
Vor dem Landtag steht ein Wachschutz. Vor einem öffentlichen Gebäude. Einem Volksgebäude. Die Senioren sollen ihre Ausweise zeigen.
„Sind sie Besucher?“
„Ja.“
„Alle?“
Pauls Gruppe kommt zu sechst.
„Wir schauen, ob Besucherplätze frei sind.“
Die nächsten drei Gruppen kommen. Monika und Toni sind dabei. Sie sind zehn.
„Besucherplätze sind noch frei“, sagt der Wachmann.
„Für uns auch?“, fragt Monika.
„Das bezweifle ich“, ist die Antwort. „Wir haben noch vier Plätze frei.“
„Das ist schade. Wir werden erheblich mehr.“
„Ich rufe gleich an.“
„Das wird nicht reichen. Wir lassen sie nicht.“
Der Wachmann wird etwas hektisch. Die anderen Senioren umgeben ihn bereits. Ziemlich eng.
„Wir möchten mit den Abgeordneten reden. Am besten, mit allen.“
„Zwei Wachmänner stehen noch vor dem Saal.“
„Na gut. Wir schicken die Carabinieri vor. Wir haben den Abgeordneten eine Anzeige vorzutragen.“
„Meine Eltern sind nicht zufällig dabei?“
„Schauen sie in die Runde. Vielleicht entdecken sie ihre Eltern.“
Der Empfangsraum hat sich inzwischen gefüllt. Ausweise müssen sie keine mehr zeigen. Der Kontrolleur hat seine Eltern samt Nachbarn entdeckt und redet mit ihnen ganz aufgeregt.
„Wie viele seid ihr denn?“
„Ein paar Hundert hier und vor dem Haus ein paar Tausend“, sagt Paul als Anführer.
„Hat euch die Polizei nicht aufgehalten?“
„Die Polizisten haben wir mitgebracht.“
„Na dann. Bitte folgt mir.“
Der Tag ist gut abgepasst. Der Plenarsaal sitzt voll. Vollversammlung. Zwei Abgeordnete sind krank. Marco hat den Tipp gegeben, wann Vollversammlung ist.
Die Senioren platzen gerade in einen Vortrag hinein. Wäre keine Vollversammlung, säßen hier einige Arbeitsgruppen. Marco konnte nicht in Erfahrung bringen, wann die Arbeitsgruppe – Soziales /Senioren tagt. So ist es den den Senioren auch lieber.
Neben Monika, Toni und den zwei Polizisten aus dem Ultental, kommt Agate überraschend mit. Sie hat den Zauber bisher satt.
Werner und Agate stellen sich vor das Mikrofon und verlesen die Ermittlungsergebnisse. Marco hat die ihnen mit gegeben. Dazu verlesen sie die Forderungen der Senioren und Familien, die sie in der Boxerhütte und im Uriel beschlossen haben.
Die Abgeordneten sitzen mit roten Köpfen auf ihrem Platz. Einige schämen sich sichtbar.
„Wir verlassen den Raum mit ihnen erst, wenn sie unsere Beschlüsse annehmen und bestätigen“, sagt Paul ganz trocken; unberührt erscheinend.
Die RAI des Landes filmt das unverdrossen komplett. In der Tagesschau soll das übertragen werden.
Monika nimmt sich ein Herz und liest die Forderungen noch einmal laut vor. Für das Fernsehen. In diesem Augenblick betritt Marco den Plenarsaal. Er bemerkt, wie einige Abgeordnete mit den Augen und Gesten versteckte Zechen in Richtung Kamera geben.
„Filmen sie ruhig weiter“, ruft er zu den Reportern. Er gibt aber an seine Mitstreiter ein Zeichen, selbst Alles zu filmen. Mit ihren Personenkameras und Handys.
„Wir haben Hinweise und Fakten, die Chargen der Impfstoffe sind vergiftet worden. Wir möchten sie auffordern, sämtliche Impfungen einzustellen und uns die Impfstoffe zur Untersuchung zu übergeben.“
Die Abgeordneten nicken.
„Wir gehen auch davon aus, sie können als 35 Abgeordnete unmöglich im Namen des Volkes sprechen“, sagt Paul fast schon zornig. „Bevor sie hier alle impfen möchten, sollten sie zuerst die Bewohner fragen. Das ginge eigentlich sehr einfach in unserem kleinen Land. Sie haben das vorsätzlich für ein paar Betriebe unterlassen.“
„Ja. In Italien wurde das beschlossen und wir mussten uns fügen“, kam als Antwort vom Präsidium. Nicht vom Landesvater.
„Das mussten sie nicht“, antwortet Toni. „Wir wären als Region nur unter Quarantäne gestellt worden. Aber so haben sie weiter kranke Touristen mit irgendwelchen erschwindelten Zeugnissen zu uns rein und uns anstecken lassen.“
Der Vorwurf klingt sehr böse. Toni und Monika wird gleich mit Verhaftung gedroht. Dafür ist aber Keiner da. Marco ist zugegen. Er lehnt das ab.
„Wie viele von ihnen sind geimpft?“, fragt Monika.
Keine Antwort.
„Welche Prämien haben sie bekommen, während unsere Familien gepfändet und bestohlen werden?“
Keine Antwort.
„Damit das uns hier klar ist: Wir bleiben mit ihnen hier so lange, bis sie uns Antworten geben.“
Monika bemerkt rege Versuche, unter dem Tisch zu telefonieren. Wen rufen Die an? Den schwarzen Block der NATO – Schlägertruppen aus dem Veneto? Oder den Chef von Marco? Die Alten verharren. Von Angst keine Spur. Nach diesem Scheiß – Leben, schon gar nicht. Was sollen ihre Enkel denken? Die rennen von einer Sozialmaßnahme zur anderen. Ohne Arbeit. Ohne Ziele. Ohne selbst verdientes Geld? Würdelos. Am Rockzipfel der Mutter. Zur Kriminalität erzogen vom Land. Was soll das?
Korr0501260717

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