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Nach vier Wochen

Nach einem Monat können sie bereits die ersten Tiere schlachten und verarbeiten. Petr sagt, welche Tiere zuerst ihr Leben lassen müssen. Die Tiere würden kaum viel älter werden. Sie haben kleinere und größere Schäden und Verletzungen. Der sanfte Tod und ihre finale Nützlichkeit, lässt die Zweifler unter den Mitgliedern nachgeben. Gnade ist auch manches Mal im Tod verwirklicht. Leidende Tiere bringen auch die Herden etwas durcheinander. Tiere helfen sich untereinander. Menschen wahrscheinlich seltener.

Den Markt erreichen deswegen schon die ersten Schinken, Würste und Fertigprodukte. Würste und Aufstriche bringen der Genossenschaft die besten Einnahmen.

Die Frauen haben sich neben der Marmeladenproduktion jetzt auch der Teeproduktion gewidmet. Und nicht nur das. Die Kollegen rauchen den Tee auch noch.

Die Frauen, als auch Adam und Belo, produzieren noch fleißig Filme. Der Zusammenhalt in der Gruppe wird dadurch scheinbar intensiver. Das Verständnis wächst.

Der Hochzeitstermin rückt näher. Auf dem Marktstand haben die Vier auch Einladungen ausgelegt. Sie möchten die Anwohner zum Fest einladen. Bei der Gelegenheit werden natürlich wieder neue Produkte vorgestellt. Die Genossenschaft spekuliert auch auf Geschenke und neue Verbindungen. In der Nähe gibt es ein Trockenwerk. Und genau das, würde die Genossenschaft interessieren. Sie selbst können nicht in dem Ausmaß trocknen, wie sie es brauchen würden.

Ivona und Blanka, die zwei Zimmermädchen, haben sich mit Kräutern befasst. Sie sammeln jetzt Almkräuter. Slavo hilft ihnen dabei. Die Mitglieder sehen darin Potential für ein großes Geschäft.

Ein Imker aus dem Ort möchte gern seine Bienen bei Slavo platzieren. Sein Honig wird zukünftig von der Genossenschaft Slavos mit vermarktet.

Lina, Ella und Sofia sind angekommen. Sie werden ihre Filme natürlich an Clara und Alex schicken.

Alex hat versprochen, sich öfters bei Slavo sehen zu lassen. Er braucht die Natur, hat er gesagt. Slavo braucht auch gelegentlich die Hilfe von Alex. Meist erledigt er das aus der Ferne. Selma kommt die Tage zusammen mit Livia auf der Alm an. Livia hat es ihr angetan. Alex freut sich ganz besonders darüber. Zumal ihm Clara sehr zugetan ist.

Langsam scheint bei Clara eine Lockerung einzutreten. Geimpfte dürfen wieder über die Grenzen. Clara sucht sich aber vorerst kein neues Personal. Sie gibt allein mit Hubertus den Gastgeber. Die Einheimischen haben bereits angefragt. Sie möchten wieder kommen. Selbst Gita möchte sich ein paar Cent dazu verdienen. Und die staunt nicht schlecht bei den aktuellen Darbietungen ihrer Kollegen. Die Hausgäste erkennt sie auch sofort. Sie wundert sich etwas über ihre Präsenz. „Sind die Gäste die ganze Zeit hier geblieben?“ Clara nickt bei der Frage.

„Ich weiß nicht, ob mir das mein Mann erlaubt.“

„Frage ihn doch einfach. Sonst tue ich das.“

Der Vorschlag scheint Gita zu gefallen. Vielleicht ist in ihre Ehe etwas Müdigkeit eingezogen. Ihr Alois hat im Moment viel zu tun. Es gab Überschwemmungen im Frühjahr. Die haben reichlich zerstört auf ihrem Grundstück. Alois glaubt, ihr Grundstück hat sich in eine Müllhalde verwandelt. Er möchte das erst reinigen, bevor er seine Kühe darauf lässt. Die Gemeinde hat ihm etwas Entschädigung bezahlt. Für Versicherungen hat Alois kein Geld übrig. Es gibt auch vom Bauernbund eine kleine Zuwendung. Dort ist er Mitglied. Alois fällt abends müde ins Bett. Gita muss sich bisweilen selbst helfen. Sie hat sich von ihrem Sortiment bei Etela genug aufgehoben. Clara lädt Gita zu einer Saunasitzung ein. Hubertus soll dabei sein. Gita lehnt nicht ab. Sie wollen nach den Hausgästen saunieren. Die Bar lässt Clara bis ein Uhr offen.

Gita hilft ihr gleich in der Bar.

„Ich vermisse Jarosch etwas“, gesteht Clara.

„Ich auch“, antwortet Gita. Beide müssen lachen.

„Wie viel habt ihr eingenommen mit eurer Show?“

„Mehrere Millionen.“

Gita ist überrascht.

„So viel?“

„Es reicht. Wir haben unser Hotel bezahlt. Gute Löhne bezahlt. Jetzt bauen wir eine Alm aus.“

„Wollt ihr eure Show noch weiter laufen lassen?“

„Bis die Alm aufgebaut ist, sicher. Die Mitglieder haben alle zugestimmt.“

„Darf ich Mitglied werden?“

„Uns wäre sicher lieber, Alois wäre auch dabei.“

„Ich frage ihn noch einmal.“

„Soll ich ihn fragen?“

„Du meinst, bei dir gibt er schneller nach?“

„Da bin ich mir sicher“, antwortet Clara.

Clara kennt Alois von der Schule her. Sie sind sogar schon zusammen gegangen zu der Zeit.

„Mit Alois habe ich Doktor gespielt.“

Die Zwei müssen herzhaft lachen.

„Sind alle Mitarbeiter schon auf der Alm?“

„Im Moment schon. Wir müssen die Alm aufbauen und einrichten. Alex und Selma sind noch zu Hause.“

Alex und Selma wollten eigentlich schon dort sein. Sie müssen die Technik kontrollieren und einrichten. Selma möchte auch etwas Urlaub machen. Sie reist mit Livia zusammen an.

„Wie dreht ihr dann eure Filme?“

„Eigentlich geht das überall. Wir spielen die Filme dann als Konserve ein. Die laufen dann unter dem jeweiligen Angebot.“

„Was kann ich denn monatlich verdienen?“

„Wir teilen unseren Verdienst durch die Mitglieder.“

„Es spielt keine Rolle, wie viel ich persönlich verdiene?“

„Schon. Wir reden in der Genossenschaft über unsere Programme. Wenn einige dabei sind, die selten gefragt sind, ersetzen wir die.“

Gita wird immer begeisterter.

„Gibt es Streit?“

„Wir sind in unserer Genossenschaft eine Familie. In jeder Familie gibt es natürlich Streit. Bei uns wird der aber zivilisiert ausgetragen.“

Clara telefoniert mit Alois. Alois freut sich.

„Ich habe im Moment zu wenig Kraft für Das.“

Alois ist einverstanden. Später möchte er selbst mitmachen. Auch auf der Alm helfen. Er ist sehr interessiert. Gita sagt, er könnte schon dringend eine Auffrischung gebrauchen.

Clara merkt Gita an, sie liebt Alois und hat Mitleid mit ihm.

„Alois ist ein schöner Mann“, betont sie immer wieder. „Es wäre wirklich Verschwendung, so einen lieben, schönen Mann zu ignorieren.“


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One response to “Nach vier Wochen”

  1. […] Nach vier Wochen […]

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