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Gerda ist angekommen

Simone hört das gern, was Bernhard von sich gibt. Sie schmiegt sich an ihn. Gerda wird gleich verlegen bei dem Anblick.

Bereits nach dem ersten Glas Sekt, wird Gerda müde. Die vielen neuen Erkenntnisse, haben Gerda viel Kraft geraubt.

Das Telefon von Gerda klingelt. Bernhard ist dran.

„Wir frühstücken Etwas und dann geht es los.“

Gerda duscht sich. Gepackt hat sie abends. Die Wohnung ist aufgeräumt. Sie blickt noch einmal in die sehr schöne Wohnung. Bernhard steht schon vor der Tür. Er möchte das Gepäck holen.

„Nur zwei Taschen?“

„Mehr besitzen wir nicht.“

„Hast du ein Glück. Ich auch. Du müßtest mal sehen, was ich transportiere, wenn ich mit Simone verreise. Beide lachen halblaut.

Simone serviert in einem sehr dünnen, durchsichtigen Seidenkleid das Frühstück. Sie zeigt sich wie eine geübte Gastgeberin. Frisch, lustig und einladend. Ihr Tun wirkt leicht aufgesetzt. Kaum spürbar. Als wäre sie froh, einen oder zwei Tage allein zu sein.

Der Abschied von Bernhard wirkt etwas trocken. Garniert mit einem vorwurfsvollem Gesicht. Irgend Etwas scheint nicht zu stimmen. Auf der Fahrt sagt ihr Bernhard, was nicht stimmt. Simone ist eigentlich gegen die Erweiterung. Sie glaubt, Bernhard will sich damit aus dem Staub machen. Bei Gütertrennung hat Bernhard einen Kredit beantragen müssen. Mit Fördermitteln. Damit bekam er die Zusage von der Bank. Es geht um mehrere Millionen. Simone hat nur eine Anzahlung geliefert. Bei diesem Betrag, ist die aber auch recht gehaltvoll. Zehn Prozent haben aber gereicht. Die Fördermittel wurden ausgereicht, um gerade den Mangel an Eigenkapital zu überbrücken. Das war eigentlich für Ostdeutsche gedacht. Wurde gesagt. Simone und Bernhard haben gesagt, sie stellen Ostdeutsche ein. Genau das, war die Umgehung dieser Maßgabe. Nicht nur bei ihnen. Bei allen Westinvestoren. Die Meisten nahmen das Kapital, um ihre angeschlagenen Firmen zu Hause zu retten. Der Osten spielte dabei nur den Vorwand. Man konnte ja pleite gehen mit der neuen Firma unter DDR-Beteiligung. Die Reste lassen sich dann billig aufkaufen.

Auf Bernhard trifft das so nicht zu. Er ist nur der Besitzer der Metzgerei. Bei den Verkaufsstellen, hat er nicht zu investieren. Dort ist er nur Pächter. Investoren haben kein Interesse am Pachten. Sie verdienen damit ihr Geld. Mit der Arbeit – Anderer.

Schutzgeld.

Bernhard zahlt teilweise zehn Prozent Zinsen. Jedes Jahr auf den Restbetrag. Er glaubt, seine Produkte sind gefragt in der DDR. Das hat er im Fernsehen erfahren. Auf allen Kanälen.

Simone fordert auch ihre Prozente von Bernhard. Sie ist günstig. Fünf Prozent will sie haben. Sicher kann Bernhard bei ihr Stunden. Oder auf den Lohn verzichten. Verhungern wird sie Bernhard nicht lassen.

Er ist ihr Arbeiter. Dem Investment hat sie nur zugestimmt, weil reichlich Förderungen ausgereicht oder versprochen wurden. Sowohl für das finanzielle Engagement als auch für die Lohnkosten. Die wurden, bis auf die Nebenkosten, zu fünfzig Prozent vom Staat übernommen. Sprich, für den Grundlohn. Viel mehr wollte Bernhard auch nicht zahlen. Bewerbungen sind reichlich eingegangen bei ihm. Er konnte sich sogar die schönsten Bewerberinnen aussuchen. Die Fleißigsten hat er dabei enttäuscht. Um das Sortiment und die Verarbeitung wollte er sich selbst kümmern.

Gerda kommt mit Bernhard in Waldenburg an. Dort steht Bernhards Fleischerei. Gerda ruft Rolf an.

„Ich komme sofort“, sagt Rolf voller Erwartung. Patrick will mitfahren. Er will Bernhard kennen lernen. Außer dem, hat er vor, sich im Einkaufszentrum ein paar Waren zu kaufen. Dort hat er auch einen Stand für seine Sträucher, Hecken und Bäumchen.

„Das müssen wir gelegentlich inspizieren. Die verkaufen das auf Provision. Die Holländer, die dort ihre Blumen verkaufen, wollen uns dort verdrängen. Gelegentlich kommen sie dabei, entgegen unseren Absprachen, in unser Geschäftsfeld.“

„Also; die verkaufen Blumen und wir Sträucher, Stauden und Bäumchen.“

„Genau. Wir haben darüber einen Vertrag. Auch mit dem Kaufhallenbetreiber. Wir müssen dort immerhin Standgebühr zahlen.“


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