahn und auf der Straße ist kein Platz für uns. Das ganze Jahr über geht das so. Unsere Krankenwagen kommen nicht mal durch und unsere Kliniken liegen voll mit diesen überheblichen Alleskönnern. Während wir verrecken. Gut. Das bringt unseren Kindern unterbezahlte Arbeit und spaltet die Gesellschaft. Wir zahlen den doppelten Preis. Überall. Vor allem im Alter. Wir werfen den fortschrittlichen Charakter unserer alpinen Gesellschaft weg. Den alpinen Sozialismus des Gemeinwohls. Einen Schritt vor der Vollendung.

„Das ist schade. Ausgerechnet wir müssen das noch erleben“, sagt Frieda. „Das ganze Land geht gratis Touristen helfen. Nur uns nicht im Seniorenheim. Da wird volle Kasse gemacht.“

Frieda erhält Applaus von den Zuhörern. Auch von der Mehrheit der Abgeordneten.

„Wir versprechen, das zu ändern“, sagt der Landeshauptmann.

„Wir wollen den Beschluss jetzt“, sagt Paul.

Die Massen rufen den gleichen Satz. Es scheint keinen Ausweg zu geben. Keine Ausreden. Nichts Wichtigeres.

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Ein Kommentar zu „Seniorenrevolte“

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