G-KP2FRJ78B3

Leseprobe Die Hubertusalm

Clara deutet an, deswegen den Stammsitz der Genossenschaft verlegen zu wollen. In ein Steuerparadies. Die Mitglieder müssen das abstimmen. Sobald sie den Firmensitz verlegen, dürfen sie auch mit reichlich Kontrollen rechnen. Welches Land lässt sich gern um die Steuern erleichtern. Eine Möglichkeit wäre, die örtlichen Beamten zu bestechen. Wenn da Einer singt, ist das Unternehmen gefährdet. Keiner will das. Jetzt, wo es so gut läuft. Vielleicht wären eine oder mehrere Spenden der passende Weg. Sportvereine. Jugendarbeit. Behinderten- und Altenpflege. Die Kommunen haben wegen der Freibriefe für große Unternehmen, kaum noch Einnahmen. Das wäre die Möglichkeit. Schutzgeld. Die Mitglieder sehen das positiv.

Es wird beschlossen.

Das Trockenwerk im Ort wird von der örtlichen Genossenschaft bereit gestellt.

Der Hotelbau ist genehmigt. Das Geld, welches Hubertus bringt, reicht dafür. Sondereinnahmen. Kleine Prämien für den Kommunalrat sind eingerechnet. Parteispenden.

Etelas Telefon klingelt. Clara fragt, ob Hubertus schon angekommen ist. Etela kontrolliert.

„Nein.“

„Ich erreiche sein Telefon nicht.“

„Ich versuche es.“

Etela versucht, eine Verbindung aufzubauen. Das Gespräch wird angenommen. Die Gendarmerie.

„Wie kommen sie zu dem Telefon?“, fragt Etela.

„Hubertus hatte einen Unfall. Er liegt intensiv im Wiener Uni – Krankenhaus.“

Etela weint. Ausgerechnet Hubertus.

„Hubertus hatte einen Unfall. Er liegt in der Uni-Klinik Wien“, sagt sie zu Clara am Telefon.

Clara kann es nicht fassen. Sie telefoniert mit Goran.

„Du musst dich mal kümmern.“

Goran verspricht das.

Noch am gleichen Abend bricht Goran auf. In der Klinik will man Goran zuerst nicht zu Hubertus lassen. Erst der Hinweis wegen des Geldes, öffnet die Tür.

„Hubertus ist soeben verstorben“, gesteht ihm die Schwester. Die inneren Verletzungen waren zu intensiv. Goran bekommt Hubertus gezeigt. Er sieht wirklich schwer ramponiert aus. Der Kiefer ist weit aus gehangen. Das Genick gebrochen.

„Wir haben Hubertus für die Beerdigung wieder etwas her gerichtet. Er sah bedeutend schlimmer aus.“

Goran bieten die Worte wenig Trost. Clara wird verzweifeln. Sie klingelt schon.

„Und? Weißt du etwas Genaues?“

„Setzt dich.“

Clara ahnt, was Goran meint.

„Ist es so schlimm?“

„Schlimmer. Hubertus wird nicht wieder kommen.“

„Mein Gott. Alles ist bezahlt. Wir sind aus dem Gröbsten raus. Und Hubertus kann das nicht genießen.“

„Ich bringe ein paar Mitglieder zu dir. Die helfen dir. Bis morgen.“

„Gita ist hier. Die hilft mir bereits gut.“

„Das reicht aber nicht. Gita versorgt auch die Tiere von Alois. Ich schicke dir Ella und Lina“

„Gut. Das passt. Die Zwei sind mir recht.“

Goran ruft gleich bei Slavo an. Die Gruppe ist schockiert. Goran sagt, Ella und Lina sollen sich fertig machen. Clara benötigt Hilfe. Er kommt in zwei Stunden.

Zwei Stunden sind zwar etwas untertrieben. Er müsste wirklich flüssig durch Wien kommen. Das scheint etwas unrealistisch. Hilfe bietet sich an.

„Wir fahren sie mit dem Krankenwagen und Signal. Hin und zurück.“ Die Antwort hat Goran nicht erwartet von der Empfangsschwester.

„Das würde uns sehr helfen.“

Keine zwei Minuten und vor Goran stehen zwei Krankenwagenfahrer.

„Es kann losgehen.“

Bei den Kollegen auf der Alm angekommen, wird Goran schon erwartet. Ella und Lina sind knallrot im Gesicht. Kaum wieder zu erkennen.

Sie fallen Goran gleich um den Hals. Die anderen Mitglieder sehen ähnlich aus. Slavo kann es nicht fassen.

„Die Polizei hat die Unterlagen und Kontoauszüge. Hubertus hatte Alles überwiesen. Extra kodiert. Alex muss die Überweisung suchen. Es ist recht viel. Fast einhundert Tausend zusätzlich. Jetzt können sie doch mit Anfragen vom Finanzamt rechnen. Alex wird sich darum kümmern. Auch Goran. Er kennt die Beamten persönlich. Hubertus hatte sicher auch noch Bargeld mit. Das erfahren wir dann von der Polizei. In Europa darf das Bargeld noch bewegt werden.

Goran soll Recht behalten. Die Polizei meldet sich. Hubertus hatte einen Koffer mit Geld dabei. Die Summe sagen die Polizisten nicht. Goran soll das abholen. Er wollte sicher das Hotel kaufen im Ort. Jetzt kauft es Goran oder Slavo.

Die Mitglieder haben beschlossen, das Hotel als Genossenschaft zu kaufen. Privat wäre zwar besser gewesen. Sie hätten dann die Pacht absetzen können. Über die Genossenschaft können sie aber auch sämtliche Kosten absetzen. Und das schien den Mitgliedern günstiger. Selma kennt sich aus in Steuerfragen. Außerdem können sie die Anteile der Mitglieder besser verteilen und auf diese Art, Kosten sparen.

Mit ihrer Hochzeit wollen Alle auch gleich eine gemeinsame Gedenkminute mit Trauerfeier für Hubertus einlegen. Hubertus bekommt auf der Alm ein Denkmal. Aus Holz. Geschnitzt. Zusammen mit Clara. Die Mitglieder haben sich entschlossen, ihre Alm – Hubertusalm zu nennen. Slavo hat bereits im Ort gefragt, ob das genehmigt werden würde. Die Antwort steht noch aus. Die Ortschaften in den kleinen Karpaten haben viele Gästehäuser. Die Namen sollen nicht doppelt vergeben werden.

Die Schnitzer gehen aber recht optimistisch ans Werk.

„Wenn Piesok, die Gemeinde ablehnt, werden wir diesen Namen als Hubertus – Clara – Alm eintragen. Den Namen gibt es sicher noch nicht.“

Slavo sollte Recht behalten. Hubertusalm ist genehmigt. Es hat einen Tag gedauert. Die Mitglieder veranstalten eine kleine Feier anlässlich der Taufe. Sie haben mit Clara eine Telefonkonferenz geschaltet. Clara weint vor Freude beim Anblick der Alm und ihrer Kollegen.

„Hubertus wird uns unvergessen bleiben“, stammelt sie ins Telefon.

Goran kommt inzwischen bei Clara an. Lina und Ella drücken und küssen Clara.

„Kümmert euch gut um Clara“, sagt Goran. Er muss auf den Reschen und nach Brixen.

Gita kümmert sich morgens um die Buchungen und die Abrechnung. Das schickt sie Alles zu Alex. Alex erledigt das von der Alm aus. Gita hat so Zeit, sich um das Essen der Gäste zu kümmern.

Clara überlegt, ob sie umstellen soll auf Frühstückspension. Robin ruft an. Nach den Beileidsbekundungen, erklärt er, sich um beide Hotels zu kümmern. Zusammen mit Daniela. Die Gäste von Clara können bei Robin mit versorgt werden. Dieser Vorschlag gefällt allen Mitgliedern der Genossenschaft. Robin der Retter. Lina und Ella sind damit auch bei Robin angestellt.

Clara soll, so bald es geht, auf die Alm ziehen. Zu Hubertus und seinen Freunden. Slavo ist auch der Meinung, Clara könnte als Vorsitzende mehr erreichen als er. Seinen Kollegen erzählt er das vorerst nicht. Er macht sich aber Hoffnung, ihre Produkte endlich in zwei Hotels verkaufen zu können. Daniela freut sich darauf. Produkte vom eigenen Hof.

Alois gibt aber sein Gut nicht auf. Das Gut wird gebraucht, um kurze Lieferwege umzusetzen. Vor allem bei den Produkten des täglichen Bedarfs. Gita soll einen Knecht einstellen. Wenn es geht, als neues Mitglied.

Gita kennt schon ein paar einheimische Kollegen aus dem Hotel von Robin. Manchmal helfen sie bei Clara. Die haben ihr den Hausmann von Robin empfohlen. Der ist mit einem Zimmermädchen zusammen. Gita wird hellhörig. Beim Personalessen muss sie die Zwei unbedingt ansprechen. Vorher will sie das mit Daniela besprechen. Die muss einen neuen Hausmann suchen, wenn der Hausmann in Frage kommt.

Beim Personalessen spricht Gita – Gerald an. Seine Freundin, Gerta, ist begeistert von dem Vorschlag. Sie kennt die Geschichte der Genossenschaft. Aus dem Volksmund. Die Mitglieder haben einen sehr guten Ruf.

„Gerald hat nur von euch gesprochen in der letzten Zeit.“

Daniela ruft Clara an. Clara ruft die Mitglieder auf der Alm an. Goran kommt zurück gefahren von Maria. Er nimmt Clara mit zu Maria. Neben der Trauer um Hubertus, versucht Jonas, Clara neuen Mut zu machen. Maria hilft ihm dabei. Goran soll von den Beiden zwei Kälber mit nehmen. Jonas möchte dafür ein paar Naturalien. Er hat einen Zettel geschrieben. Maria fragt, wann denn nun die Hochzeit stattfindet. Goran weiß es selbst nicht genau. Sie rufen Slavo an.

Slavo gibt jetzt den Hochzeitstag bekannt. In zehn Tagen. Maria kann es kaum fassen. Massenhochzeit und der Trauertag für Hubertus. Goran wird das als Termin festlegen.


Entdecke mehr von Ossimigranten

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.



Ein Kommentar zu „Leseprobe Die Hubertusalm“

  1. […] Leseprobe Die Hubertusalm […]

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Ossimigranten

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen

Entdecke mehr von Ossimigranten

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen