Garbor und Emese brechen auf. Noch abends. Sie möchten den Tagesverkehr vermeiden. Attila warnt sie. Der Nachtverkehr wäre noch gefährlicher. Und am frühen Tag, zum Arbeiterverkehr, kämen sie genau in Südtirol an.
„Woher weißt du das“, fragt Garbor. „Du warst doch nie groß außer Haus.“
„Ich hatte eine Freundin. Die arbeitete in Südtirol und im Trentino.“
„Du hast schon Recht“, bestätigt Garbor. „Hatte die nicht einen tödlichen Unfall?“
„Ja. Auf ihrem Arbeitsweg. Das wurde nicht mal als Arbeitsunfall anerkannt. Ihre Eltern stritten Jahre lang deswegen. Vergebens.“
„Dann müssen wir mit unserem ersten Geld eine Versicherung abschließen. Für Mama und unsere Familie.“
Es gibt Abschiedsküsse, Glückwünsche und Hilfe beim Packen.
Im Dunkeln lässt sich nach Garbors Ansicht recht gut fahren. Außer bei starkem Regen natürlich. Auf den Straßen liegt einfach zu viel Öl. Das setzt sich auf die Scheiben. Garbor musste auch bei diesem Wetter, täglich fahren. Er hat also reichlich Übung. Auch bei sehr lebhaftem Verkehr.
Emese und Garbor wechseln sich beim Fahren gegenseitig ab. Auch Emese kann bei diesem Wetter recht gut fahren. Wenn es ihr zu schwer wird, bittet sie Garbor, das Steuer zu übernehmen. Eigentlich ist die Eintönigkeit der Autobahn daran Schuld, sagt Garbor. Bei höheren Geschwindigkeiten würde das nicht passieren. In ihrem Auto. Das ist auch ziemlich laut. Nicht ganz so bequem wie neuere Autos. Das zwingt die Zwei auch, öfter anzuhalten und ein paar Runden zu laufen. Anderen Parkern fällt das auf. Sie lästern etwas beim Anblick der Beiden. Garbor besteht darauf, den Parkplatz zwei Mal zu umrunden. Zwischendurch gibt es noch gymnastische Übungen. Emese bekommt dabei Applaus. Sie zieht bei der Gymnastik immer ihren Trainingsanzug aus. Drunter trägt sie ein enges Sporthöschen. Das scheint die Kraftfahrer besonders zu erregen. Garbor natürlich auch.
„Wir müssen vielleicht unsere Art der Gymnastik verändern“, gesteht er Emese.
„Zu gern“, antwortet sie. „Auf den Parkplätzen geht das aber nicht. Die haben Augen.“
Sie zeigt nicht nur auf die Kraftfahrer. Auch auf die vielen Kameras.
„Für Geld, würde ich ihnen schon einen Show liefern. Gratis nicht.“
„Du meinst, wie Viola?“
„Aber sicher. Kolleginnen im Hotel tun das ja auch. Sie schicken recht viel Geld nach Hause.“
„Das müssen wir erst noch erkunden.“
Tatsächlich trifft das ein, was Attila andeutete. Schon am Brenner bemerken sie die rege Geschäftigkeit. Am schlimmsten ist es an der Brennerkasse. Dort werden sie vom Zoll kontrolliert. Was die vielen Lebensmittel und Würste in ihrem Auto bedeuten.
„Wir sind Saisonkräfte. Das ist unser Essen in der Zeit.“
„Also, Eigenbedarf?“
„Ja.“
Der Zöllner schreibt das auf eine Art Quittung. Die soll Garbor unterschreiben.
Der hektische Verkehr setzt sich bis Sterzing fort. Irgendwie hat Garbor den Eindruck, nach dem Zoll würde eine Art – Wettrennen stattfinden. Unter den Augen der vielen Kameras auf dem Brenner. Mit dem Befahren Italienischen Bodens, wurde das Wettrennen sogar noch wesentlich entfesselter. Auch unter den Augen von Kameras. Offensichtlich hat hier keiner Furcht vor Strafen.
Garbor fiel das schon einmal auf. Er hatte einen Bußgeldbescheid bekommen. Auf der Bank sagte ihm eine Kassiererin, der muß nicht mehr bezahlt werden.
Die Frist wäre bereits überschritten.
„Passiert da nichts weiter?“, wollte Garbor wissen.
„Nein. Ich habe das schon hundert Mal erlebt.“

Kommentar verfassen