„Bei Schafen kann man öfter mal wegschauen.“
Monika lacht. Toni steckt immer noch im Fundus fest. Er ist hoch konzentriert. Ringe, Kettchen, kleine Bildchen und ein paar Liebesbriefe sind dabei.
Die Liebesbriefe überfliegt er kurz. Dabei findet er Namen von Frauen und Freundinnen. Einheimische sind dabei. Toni staunt und erzählt es Monika. Monika fängt sofort an, weiter zu lesen. Marco sagt, die Spurensicherung hätte über zwanzig verschiedene Fingerabdrücke und Genspuren, allein an diesen Artefakten sicher gestellt.
„Ich hatte schon vermutet, dass es lustig wird“, sagt Toni.
„Wir müssen zuerst die anderen Hotels ermitteln“, antwortet Marco. Die Drei stellen die ersten Anfragen an die verschiedenen Büros zusammen.
Der Arbeitstag ist schnell zu Ende gegangen. Die Drei wollen heute Pizza essen gehen.
„Am besten, wir gehen gleich in Rabland gegenüber der Aschbachbahn, in der Laterne einkehren“, sagt Toni. Gared, der Pizzaiolo, bäckt eine hervorragende Pizza.
Nach dem Abschied fahren die Zwei wieder auf ihre Hütte. Es ist etwas frisch. Toni stellt tagsüber einen Elektroheizer an. Der ist mit einem Temperaturfühler. Wahrscheinlich ist das Gerät kaputt gegangen. Ersatz hat er bereits da. Vielleicht kann er das Gerät bauen. Er stellt den Heizlüfter in seine Werkstatt.
Monika möchte auch den Tauchsieder im Duschwasser anstellen. „Das geht nicht zusammen“, sagt Toni. „Ich habe den Vertrag über drei Kilowatt.“
„Dann können wir erst morgen duschen. Heute wird sich kalt gewaschen“, sagt Monika.
„Ich habe die Induktionsplatte. Auf der können wir kurz die Schüssel mit dem Waschwasser erwärmen.“
Monika ist begeistert. Toni hat also doch warmes Wasser.
Am Morgen duschen die Zwei. Toni macht das eigentlich nicht gern. Wegen dem Schweißfuß. Als Ausnahme geht das.
Ins Büro fahren sie zusammen. Mit dem Motorrad.
Marco wartet schon. Er hat einen Diebstahl mit aufzuklären. Der Diebstahl wurde heute von Hotelgästen angezeigt. Zufällig müssen Toni und Monika auch in das Hotel. Darek hat dort gearbeitet. Dort stehen ein paar Erkundungen an.
Sie fahren gemeinsam auf den Reschen.
Die Apfelbauern sind noch voll bei der Ernte. Andere sind schon bei der Nachbereitung. Überall stehen grüne, große Paletten voll mit Äpfeln. Mit kleinen Traktoren fahren die Bauern die Kisten zusammen. Aller paar Kilometer kommt ihnen ein Lastwagen entgegen, auf dem diese Kisten voller Äpfel stehen.
Kaum sind sie aus Mals raus, werden sie von einem recht frischen Wind empfangen. Monika zieht den Kragen zusammen. Kurz darauf kommen sie in St. Valentin an. Im Ort herrscht relative Stille. Sie sehen wenig Touristen.
Bis nach Graun, wo sie hin müssen, sind es nur wenige Kilometer. Kaum sind sie am Hotel Joseph angekommen, werden sie schon vom Portier erwartet.
„In der Garage sind sämtliche Autos ausgeräumt worden.“
„Wo ist der Chef des Hauses?“
„In seinem Büro.“
„Führe uns bitte zu ihm.“
Im Büro begrüßen die Kommissare den Chef, der sich mit Florian vorstellt.
„Uns wurden die Autos der Gäste ausgeräumt. Ich habe auch meine Kollegen in Österreich davon informiert. Die haben reagiert und ihre Gendarmerie angerufen. Die Gendarmerie meldet einen Todesfall in dem Zusammenhang. Einen Rumäne. Bei ihm wurden einige gestohlene Gegenstände gefunden.“
„Gut. Wir müssen mit unseren Österreichischen Kollegen reden. Wir melden uns“, sagt Toni.
Marco hat kein Wort gesagt. Er hört sich an, wie Toni vorgehen möchte.
„Das fehlt uns gerade noch“, sagt Toni. „Ein grenzübergreifender Fall. Und das zu unserem Schnalstaler.“
„Der Schnalstaler Fall ist doch auch grenzübergreifend“, antwortet Marco und lacht dazu. Monika lacht mit. Sie findet das spannend. „Irgendwie passen die Fälle auch zusammen“, sagt sie zu Toni. Toni überlegt etwas. „Du könntest Recht haben.“ Er gibt Monika ein Küsschen dafür. Marco applaudiert.
„Gehen wir einkehren oder zum Imbiss am Turm?“
„Wenn der noch auf hat, gehen wir dorthin.“
Der Imbiss hat noch geöffnet. Menschenschlangen, wie in der Saison, stehen nicht davor. Die Drei müssen nicht warten und werden sofort bedient. Gerade fährt ein Bus auf den Parkplatz. Die Türen öffnen sich und scheinbar alle Fahrgäste rennen gleichzeitig in Richtung Toiletten. Monika lacht.
„Bei zwei Toiletten und einer Sitzungszeit von zwei Minuten pro Benutzer, stehen die Letzten genau zwei Stunden.“
Die Drei amüsieren sich darüber.
„In der Zeit, müssen die Ersten schon wieder“, sagt Monika.
Marco lacht sich krumm. „Ende der Reise wegen Toilettenstau.“
Die Kollegen in Landeck wollen nach Meran kommen. Heute haben sie keine Zeit. Sie stecken wegen dem Todesfall voll in ihren Ermittlungen. Es gibt mehrere Anzeichen von Bandenkriminalität. Am Ausgang der Täler sind viele Kontrollposten eingerichtet worden.
Die Drei entscheiden sich, ein wenig am Reschensee zu wandern. Die Wanderung brauchen sie, um ihre Gedanken zu ordnen. Es weht ein schöner, beharrlicher, frischer Wind aus einer Richtung. Die etwas längeren Haare von Marco bekommen am Hinterkopf einen neuen Scheitel.
„Zu Hause bist du schuppenfrei“; sagt Toni zu ihm.
Marco leidet, wegen der trockenen Luft bei uns, etwas an Schuppenbildung. Vor allem, im Winter. Toni trägt deshalb sehr kurzes Haar, das bisweilen fast wie eine Glatze aussieht.
Er schneidet seine Haare selbst. Jetzt hilft ihm Monika beim Haarschnitt.
Die Drei wollen sich im Büro treffen. „Mal sehen, wer zuerst da ist“, sagt Marco.
„Dann können wir hier noch getrost ein Panino mit Schnitzel essen“, scherzt Toni. Monika lacht darüber.
Im Büro angekommen, muss Toni über eine Stunde warten bis Marco kommt. Monika hat inzwischen Kaffee gefiltert und vom Laden um die Ecke, einen Rührkuchen mitgebracht.
Die ersten Spurenprotokolle sind angekommen.
Soltan hat mehrere Brüche an den Rippen und am Becken. Marco schätzt, er ist entweder gefallen oder wurde angefahren. Von entsprechenden Druckstellen, ist im Protokoll die Rede. Fotos liegen dabei. Es scheint, Soltan wurde nachträglich ins Wasser geworfen. Toni müsste den Tatort finden. Die Spuren fehlen ihm. Das macht die Aufklärung des Falles schwieriger. Den ganzen See jetzt wegen der Spurensuche sperren, wäre zu viel Aufwand.
Es muss andere Spuren geben.
Monika hat sich in den Briefen fest gelesen.
„Ich lese von einer Scheidung“, sagt sie den zwei Kommissaren.
„Das ist eine Spur“, sagt Toni zu ihr. Marco stuft das als nebensächlich ein. Scheidungen im Umfeld von Saisonkräften, findet er normal und logisch.
„Ja. Aber sie haben in einigen Hotels zusammen gearbeitet. Wir müssen dort nachfragen. Ich bin mir sicher, wir bekommen Hinweise“, sagt Toni. Monika fängt an zu schwärmen. „Wir fahren auf die Seiser Alm? Das ist ja selbst für uns schon wie eine Auslandsreise. Müssen wir dort auch Eintrittsgeld bezahlen?“
„Ich versuche, das mit dem Ausweis zu verhindern“, antwortet Toni.
„Privilegierter Südtiroler“, sagt Marco und lacht laut. „Fast wie zu Hause. Die Südtiroler dürfen ihre eigenen Berge nicht besuchen.“
„Psst“, zischt Toni. „Nicht so laut! Das ist unser Land. Wir haben das so gewollt.“
Die Drei verabreden sich auf Morgen zu dem Ausflug.
Marco geht heute sofort nach Hause. Er wird abgeholt von Veronika und Matteo. „Geb mir mal bitte ein paar Handschellen mit für deinen Kollegen“, sagt Veronika zu Toni. „Der ist nie zu Hause. Hat der etwa eine neue Freundin?“
„Der hat ja selbst für dich und Matteo keine Zeit. Wann soll er dann eine neue Freundin bespringen? Ich glaube eher, er fährt gern Motorrad mit mir.“

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