Ab jetzt, konzentrieren sich die Zwei auf Geld. Geld verdienen, wo sie die Möglichkeit finden.
Die findet sich. Garbor verstärkt seine Anstrengungen bei dem Touristengepäck. Emese bei der Bedienung. Emese übernimmt fast den Poolservice von Endre. Das sichert ihr reichlich Trinkgeld. Endre drängt schon aufs Teilen. Emese teilt mit Endre. Die Zwei erweitern ihr Geschäft bis in die Sauna, den Whirlpool, das Solarium und in den Fitnessraum. Andreas der Chef bemerkt das. Er lobt den Einsatz der Zwei. Es gibt steuerfreie Prämien.
Garbor verdient mit der Gepäckbeförderung reichlich Trinkgeld. Gelegentlich wirft ihm der Chef vor, er würde sich eher um das Trinkgeld kümmern als um die Zimmer. So stimmt das nicht. Gäste haben das Andreas eingeredet. Weibliche Stammgäste. So nach der Art: Die Duschen laufen schlecht. Die Abflüsse sind verstopft.
„Sie meinen wohl eher die Zuflüsse“, gibt Garbor dem Chef zu verstehen. Andreas begreift den Einwand. Trotzdem will er es prüfen. Die Zimmermädchen sollen die Fehlermeldungen künftig an der Rezeption hinterlegen. Nicht mehr bei Garbor direkt.
Die ersten zwei Meldungen prüft Andreas selbst. Als die Kunden das Haus verlassen haben. Nichts. Nicht mal der Abfluss ist verstopft. Doch der Zufluss, sagt sich Andreas. Er bespricht das mit Garbor. Beide lachen. Garbor gewinnt den Eindruck, vom Chef zunehmend anerkannt zu werden. Als Resultat, darf er jetzt die Produkte, die er benötigt, selbst einkaufen. Dazu darf er das Firmenauto benutzen. Bilman hatte ihm vor seinem Weggang gesagt, das wäre ein enormer Vertrauensbeweis. Er selbst habe zwei Jahre gebraucht, um in den Genuss zu kommen. Zumal Bilman einen recht weiten Arbeitsweg hat. Bilman wohnt in Sinich. Um nach Dorf Tirol zu kommen, musste Bilman zwei Mal umsteigen. Bis er vom Chef das Betriebsauto bekam. Zu seiner neuen Arbeitsstelle hat er es nicht weit.
Nach einem Monat kann Garbor zusammen mit Emese, mehrere Tausend Euro nach Hause schicken. Emese hat sich auf die Art, sehr gut in die Familie eingeführt. Ihre Familie ist bereits bei Judit auf Besuch. Man bespricht das weitere Vorgehen. Das Zusammengehen mehrerer Züchterfamilien steht bevor. Garbor ist eingeladen.
Die Zwei beantragen ihren Urlaub bei Andreas. Andreas ist skeptisch. Er hat Angst vor Garbors Verlust. Emese könnte er leichter ersetzen. Nicht in der Qualität. Er versucht, das zu überspielen.
„Kommt ihr wieder“, fragt er freundlich.
Garbor bemerkt den Ton. Das Freundliche wirkt aufgesetzt. Es wäre auch nicht die Art von Andreas. Der lacht praktisch nie. Selbst die Gäste bezeichnen Andreas als unfreundlich.
„Wir haben es vor. Wir wollen nur heiraten.“
Jetzt tut Andreas etwas, was Garbor nie erwartet hätte. Emese ist sprachlos. Andreas schreibt einen Scheck aus. Fünf Tausend.
„Mein Hochzeitsgeschenk“, sagt er fast schon schüchtern. Sichtlich nervös. Unruhig. Garbor bekommt Tränen in die Augen. Die raue Hülle wird plötzlich liebevoll.
„Wenn ihr wieder kommt, feiern wir zusammen am Garda.“
„Wir könnten auch am Balaton feiern.“
„Entschuldigt bitte. Ich habe Südtirol und das Trentino noch nie verlassen.“
„Dann würde das eigentlich mal Zeit.“
„Aktuell, traue ich mir das nicht.“
„Ist gut. Wir kommen wieder.“
Andreas konnte ihnen die Wichtigkeit ihres Dienstes vermitteln. Garbor hätte zwar lieber Etwas gebaut. Etwas mit sichtbarem, bleibendem Wert. Ein Haus, ein Auto oder etwas Ähnlichem. Aber das Angebot, scheint fast seine Vorstellung zu erfüllen. Eine Hintertür muss trotzdem offen bleiben. Wenn Mama etwas passiert und sie Hilfe benötigt. Es können also niemals einhundert Prozent sein von dem, das er gibt. Wenn er komplett hier her geht, bleibt sein Eigentum, seine Liebe, sein zu Hause und seine Familie zurück. Das geht nicht. Er wäre umgehend ein Bettler. Ein Zigeuner. Ein Sklave in der Hand seines Besitzers. Ware. Erpressbar. Käuflich. Ohne jede Geschichte. Ohne Hilfe.
Das erklärt er Andreas. Andres tut so, als wären das kommunistische Gedanken.
„Das haben die euch in der Schule eingebläut!“, schimpft er vor sich hin. Dabei schaut er Garbor nicht an.
„Wenn ich sie jetzt auffordere, Alles, was sie besitzen, stehen zu lassen und zu gehen. Was würden sie tun?“
Jetzt begreift Andreas. Er gibt es nicht zu. Um Gottes Willen.
„Gut. Ich gebe das Doppelte von Jetzt. Auch für Emese.“
„Akzeptiert“, sagt Garbor. Sie verabschieden sich herzlich.

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