Die Mädels müssen jetzt wieder los. In den Zimmern ist jetzt nichts mehr zu tun. Sie gehen alle geschlossen in die Wäscherei. Ich gehe mit und schaue mal, wie es mit dem Maschinenpark aussieht. Die Wäscherei ist recht modern eingerichtet aber trotzdem ziemlich warm. Wärmer als unsere Küchen. Die Frauen sind deshalb ziemlich leicht bekleidet. Als ungebundener Koch würde ich da schon auf lustige Gedanken kommen. Etwas ältere Köche lieben ja den Anblick etwas üppigerer Frauen, weil sie wissen, da eine dankbare, oft liebevolle, ruhige Kollegin zu sehen. Meine Joana ist das reine Gegenteil. Sie ist eine hyperaktive, umgehende Frau, die selten zur Ruhe kommt. „Geh hoch ins Zimmer und lass uns in Ruhe“, wirft sie mir entgegen. „Ich hab nur bissl Langeweile und will Euch etwas unter die Schürzen schauen“, antworte ich ihr. Die Mädels quieken laut vor Spaß. Beim Anblick der Wäschemenge kann ich verstehen, warum sich das nur mit Spaß ertragen lässt. Zum Glück ist die Arbeit nicht so eintönig, obwohl sie sehr schwer ist. Ich will jetzt nicht unbedingt raten oder schätzen. Aber, in der Wäscherei liegen, in etwa, fünfhundert Kilo gebrauchte, teilweise sehr schmutzige Wäsche. Eine Hausfrau würde bei dem Anblick einfach abhauen. Das Pensum liegt dort täglich an. Je öfter der Gästewechsel, desto mehr liegt in der Wäscherei. Ich habe oft in Hausfrauenaugen gesehen, wenn an einer Tafel, etwas Sauce auf der Tischdecke landete. In der Wäscherei liegen Tischdecken, die mit der gesamten Speisekarte garniert sind. Man hätte sich das Drucken einer Speisekarte sparen können beim Anblick dieser Tischdecken.
Die Mädels haben mich jetzt rausgeworfen und ich schlendere an der Rezeption vorbei. Der Chef sitzt im Büro und hat einen knallroten Kopf. Im Büro ist noch eine Person, die ich nicht deutlich erkenne. Mir scheint, ein Vertreter von irgendeinem Lieferanten. Die Rezeptionistin geht zur Tür und schließt sie. Sie lächelt mich an und fragt, ob ich etwas brauche. „Nichts“, hab ich ihr gesagt und mich zügig entfernt.
In unserem Zimmer suche ich im Internet nach den neuesten Stellenangeboten. Drei sind dabei für mich. Ich leg mir ein paar Bildschirmfotos von den Angeboten ab, damit ich sie noch anrufen kann. Es sind wieder zwei Angebote aus Südtirol und eins aus Österreich. Das österreichische Angebot kommt aus dem Kaunertal. In diesem Winter wäre das gar nicht so schlecht, weil es nicht so viel Schnee gibt. Ich müsste nicht mit Tal sperrenden Lawinen rechnen. Der Weg zu Joana wäre außerdem recht kurz. Wie üblich, schicke ich zu allen Stellen meine Vordrucke und ergänze sie lediglich mit dem Namen der Familien oder Ansprechpartner. Dazu schreibe ich, dass ich wegen meines Schnittes gerade im Krankenstand bin und mich erst in frühestens drei Tagen vorstellen kann.
Mit meiner italienischen Telefonkarte kann ich nicht anrufen, das ist zu teuer. Es sein denn, es wäre wirklich etwas abzusprechen. Dann würde ich schon telefonieren. Die meisten Anzeigen sind eh nicht zu gebrauchen, weil sie entweder zu lange drinstehen oder weil der jeweilige Hotelier oder Gastwirt eine andere Vorstellung hat. Für die erste Kontaktaufnahme eignet sich das Internet am besten. Joana kommt schon. Sie sind scheinbar schon fertig. Joana sagt, ihre Kolleginnen haben ihr frei gegeben, damit sie sich um mich kümmert. Sie kennen die trostlosen Personalzimmer. „Wir könnten ja einen Ausflug nach Hause machen“, sag ich zu Joana. „Wenn Dich das nicht belastet, schon.“ Kurz; wir haben beschlossen, zu fahren. Ich brauch wirklich dringend eine Abwechslung. Joana ist es zwar etwas mulmig wegen dem Schnee, aber es kann nicht so schlimm sein, wie sie denkt.
Die Straßen sind schön frei. Auf der Malser Heide wird das zwar bissl anders sein, aber das lassen wir einfach auf uns zu kommen. Wir nehmen, wie immer, eine Kanne Kaffee mit. Die Winterutensilien sind immer im Auto. Wir fahren los. Der Zeitpunkt ist relativ günstig. Der Reschen ist noch gesperrt für den Schwerverkehr. Es fahren ein paar Pendler und einzelne Touristen in Autogruppen. Diese Gruppenfahrten sieht man recht häufig bei unseren italienischen Landsleuten. Sie möchten sich untereinander helfen können, wenn Einer eine Panne hat.

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