KhBeyer

Die
Seniorenrevolution
Erna stochert mit der Gabel im Essen vor ihr auf dem Tisch. Im Hintergrund, leise, eine Operette aus dem Lautsprechern. In Stereo. Der Zigeunerbaron. Frieda neben ihr, würde gleich mitsingen, statt zu essen. Sie hat die Aluminiumfolie auf der Aluminiumschale vor ihr noch nicht geöffnet.
„Wie schmeckts?“, fragt sie Erna.
„Frag erst mal, wie es riecht.“
Frieda geht mit der Nase über die Aluminiumschale vor Erna.
„Was ist das?“
„Kasseler, Bratkartoffel, Sauerkraut steht auf dem Plan.“
„Das sieht recht gut aus.“
Einen Bissen hat Erna schon probiert. Und wieder ausgespuckt.
„Das Fett schmeckt alt.“
In der Aluminiumschale liegt ein mittelgroßes Stück vom gepökelten Schweinebauch. Erna ruft die Schwester. Magda. Magda kommt aus Polen. Sie spricht gutes, aber gebrochenes Deutsch.
„Der Bauch ist nicht frisch. Geben sie mir mal einen anderen Teller.“
Mit Teller hat Erna etwas übertrieben. Sie wollte Missverständnisse vermeiden.
Magda prüft den Geschmack und den Geruch.
„Du Recht hast. Ich Neuen holen.“
Magda ist sehr schnell. Die neue Aluminiumschale ist noch geschlossen. Magda probiert.
„Auch nit gut. Ich Neue hole.“
Magda geht in die Küche und kontrolliert die Beschriftungen auf den Aluminiumdeckeln der übrigen Schalen. Hamid, die pakistanische Küchenhilfe fragt, ob etwas passiert ist.
„Soll ich aufwische?“
„Ne. Ich nur neuen Teller brauche.“
Hamid geht an den Umluftofen und öffnet die Tür. Er zieht die einzelnen Einschübe heraus und kontrolliert das Datum.
„Hier iss!“, ruft er.
Tatsächlich hat er drei Schalen auf dem Einschub mit jüngerem Datum stehen.
„Den ich nehme.“
Magda trägt die Schale zu Erna.
„Ich habe Probe. Gut.“
Erna probiert und dankt Magda aufrichtig für ihre Mühe.
„Wie kann das passieren?“, fragt sie.
„Ich nicht verstehe. Normal, wir altes Essen wegwerfen.“
Tatsächlich werfen die Angestellten abgelaufenes Essen weg. Zumal sie nicht wissen, wie frisch die Rohstoffe vor der Zubereitung waren. Dazu sind sie auch vergattert worden bei unzähligen Schulungen.
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Bei den Schulungen redete kaum Jemand über das Essen. Auch nicht über die Betreuung der Älteren. Nein. Sämtliche Schulungen waren Werbeveranstaltungen für kostenpflichtige Weiterbildungskurse. Das Geld dafür, sollten sie beim Amt persönlich beantragen. Die haben ihre Arbeiter los geschickt, um für sie auf dem Amt um Geld zu betteln.
„Wie wird das Essen vernichtet?“, fragt Erna interessiert.
„Wir sammeln auf einem Wagen„, ist Magdas Antwort.
Die Älteren verabreden sich zur Kontrolle des Vorgangs.
Wie kommt älteres Essen zu dem frischen?
Frieda, Ernas Freundin, möchte jetzt mit der Chefin sprechen. Angela, die Chefin der Weißen Tulpe, empfängt sie. Gegen Termin, sagt sie. Im Moment hat sie keine Zeit. Sie hat einen Pressetermin. Es geht um die Gewinnung von Sponsoren.
„Wer liefert unser Essen?“
„Iss gut“, antwortet Angela.
„Iss gut“ ist die Firma, die das Essen kocht und verpackt. Erna möchte kein großes Aufsehen provozieren. Sie ruft Monika an. Monika erzählt das Toni auf ihrer Aschbacher Hütte. Erna kennt Toni noch aus dem Schnalstal.
„Macht mir bitte kein Aufsehen. Ich möchte nur wissen, wie abgelaufenes Essen in das frisch gekochte Essen gerät.“
Monika hat bei Gabriel von „Iss gut“ schon gekocht. Sie kennt ihn persönlich. Gabriel wollte ihr immer etwas an die Wäsche. Er hat extra in der Wäschekammer, die auch als Personalgarderobe dient, Kameras eingebaut.
„Wegen den Diebstählen von Betriebswäsche“, sagte er.
Monika war fast immer die Letzte, die den Betrieb verließ. Sie hat die Essensgutscheine abgerechnet. Gabriel hat ihr das vorsätzlich anvertraut.
Eigentlich sind im Betrieb Garderoben und sogar ein Duschraum. Monika hat das vorsätzlich nicht benutzt. Gabriel besuchte sie mal nach dem Duschen in der Garderobe.
„Soll ich dich abtrocknen“, fragte er.
Seine Hand war schnell an der Stelle, die Monika eigentlich Freude bereiten soll. Monika hat sich das der Ausbildung wegen mehrmals gefallen lassen. Schon nach dem dritten Versuch, verzichtete sie auf das Duschen und die Garderobe.
‚Verschwitzt wird er mich meiden‘, dachte sie sich.
Tatsächlich hat das geholfen. Gabriel kam trotzdem noch oft. In die Wäschekammer. Bis auf ein paar lästige, prüfende Berührungen, war das Peinlichste abgestellt.
Monika schickt Toni. Gabriel kennt auch Toni. Seit er von der Ehe mit Monika weiß, ist er vorsichtig geworden. Toni hat ihm mal paar wirkungsvolle Watschen verpasst. Das hat geholfen. Seit dem, trägt Gabriel Zahnersatz. Für schmerzvolle dreißig Tausend.
„Ich möchte von dir wissen, ob du abgelaufenes Essen neu auslieferst.“
„Das geht bei uns beim besten Willen nicht“, antwortet Gabriel. „Dafür werden wir viel zu hart kontrolliert. Wenn dann noch eine Anzeige käme, wäre das mein Ende. Dazu Knast.“
Toni sieht das ein.
„Du legst ja auch Proben weg.“
„Naja. Wenn ich altes Essen verarbeiten würde, käme das sicher nicht zur Probe.“
„Kann das ein Fahrer machen?“
„Ausgeschlossen! Die werden genau abgerechnet.“
„Was passiert mit dem Rücklauf?“
„Wir müssen Fleisch von den pflanzlichen Beilagen trennen. Fleisch kann nicht ins Futter gegeben werden.“
„Was passiert damit?“
„Viel ist es nicht. Unser Personal nimmt das mit nach Hause. Ich protokolliere das sicherheitshalber.“
Toni verabschiedet sich freundlich. Gabriel möchte ihm Fleisch vom heutigen Tagesgericht mitgeben. Toni nimmt das Angebot an.
„Besuche uns mal auf der Hütte oder bei Monika auf der Boxerhütte.“
„Gerne. Ich wollte schon lange Mal Monika mal wieder sehen.“
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Auf der Heimfahrt fällt Toni eine Bemerkung Gabriels auf. Der Rücklauf wird eigentlich erst am kommenden Tag bei Gabriel erscheinen. Es bestünden also doch Möglichkeiten, Essen zu vertauschen. Das sagt er Monika.
Monika ist sich mit dem gesamten Ablauf nicht im Klaren. Wird das Essen warm gehalten oder schnell herunter gekühlt? Die Frage hätte sie Toni mit auf den Weg geben müssen. Sie ruft Gabriel persönlich an.
Im Fall von warm gehaltenen Essen, wird eigentlich die Ausgabezeit für frisches Essen überschritten. Allgemein gelten fünf Stunden als maximale Ausgabezeit nach Fertigstellung des Essens. Wird die Zeit nicht eingehalten, muss das Essen nach der Fertigstellung schnell gekühlt oder gefroren werden. Im gefrorenen Zustand muss die Mindesthaltbarkeit aufgestempelt werden. Das gilt bereits als Konservierung.
„Wir geben nur warm aus“, antwortet Gabriel am Telefon. „Du kannst dir das gern anschauen kommen.“
Monika bedankt sich höflichst.
„Ich habe jetzt einen besseren Stecher.“
„Naja. Dann gratuliere ich dir.“
Eigentlich dürfen die Speisen nicht unter siebzig Grad fallen während des Transportes samt Ausgabe. Hamid hat oft niedrigere Temperaturen protokolliert. In dem Fall, gibt er sämtliche Speisen noch einmal in seinen Dämpfer. Zum Nacherhitzen.
„Ich tue das eigentlich mit allen Lieferungen“, sagt er. Hamid erhitzt also grundsätzlich jede Lieferung.
„Das System ist nicht gut“, sagt er zu Monika. „Es ist auch viel zu aufwendig.“
Hamid meint damit auch den Müll, den dieses System erzeugt.
„Wir kommen mit frischer Küche bedeutend besser zurecht.“
„Das sehe ich auch so. Eigentlich kannst du ja auch ausgeben. In dem Fall, könnte Gabriel das Essen auch gesamt in Behältern ausliefern.“
„Wir geben aber auch Einzelportionen außer Haus aus.“
„Wie viele sind das?“
„Etwa zwanzig.“
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Von diesen Lieferungen kamen bisher keine negativen Meldungen. Entweder werfen das die Kunden weg und halten den Mund oder das Essen ist in Ordnung.
Die Warnung reichte Gabriel, die Lieferung für das Seniorenheim umzustellen. Er schickt ab Heute das Essen in Ausgabebehältern. Für Hamid ist das sogar besser. Er kann den Senioren, die weniger essen, die Portionen besser anpassen. Die Mülltonnen bleiben leer. Der Futterkübel auch.
„Für die Grüne Umweltindustrie ist das ein Schlag in die Leiste“, sagt Monika lachend zu Toni auf der Hütte.
„Aus solchen Behältern zu leben, ist eine schwere Demütigung nach einem arbeitsreichen Leben. Zumal das auch nicht unbedingt der Gesundheit dient.“
„In der Beziehung, können wir unserem Seniorenheim nur gratulieren“, sagt Monika. „Trotzdem müssen wir dem alten Essen auf die Spur kommen. Bei einem dreiwöchigem Zyklus, bräuchte es entsprechende Lagermöglichkeiten. Sicher auch Methoden, die Beschriftung zu ändern.“
„Die Beschriftung ist nicht das Problem. Das sind nur Etiketten.“
„Da packt Einer das Essen nur in einen neuen Behälter und beschriftet es wie das Tagesessen.“
„Dazu braucht er die Technik. Wir müssen also heraus bekommen, wer so eine Maschine erworben hat. Die ist doch sicher recht teuer.“
Sie vereinbaren einen Termin bei „Gastrohub“. Konrad ist der Chef dort. Monika kennt Konrad persönlich. Konrad wollte immer gerne mit Monika gehen. Monika wollte nicht.
„Er riecht immer auffällig nach Schweiß“, sagt Monika. „Ich frag mich, was der isst?“
Toni muss lachen.
„Das werden eher die Getränke sein.“
Konrad besucht täglich die Bar neben seiner Wohnung.
Konrad hat inzwischen gesucht, ob er solch eine Maschine verkauft hat und an wen.
„Die Maschine gibt es in zwei Ausführungen. Automatisch und manuell. Die manuelle Ausführung ist sehr preiswert. Die habe ich an das Seniorenheim verkauft.“
Der Kreis schließt sich. Hamid wird von Monika schwer ins Verhör genommen. Er gesteht.
„Meine Chefin will das so.“
Monika hat die Aussage aufgenommen. Für den Ernstfall. Soweit kommt es nicht. Angela, die Chefin gesteht das.
„Wir haben finanzielle Vorgaben, die wir einhalten müssen. Ich trete zurück von der Position.“
Führungswechsel
Agate übernimmt die Führung des Altenheimes. Sie spürt sofort die sich andeutende Unzufriedenheit der Bewohner. Die ist individuell unterschiedlich.
Auf der einen Seite geben sich die Bewohner sehr zufrieden. Sie werden häufig von ihren Kindern und Enkeln besucht. Die große Mehrheit aber fühlt sich abgeschoben. Auf das Abstellgleis. Deren Kinder und Enkel haben keine Zeit, sich um ihre Eltern und Großeltern zu kümmern. Zumal sie dachten, mit den sehr hohen Pflegekosten sei die Betreuung in besten Händen.
Bei Agate verbessert sich das Essen erheblich. Die Zufriedenheit wächst. Agate möchte wieder im Heim kochen. Hamid ist einverstanden. Er fordert eine Küchenhilfe. Einige Pflegehelfer überbrücken die Zeit bis sich eine Küchenhilfe einfindet. Hamid ist das Recht, zumal er eine Frau sucht. Er verbindet das mit der Hoffnung, unter den Pflegehelfern eine Frau zu finden. Seine Vorstellungen in der Hinsicht sind von seiner Erziehung geprägt. Nach pakistanischen Ansichten sind Frauen mit einem etwas größerem Gesäß jene, die viel Glück in die Familie bringen. Das Angebot reicht ihm völlig. Tatsächlich scheint sich Etwas anzubahnen. Zumal Hamid damit die Hoffnung verbindet, sich hier dauerhaft niederlassen zu können. Besonders zugetan ist ihm Rosi. Rosi ist die Tochter eines Knechtes. Sie ist Mama und lebt mit einem schwer behinderten Mann zusammen. Der Mann ist mit dem Traktor bei Holzarbeiten im Tal schwer verunglückt. Seit dem geht Rosi der Handarbeit nach. Für ihre Bedürfnisse reicht das aber kaum noch.
Das Kind ist ein Geschenk eines deutschen Urlaubers. Der hielt sich auf dem Bauernhof auf, auf dem Rosi nebenbei putzt. Rosi putzt dort die Gästezimmer in der Hoffnung, so einen Mann zu finden, der ihr die mangelnde körperliche Fitness bringt. Wegen des fremden Kindes, haben die einheimischen Bewerber etwas weniger Interesse an ihr. Hamid zeigt Interesse an Rosis körperlicher und geistiger Fitness. Auf Rosi lastet jetzt die doppelte Arbeit bei halbem Spaß dabei. Sie ist wegen ihrer Lage auf gute Beziehungen angewiesen. Die bezahlt sie in Naturalien. Hamid wäre ihr dafür gerade recht.
Hamid benötigt aber eine Ehefrau, um länger hier ansässig zu sein. Er muss alle paar Monate nach Hause fliegen, um das Visa zu erneuern. Für die Arbeitserlaubnis. Das kostet ihm zu viel Geld. Zumal die Miete für sein Zimmer einen erheblichen Teils eines Einkommens frisst. Dank der Arbeit als Koch, hat er wenigstens keine Sorgen mit der Ernährung. Wenn Etwas übrig bleibt, darf er sich das einpacken und mit nach Hause nehmen. Genau beim Einpacken der Reste, hat er Rosi näher kennen gelernt.
Agate ist das Recht, wenn Rosi in der Küche hilft. Hamid hat jetzt die Möglichkeit beim Kochen, für sich und Rosi zu sorgen. Wegen der hohen Aufwendungen für ihren schwer behinderten Mann, nimmt Rosi gern die zusätzliche Stelle als Küchenhilfe an.
Ihr Mann – Hans bekommt zwar eine Behindertenrente. Die reicht aber nicht um die wahren Kosten zu decken. Zumal Rosi für Hans ein Auto benötigt. Hans kann nicht fahren wegen der Behinderung.
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Rosis Eltern leben in ihrem Seniorenheim, in dem sie dient. Ihren Papa – Peter geht es nicht gut. Er hatte auf der Alm mit den Tieren mehrere Unfälle. Ein Arm und ein Bein sind sehr schwer geschädigt. Beide Eltern empfangen Sozialhilfe. Bis auf ein winziges Taschengeld, haben sie nichts.
Sie sind zusammen Außenseiter und werden von den andere Heimbewohnern eher als Schmarotzer empfunden. Mama Doria hilft in der Küche und bei der Hausordnung. Trotzdem werden die Zwei von den Mitbewohnern als minderwertig und teilweise dreckig bezeichnet. Rosi hat durch ihre Tätigkeit die Möglichkeit, ihre Eltern täglich zu sehen und ihnen warme Worte zu spenden. Auf die Art, umgehen die Drei die Einsamkeit der Armut.
Die Weiße Tulpe ist ein Seniorenheim der unteren Preisklasse. Das Partnerheim – Gloria ist ein Heim der gehobenen Preisklasse. Den Unterschied machen die jeweiligen Gebühren für die zwei Heime. Die Weiße Tulpe kostet monatlich drei Tausend. Die Gloria fast das Doppelte – fünf Tausend und fünf Hundert. Allgemein wird die Pension genutzt, den größten Teil der Kosten zu tragen. Den Rest zahlen die Familienmitglieder.
Die gesellschaftliche Spaltung wird sichtbar bei den Besuchern der Eltern. Ganz arme Leute werden nie oder selten besucht. Die mittlere Klasse recht regelmäßig von Familien der Handwerker und Kleingewerbler. Die gehobene Klasse im Gloria wird eher von staatlich Bediensteten und deren Familien besucht. Rosi kennt beide Häuser. Die weiße Tulpe steht mitten im Ort. Parkplätze sind kostenpflichtig. Die Gloria befindet sich auf einen Grundstück am Ortsrand. Parkplätze sind frei für Besucher und Bestandteil der Liegenschaft.
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Das luxuriösere Partnerheim
Das luxuriöse Seniorenheim beherbergt einen ehemaligen Landesvater. Gustav. Gustav ist jetzt 74.
Seine Familie hat einen Fond angelegt. In diesen Fond geben alle Familienmitglieder mit Einem Einkommen, monatlich einen kleinen Betrag ein. Von dem Betrag werden die Kosten des Seniorenheimes überwiesen.
Über Nacht wächst das Konto um einen erheblichen Betrag an. Der Landtag beschloss, die Pension Gustavs mit einem Mal zu überweisen. Als eine Summe. Normale Rentner würden davon träumen. Gustav muss das nicht. Das ist seine Realität.
Der Fond wirft jetzt etwas angelegt, reichlich Zinsen ab. Die reichen, um Opa Gustav größtenteils mit den benötigten Kosten für das Heim zu versorgen. Die Familie muss weniger dazu zahlen. Trotzdem geben sie in den Fond ihren gewohnten Beitrag ein. Sie müssen nicht leiden deswegen. Wegen der guten Beziehungen, die Gustav aufbaute, leidet Keiner wirklich an Not. Alle haben beste ertragreiche Posten und Arbeitsplätze. Papa Gustav hat gut gesorgt für die Südtiroler. Für die Familie.
Bisweilen kann er die Schwestern und auch Rosi, mit einer kleinen Spende beglücken. Rosi geht in diesem Heim zusätzlich etwas Putzen. In erster Linie pflegt sie die Wäsche. Die kommt zwar zum großen Teil aus einer großen Wäscherei, ist aber oft in einem erbärmlichen Zustand. Rosi pflegt die Heimwäsche. Im Heim wird die Intimwäsche der Belegschaft gepflegt. Rosis Hauptaufgabe. Die Intimwäsche besteht nicht nur aus der Unterwäsche. Sondern auch aus der Bettwäsche, Handtüchern, Hemden und Waschlappen. Zu seiner persönlichen Pflege hat die Familie noch extra eine Schwester eingestellt. Kurzer Hand hat er die geheiratet. Natürlich mit Ehevertrag. Er wollte die Familie nicht blank stellen. Die Schwester ist jetzt für die reine Intimpflege verantwortlich.
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Trotzdem spürt er im Altenheim genau die Gesetze, die er lebhaft im Landtag verteidigte. Vor allem zu Pandemiezeiten. Verschlagene Reste der Gesetze plagen heute noch sowohl Mitarbeiter als auch Bewohner. Trotz fünf Tausend pro Monat.
Seine Familie hat angeblich keine Zeit, sich um den Papa zu kümmern. Die studieren ausgerechnet in Westdeutschland. Dort knüpfen sie die Beziehungen, die Südtirol überhaupt nicht gut tun. Er spürt das jetzt selbst. Sinn von Studien und Gymnasien sind die Verknüpfungen, die dabei entstehen. Die wirken praktisch grenzenlos und nahezu unbemerkt. Auch bei Gustav. Mehr als die Hälfte seiner Schwestern haben in Deutschland oder Österreich gelernt. Nicht die Südtiroler nachbarliche Liebe. Nein. Die sterile Liebe – Fremder.
Gustav merkt das seit der intimen Pflege von Melinda kaum noch. Melinda lässt ihn die Sorgen vergessen. Bis auf seine Wäsche. Die erledigt Melinda nicht. Sondern Rosi. Sie ist ja der gelernte Knecht. Melinda trägt keine Maske. Rosi schon. Rosi macht das Beschwerden. Sie trägt das dem ehemaligen Landesvater vor.
„Die Maske entzündet mein Gesicht“, sagt Rosi. „Weil ich bei der Arbeit schwitze.“
„Nimm doch einfach etwas ab“, empfiehlt schnippisch Melinda.
Natürlich ist Rosi etwas kräftiger gewachsen. Bei ihrer Arbeit bilden sich auch Muskeln. Davon kann Melinda nur träumen. Die hat nie gearbeitet. Nur studiert. Vor dem Praktikum hat sie sich stets gedrückt. Wenigstens vor dem echtem harten Praktikum. Sie hat das Praktikum eher zwischen ihren Beinen absolviert. Auch hart genug. Bei den Ausbildern. Bei ihr bildeten sich ganz andere Muskel als bei Rosi. Auch die Stimmbänder werden entsprechend trainiert.
„Ich bekomme schon Warzen im Gesicht“, klagt Rosi unbeirrt weiter. Sie überhört gekonnt die schnippischen Bemerkungen Melindas. Melinda spürt das an ihrem Blick. Sie verdrückt sich kleinlaut in die Küche des Heimes.
„Da müssen wir dringend Etwas unternehmen“, sagt Gustav. Er schreibt ihr Etwas auf.
Rosi liest das nach der Reinigung. Sie soll sich bei einem Arzt melden. Der unternimmt sicher Etwas dagegen. Rosi sieht das lediglich als Beruhigung. Nicht als Behandlung. Sie hat bei verschiedenen Ärzten schon Vieles erfahren. Nur selten das Passende. Sie hat auch kaum das Geld, sich behandeln zu lassen. Ihr schmerzt schon das fortwährende Stempelgeld. Vom alten Landesvater hätte sie eher eine Befreiung davon erwartet. Vielleicht das nächste Mal.
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Rosis Papa hat regelmäßig die Außenanlagen des Heimes gepflegt. Diese Woche hat er es ausgelassen.
„Papa geht es nicht gut“, sagt Doria zu Rosi.
„Hat er etwas Schlechtes gegessen?“
„Nein. Die Beine würden nicht tragen“, sagt er.
„Hat Agate einen Arzt benachrichtigt?“
„Frage du sie mal.“
Rosi fragt Hamid, ob Papa aufgegessen hat.
„Er hat gegessen wie immer“, antwortet er.
„Dessert wollte er etwas mehr. Pudding. Schokolade.“
Schokolade betont Hamid ganz besonders.
„Ich habe ihm extra Schokotopping dazu drauf gegeben.“
„Flotten Otto hatte er nicht zufällig?“
„Wenn sie es nicht wissen. Wie soll ich das erraten? Wir haben heute Gesangsabend. Ich muss noch etwas Kuchen vorbereiten.“
Hamid wirkt etwas abweisend. Er hatte eine Hygienekontrolle. Die Aufschnittmaschine wurde bemängelt. Das ärgert ihn besonders. Das Pflegepersonal schneidet sich dort oft etwas Aufschnitt ab. Für ihre Zwischenmahlzeit. Sie putzen die Maschine nicht danach.
„Immer bekomme ich Einträge, weil die Schlampen die Maschine nach der Benutzung nicht putzen.“
„Melde das mal Agate“, antwortet Rosi.
„Gleiches sehe ich oft auf den Personaltoiletten.“
„Ich kann das nicht verstehen. Das sind Alles wie mein Beruf, Hygieneberufe“, sagt Hamid entrüstet.
Genau das, scheint ihn fürchterlich zu wurmen.
Rosi regt sich darüber schon gar nicht mehr auf.
„Du kannst heute bereits halb Eins kommen für den Küchenfußboden. Ich werde heute eher fertig sein.“
Rosi freut sich, etwas Zeit extra für Papa zu finden. Mama schafft das nicht mehr allein.
Beim Waschen von Peter fallen Rosi an Papa gewaltige blaue Flecken auf. Wer hat Papa so fest angegriffen? Sie fragt Mama – Doria.
„Die Mitbewohner sprechen auch schon von großen blauen Flecken. Irgend eine Schwester oder Pflegerin scheint nicht das nötige Feingefühl zu haben.“
Rosi stört das. Sie fragt die ihre Bekannten. Erna, Frieda, Karl und Paul beklagen sich ebenfalls.
Am Frühstückstisch fragt Rosi nach bei Agate.
„Mein Papa hat recht viele blaue Flecken.“
Sie tut das etwas lauter. Damit das die Kollegen hören. Alle spielen die Fassungslosigkeit in Person.
„Ist er hingefallen?“, fragt Agate die Kolleginnen.
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Greti meldet sich zusammen mit Magda.
„Magda musste weg zur Toilette. Ich war allein mit Peter. Peter rutschte in der Badewanne aus. Ich konnte ihn nur sehr schwer halten.“
„Warum steht davon nichts im Buch?“, fragt Agate.
„Das hat etwas mit er Zeit zu tun. Ich hatte bis jetzt keine.“
„Und jetzt? Jetzt kannst du den Bericht eintragen?“
„Jetzt? Jetzt haben wir Pause!“
Greti ist aufgebracht. Sie braucht die Pause wie jede Kollegin.
Eigentlich war die Zeit. Greti kann das mündlich aufnehmen. Auch mit dem Telefon. Sie hat auch Sprechfunk und Signalgeber auf jedem Zimmer. Wenn Hilfe benötigt wird.
Agate schreibt das in den Bericht über Vorkommnisse.
„Warum musste Magda zur Toilette?“
Magda meldet sich.
„Karl hatte Durchfall. Er hat es nicht bis zur Toilette geschafft.“
„War das dringend?“
„Er ist auf der Toilette ausgerutscht.“
„Auch das noch. Steht das im Bericht?“
Agate schaut nach. Es steht dort. Ja. Sogar, dass Magda – Greti verlassen hat. Es ist also doch im Bericht zu finden. Wahrscheinlich hat sich darauf Greti verlassen.
Zwei Tage darauf stirbt Peter. Der Papa von Rosi.
Rosi ist sehr traurig. Agate will ihr etwas Frei geben. Rosi verzichtet. Mama – Doria zu Liebe.
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Den Arzt fallen die vielen blauen Flecken auf. Er möchte das genauer untersucht wissen. Natürlich erfährt das Monika. Zur Überraschung Rosis, fordert auch Agate eine Untersuchung. Zumal Rosi im Heim die Putzfee ist.
Monika interessiert sich auch für den Durchfall von Karl. Karl ist immerhin ein ehemaliger Stammgast ihres Vaters auf der Boxerhütte. Er half dort auch oft bei der Viehversorgung. Agate und Monika wollen den Stuhl untersucht wissen. Wohl in der Hoffnung, damit schlechte Gespräche im Ort und im Heim unterdrücken zu können. Zu schnell zieht im Ort die falsche Propaganda durch die Straßen.
Mit der Erklärung der blauen Flecken bei Peter, stoßen Agate und ihre Schwestern bei Monika auf eine Mauer. Bei Rosi auch. Rosi spricht es aber nie offen aus. Sie braucht das Geld.
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Agate spricht sich aber gegen Spekulationen aus. Das hilft nichts. Der Vorfall macht auch im Ort die Runde.
Die Senioren treffen sich oft im Gasthaus des Ortes. Klaus, der Wirt, gibt den Senioren extra Preise. Natürlich ist der Kaffee auch dünner bei der Spende. Kuchen bekommen die Gäste vom Vortag. Geschenkt.
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„Im Ort reden die Leute von schlechtem Essen“, sagt Klaus. „Manche vermuten, Peter wäre daran gestorben.“
„Andere sagen, er wäre misshandelt worden“, sagt Erna.
„Vielleicht ist ihm schlecht geworden?“, entgegnet Klaus. „Ich habe das schon erlebt bei mir.“
„Von deinem Essen?“, fragt Frieda und lacht.
Alle lachen mit. Wohl in dem Wissen, bei Klaus schmeckt es am besten.
„Nein. Es war Eis. Seit dem, verkaufe ich keins mehr. Die Opfer wurden aber ins Krankenhaus gebracht und deren Proben untersucht.“
„Das müssten wir Agate sagen“, antwortet Erna.
Gesagt. Getan. Erna schlägt das Agate vor.
„Das tun die automatisch“, antwortet Agate. Sie sitzt gerade mit Monika zusammen.
„Das tun die aber gerade nicht“, antwortet Monika. „Es muss eine Anzeige vorliegen.“
„Hans muss die machen. Er war den ganzen Tag mit Peter zusammen.“
Monika hat das übernommen. Sie hat Toni als Zeuge angegeben. Toni wollte das so.
Es dauert nicht lange und das Labor meldet sich.
„Wir kommen heute zu ihnen“, sagt die Sekretärin zu Agate. „Carabinieri begleiten uns.“
„Für gewöhnlich kommen die ohne Voranmeldung“, sagt Agate zu Toni. Sie lächelt ihn dabei einladend an und schlägt die Beine übereinander. Monika muss lachen.
„Welchen Besuch meinst du?“
Agate wird leicht rot.
„Die Angehörigen unserer Bewohner“, sagt sie etwas flüchtend vor strengeren Fragen. Toni lacht trocken. Etwas aufgesetzt. Monika schaut ihm tief von der Seite ins Gesicht. Sie nickt bestätigend vor sich hin. Toni schaut nicht zu Monika. Er blickt auf die Beine von Agate. Vielleicht auch etwas tiefer. Trotzdem scheint er Monikas Blick zu spüren.
„Was haben die Kontrollen denn so für Ergebnisse gebracht?“, fragt Monika zweideutig.
Agate muss sich etwas konzentrieren. Sie schien etwas abwesend.
„Die letzte Kontrolle hat Hamid etwas in Hektik versetzt. Wegen der Aufschnittmaschine. Ansonsten gab es eher Mahnungen, die in kurzer Zeit klar gestellt werden konnten.“
„Und die Arbeitsschutzkontrollen?“, fragt Monika.
„Da bestehen leichte bis schwere Mängel. Die Kontrollen kommen zu selten.“
Die Kontrolle
Am kommenden Tag trifft die Kontrolle ein. Monika und Toni sind über Nacht geblieben. Rosi ist schon im Gloria – Heim. Doria sagt ihr Bescheid.
„Am besten, du bleibst noch Etwas bei uns. Deren Fragen…ich weiß nicht, ob du die jetzt ertragen kannst.“
„Ich gehe zu Mama. Die braucht jetzt Hilfe.“
„Grüße sie von mir.“
Tatsächlich sind die Kontrolleure zuerst bei Mama.
„Ihr Mann ist an einer Vergiftung gestorben. Wir schätzen, er hat die falschen Medikamente bekommen. Die haben genau das Gegenteil von dem bewirkt, was er benötigte.“
Mama Doria hat schwer zu tun, die Mitteilung zu verkraften. Sie weint. Rosi kommt gerade passend, sie zu trösten.
„Das war sicher ein Unfall. Im Moment ist reichlich Arbeit hier.“
„Das glaub ich weniger“, sagt Doria leise.
Doria gibt Rosi schwer zu Denken.
„Das war nicht das erste Mal. Peter hat das aber bemerkt. An der kleinen Dose und den Farben der Tabletten.“
„Ihr Mann ist vor Schwäche im Bad ausgerutscht. Wir schätzen, die Pflegerinnen konnten ihn weder halten noch anders helfen“, sagt Agate.
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„Wenn ich bedenke, Papa war dazu noch nass vom Seifenwasser“, sagt Rosi.
Agate hat Rosi von der Version überzeugt. Zumal sie selbst weiß, wie schwer das immer war mit Papa.
„Wir sehen das ähnlich. Den Pflegerinnen können wir keinen Vorwurf machen“, sagt der Ermittler.
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Die Carabinieri legen trotzdem ein Protokoll an. Toni will das so. Nicht allein. Monika setzt auch Agate unter Druck.
„Denk dran. Du hast die Haftung! Angela ist immer noch in der Nähe. Sie wurde nur in ein anderes Heim versetzt!“
Agate muss ihr Recht geben. Druck ist keine Entschuldigung für Fehlhandlungen. Da muss mehr dahinter stehen. Ein Mensch in seiner Vielfalt, lässt sich auch sehr schwer mit Routinen behandeln. Einer jammert recht viel. Ein Anderer trägt sein Los still vor sich hin.
Das Seniorenheim bringt nicht nur Nachteile. Das Heim bindet die Bewohner in eine Gesellschaft ein. Gut gemischt, wie im jüngeren Leben.
Sogar mit Trennung in arm und reich. Da scheint auch der Unterschied beim Wohlbefinden zu liegen. Wobei arm und reich wirklich kaum zueinander passen ohne gemeinschaftlichen Erziehungsprozess. Der Wohlstand der Reichen war bisher das Resultat von der Arbeit der Armen. Selbst hier zeigen sich die gleichen Zusammenhänge. Die scheinbar Wohlhabenden sieht man kaum beim Putzen oder beim Helfen in der Küche. Das gilt auch für die gemeinsamen Kulturveranstaltungen. Unter den Reichen ist kaum ein Senior, der sich der Literatur oder Kultur widmet.
Musik und gemeinsame Abende werden ausnahmslos von den ärmeren Senioren gestaltet.
Besonders deutlich spürt das Rosi. Sie dient in den zwei Heimen. Der Vergleich wirkt auf Rosi fast betäubend. Während in der Weißen Tulpe gemeinsam Karten und am Brett gespielt wird, herrscht in der Gloria eine lähmende Stille. In der Gloria singen Schüler des Ortes, um die Bewohner zu unterhalten. In Weißen Tulpe singen die Bewohner gemeinsam. In der Gloria ist der Pfarrer fast schon der Stammgast. In der Weißen Tulpe sieht man ihn kaum. Offensichtlich lässt sich in der Weißen Tulpe schlecht um ein Almosen betteln. Die Kinder der Bewohner benötigen die Almosen meist selbst.
Das Erbe
Paul, ein sehr beliebtet Handwerker des Ortes, seines Zeichens – Schmied, wollte in die Weiße Tulpe. Sein Sohn hat die Schmiede übernommen. Sein Sohn – Andreas, kann sich selbst nicht um Paul kümmern. Er ist allein in dem Haus und in der Schmiede. Er lebt von Pferdebeschlägen, Reparaturen an Maschinen und Werkzeugen.
Papa Paul kann ihm wegen eines Unfalls nicht mehr helfen. Bei der Reparatur eines Schneepfluges ist ihm das Schild auf den Arm gefallen. Seit dem kann er die Hämmer und Werkzeuge nicht mehr bewegen. Nach der Heilung ist ihm das Arbeiten mit den Werkzeugen auf längere Zeit nicht mehr möglich.
Paul wird von Klaus verlangt am Telefon. Er soll sich unbedingt mal im Gasthaus blicken lassen. Er hätte Etwas vergessen. Klaus drückt das so aus, als wäre das dringend. Dringend ist es tatsächlich. Aus einem anderen Blickwinkel.
Ein Freund von ihm aus dem Tal, ist mit den Eltern zur Nazizeit ausgewandert. Entgegen der Mehrzahl der Auswanderer, ist der Freund reich geworden. Das hat ihm wenig genutzt. Er ist leider verstorben. Klaus sagt, „Wohlstand scheint das Leben erheblich zu verkürzen.“ Paul hätte auch nicht damit gerechnet. Zumal er den Freund fast vergessen hat bis auf ein paar Glückwunschkarten und freundschaftliche Grüße am Telefon. Der Freund bezahlte den Gesellschaftswechsel mit einem einsamen Leben. Englisch als Sprache lag ihm nicht besonders. Auch die Gesinnung seiner Eltern nicht. Er hielt sich eher in den Vierteln der italienischen Arbeiter auf. Ihm wurde deswegen der Ruf eigen, ein Mafiamitglied zu sein.
Hannes ist der Freund von Paul. Er hat Paul sein finanzielles Erbe hinterlassen. Alles. Im Testament hat er Klaus als Kontoverwalter festgelegt. Wohl in dem Wissen, im Altenheim verschwindet das Geld spurlos. Dort interessieren sich zu viele Hände für herum liegendes Geld und Wertgegenstände. Klaus hingegen ist die Ehrlichkeit in Person. Zumal Klaus für das halbe Tal als Bank fungiert. Sowohl für Schulden als auch für Sicherheiten.
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Pauls Freunde haben ab sofort freie Zeche. Es dauert nicht lange und das spricht sich im Altenheim herum. Die Neider sind zahlreich. Vor allem auch im Gloria. Die werben jetzt bereits um Paul. Paul wechselt aber nicht in die Gloria. Er hat dort keine Freunde.
„Ich bin ein armer Mann“, betont er gegenüber Agate und Doria, Chefin vom Gloria.
„Bei uns ist der ehemalige Landeshauptmann ein Mitbewohner“, betont Doria. „Er kennt sie.“
„Ich kenne den auch“, betont Paul. „Ihm verdanken wir unsere Mindestrente und den Zuschuss zum Seniorenheim.“
„Gerade das wäre ein Grund, im Gloria zu wohnen.“
„Ja schon. Das kostet aber zwei Tausend und fünf Hundert mehr pro Monat. Das habe ich nicht.“
„Du erhältst aber großzügige Spenden von Klaus.“
„Ich habe früher für Klaus viel angefertigt. Auf Kredit. Wenn sein Geschäft nicht gut läuft, bekomme ich nichts.“
Die Erklärung scheint anfangs zu genügen. Heimlich würde Paul schon einen Pflegedienst zu sich nach Hause kommen lassen bei Bedarf.
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Langsam wird der Kreis der Mitbewohner größer, die über Pauls Zusatzrente Bescheid wissen. Paul entschließt sich, zu handeln.
Paul bekommt als armer Mann einen erheblichen Zuschuss vom Land für seinen Heimplatz. Der ist jetzt nicht mehr nötig. Paul freut sich, in diesem Heim geblieben zu sein. Die Gloria würde sein Einkommen erheblich schmälern. Letztendlich würde das Kapital nur wenige Jahre genügen, um den Platz zu bezahlen. Zumal er seinen Mitbewohnern ein paar Zuschüsse gewährt. Er hat ihnen damit einen angenehmeren Lebensabend ermöglicht. Das müsste er beenden und damit Ansehen und Freunde verlieren.
Paul offenbart aber nicht Alles. Er gibt nur an, welche Zusatzleistungen er empfängt. Gleichzeitig verzichtet er auf alle Zuschüsse vom Land. Damit macht sich Paul auch im Heim ein paar Feinde. Er blockiert einen Platz. Einen Platz für angeblich Bedürftige. Die stehen schon seit Jahren auf der Warteliste. Frei nach dem Rätsel: Wer ist schneller? Der Heimplatz oder der Tod. Pauls Freunde haben ab sofort freie Zeche. Es dauert nicht lange und das spricht sich im Altenheim herum. Die Neider sind zahlreich. Vor allem auch im Gloria. Die werben jetzt bereits um Paul. Paul wechselt aber nicht in die Gloria. Er hat dort keine Freunde. Die Mehrheit der Betroffenen sind seine Freunde und auch die wartenden, zukünftigen Mitbewohner. Bei Klaus beraten sie zusammen das Dilemma. Sie kommen zu dem Schluss, es gibt zu wenige bezahlbare Heimplätze.
Der Protest
Rosi und ihren Mitbewohnern fällt auf, sie bekommen pro Woche nur noch drei Mal Fleisch. Und selbst das wird immer weniger pro Portion. Sie stellen Hamid zur Rede. Hamid versucht, ihren Mitteilungen auszuweichen. Bis Frieda ihn mit etwas List zu einem von ihm ungewollten Geständnis bewegt. Eigentlich wissen Alle Bescheid. Nicht von Hamid. Sondern von der Schwester Magda aus Polen. Magda hat Agate mehrmals darauf hingewiesen. Die Bewohner benötigen mehr Fleisch. Täglich weit über einhundert Gramm. Das schützt vor einem gewaltigen Muskelabbau.
„Wir haben auf unseren Schulungen Anderes gelernt“, entgegnet Agate.
Tatsächlich schickt das Land sogenannte Gesundheitsberaterinnen durch die Heime. Für deren Ausbildung gibt das Land viel Geld aus. Nicht etwa zu Hause in den eigenen Lehreinrichtungen. Nein. Sie studieren in München. Es kann durchaus sein, in München wird anderes gehungert als in Südtirol. Aber, in den Bergen Südtirols leben arbeitsame Menschen, die einen Hof oder einen Haushalt führten. Deren Ernährung ist ganz anders aufgebaut als die eines Großstadtghettos. Man redet den alten Leuten ein, sie hätten früher von Mus und Polenta gelebt. Von der Mangelernährung als Folge spricht Keiner. Man möchte die älteren Herrschaften wieder mit Mangel ernähren. Oder den Gewinn vom Heim mehren? Schließlich möchte man noch ein Heim bauen. Für gehobene Bedürfnisse. Nur, das Personal ist knapp. Zum Glück gibt es Europa.
„Ich kaufe schon etwas mehr ein als geplant. Es gibt regelmäßig Ärger deswegen“, entschuldigt sich Hamid. „Ich werde mir eine andere Arbeit suchen müssen“, regt er an.
Offensichtlich möchte man auch Hamid einsparen. Langsam scheint sich die Spekulation in Realität zu verwandeln. Die Heimbewohner sammeln regelmäßig für Hamid. Hamid bekommt gerade Zuwachs in der Familie. Hamid muss daher eine größere Wohnung beziehen. Das ist Vorschrift. Die Wohnung kostet aber erheblich mehr Geld. Hamid setzt dafür seinen gesamten Lohn ein.
Rosi regt an, die Hilfe durch die Bewohner des Heimes für das Heim selbst etwas einzuschränken.
„Wir sollten öfter spazieren gehen“, sagt sie lachend. „Für Hamid.“
„Spazieren hilft da wenig“, erklärt ihr Mama Doria. „Außerdem müssen wir uns hier auch etwas bewegen und nützlich machen.“
„Was schlägst du vor?“
„Klaus kann uns das Fleisch ersetzen. Im Gasthof.“
„Der Plan klingt gut. Ich rede mit Paul.“
Klaus ist einverstanden. Er kalkuliert den Mehraufwand. Paul soll die Unterstützung dafür etwas umleiten.
„Für Gemüse und Beilagen gibt das Heim mehr Geld aus als für Fleisch“, stellt Klaus lachend fest. „Das ist eine verkehrte Welt. Die Beilagen werden hier teurer verkauft als das Fleisch. Selbst das ist schon erheblich teurer geworden.“
„Wie lange reicht mein Geld dafür?“, will Paul wissen.
„Naja. Die Zinsen reichen dafür.“
„Was? Wir greifen nicht das Kapital an?“
„Und das bei drei Prozent Zinsen minus Steuer.“
Paul spürt jetzt erst recht, wie viel Geld er geerbt hat von Hannes. Er fragt sich jetzt, ob das Erbe wirklich ein Glück ist oder nicht.
„Du kannst mir aber bei den nötigen Investitionen helfen. Ich brauche etwas Technik.“
„Wir reden mal mit Andreas. Der hilft dir dabei.“
„Von Andreas habe ich lange Nichts gehört. Wie geht es ihm?“
„Er wird dir bei der Kücheneinrichtung helfen. Die Profis sind alle zu teuer für uns. Die stellen die Technik auch nicht selbst her. Sie geben nur ihren Aufschlag dazu.“
„Das ist ein guter Einfall.“
Viele Familien sehen ihre Angehörigen im Heim. Sie wollen ihre Eltern und Großeltern natürlich bestens versorgt wissen. Ihre Fleischspenden in Form von Tieren verarbeitet Luis der Metzger des Ortes. Luis ist dankbar für den Auftrag von Klaus und Paul. Zumal er wirklich einheimisches Fleisch verarbeiten kann.
Kaum bemerkt Agate das Tun ihrer Bewohner, gibt sie Meldungen darüber in ihrer Gemeinde ab. Gleichzeitig will sie Paul als Aufrührer los werden. Das beantragt sie auf der Gemeinde. Dort weiß man bereits, wie es um Pauls Finanzen bestellt ist.
Der Umzug von Paul
Paul muss das Heim verlassen. Er gibt nicht im Heim seinen Abschied, sondern bei Klaus. Auch Monika und Toni sind eingeladen. Monika beteiligt sich an den Fleischspenden der Talbewohner. Zumal sie eh schon beste Beziehungen zu Luis pflegt. Sie vergrößert ihr Gatter für Wild und auch den Schweinestall.
Paul überlegt mit Andreas, wie sie ihr Gut und die Schmiede einsetzen können. Er bringt das vorerst nicht zur Rede. Zuerst richtet Andreas das Gut für Paul zurecht. Altersgerecht. Die Nachbarin – Eleonore, will sich um Paul kümmern. Die hat vom Rausschmiss aus dem Heim erfahren. Die Heimentlassung mobilisiert von ihr das Mitgefühl. Das war vorher nicht besonders ausgeprägt. Eleonore liefert Milch und produziert einen Hofkäse. Die Techniker der Molkerei übernehmen die Arbeiten, die eigentlich Paul und Andreas sonst im Ort verrichten.
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Andreas hat zwischenzeitlich die Wohnung von Paul hergerichtet. Auch die Küche des Hauses. Zwar ist der Ofen sehr alter Bauart noch ein Holzofen. Aber das Modell ist nahezu eine voll eingerichtete Küche. Einige Veränderungen hat er noch vorgenommen. Er kann jetzt für eine Großfamilie kochen und backen.
Andreas hat jetzt Platz für acht Senioren geschaffen. Nach dem vollständigen Umbau kann Paul zwanzig Senioren in die Wohngemeinschaft aufnehmen.
Eleonore beobachtet das genau. Sie liebäugelt mit dem Plan. Wenn das gelingt, will sie das auch tun. „Wir haben uns immer um unsere Eltern selbst gekümmert“, gibt sie zum Besten. “Die Altenteile haben bis zu ihrem Tod auf dem Hof geholfen. Für jedes Alter gibt es Etwas zu tun auf dem Hof.“
Paul bestätigt das. „Heute wird dieser Zusammenhalt gestört. Die Menschen werden einsam. Dafür werden sie anfällig für allerlei Betrügereien. Sie werden um ihr Vermögen beraubt. Ihr Leben verkürzt sich.“
„Im Altenheim werden auch Produkte hergestellt“, wirft Monika ein.
„Sicher. Aber nicht zu Gunsten der Alten“, antwortet Toni. „Ihre Produkte werden auf Märkten für Spenden vertrödelt. Unnützer Kram wie Glückwunschkarten, Untersetzer und Bestecktaschen. Die sollen keine Konkurrenz zur Wirtschaft sein. Dafür sollen sie von ihrem schmalen Einkommen, Konsumenten sein.“
„Wir werden das ändern“, verspricht Paul.
Steuerprüfung
Kaum sind die Bewohner eingezogen, kommen die Finanzcarabinieri zu Paul. Capitano Silvio ist ein recht junger schöner Mann. Er spricht sehr gut Deutsch.
„Sie wurden angezeigt wegen wirtschaftlicher Aktivitäten. Ich soll das kontrollieren.“
„Darf ich erfahren, wer uns angezeigt hat?“, fragt Paul.
„Nein“, antwortet Silvio kurz und trocken. „Ich möchte ihr Kassenbuch sehen.“
„Kassenbuch?“, fragt Rudi erschrocken wirkend. „Das habe ich nicht. Muss ich das haben? Führst du zu Hause ein Kassenbuch?“
„Als Wirtschaftsunternehmen? Musst du schon eins führen.“
„Wir sind aber kein Wirtschaftsunternehmen.“
Silvio scheint nur kurz beeindruckt.
„Was ist das dann hier?“
„Wir sind eine Wohngemeinschaft.“
„Was zahlen Sie Miete?“
„Wir wohnen hier mietfrei“, antwortet Erna.
„Wer ist der Eigentümer des Hauses?“
Andreas und Paul melden sich.
„Wir. Aber ich zahle Steuern als Schmied“, sagt Andreas.
Silvio weiß das. Er hat die Unterlagen mit.
„Eigentlich ist das überflüssig, die Senioren zu prüfen“, sagt Silvio. „Ich werde ein Prüfungsprotokoll schreiben.“
„Trinken wir noch einen Kaffee zusammen“, fragt Paul. Silvio lehnt nicht ab.
„Die Schmiede ist sehr schön geworden. Hast du das gebaut?“
„Andreas hat das renoviert.“
„Eigentlich gibt es dafür einen Zuschuss vom Land und von der Gemeinde.“
„Ich möchte das nicht. Das ist zu kompliziert. Die Bewohner des Tales haben etwas geholfen.“
„Gratulation. Ein gutes Vorbild.“
Die Bewohner bewirten ihren Gast Silvio noch mit Kuchen. Luis bringt gerade frische Wurst. Sie duftet wie der Himmel auf Erden in Silvios Nase. „Ich würde gern Mal probieren?“
„Das ist Lamm und Schwein“, antwortet Luis.
Silvio kostet. Das Gesicht verändert sich in Richtung Feinschmecker.
„Eine großartige Wurst. Hausgemacht.“
„Komm ruhig mal wieder zum Probieren.“
„Und mein Kompliment für den Kuchen.“
„Wir stellen nur gemeinsam unseren Eigenbedarf her“, antwortet Frieda. Frieda hat früher in der örtlichen Bäckerei geholfen. Jetzt, im neuen Ofen, möchte sie zusammen mit den Bewohnern das Brot selbst backen.
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Paul beruft eine Versammlung ein.
„Die Steuerprüfung ist nur der Anfang“, sagt er.
„Andere Prüfungen folgen?“, fragt Eleonore.
„Das ist sicher. Wir sind irgend Jemandem im Weg.“
„Was schätzt du? Wie viele Kontrollen werden kommen?“
„Ich schätze, fünf bis sechs.“
„Ich habe nicht annähernd geahnt, wie viele Leute an uns verdienen.“
„Das kannst du laut sagen. Ich möchte aber jetzt nicht darüber spekulieren. Unsere Idee ist neu. Die werden es schon lernen.“
„Warum ist unsere Anlage mietfrei?“
„Ganz einfach. Unsere Senioren haben das aufgebaut. Oder sollen das die Alten noch einmal bezahlen? Wie im Gloria? Die haben bisher von unserem Geld gelebt.“
„Sie haben aber auch für uns gearbeitet.“
„Teilweise schon. Du hast Recht. Lass und unsere Probleme angehen. Wir können darüber später spekulieren.“
In der Gruppe besprechen sie zusammen das Thema Sauberkeit. Und was Südtiroler darunter verstehen. Eleonore und Monika sollen die Senioren anleiten. Rosi soll das zusätzlich kontrollieren. Rosi ist sozusagen der letzte Schliff.
Prompt kommt die Hygienekontrolle aus Meran. Natürlich besuchen sie zuerst die Toiletten und dann die Küche. Monika scherzt über die Reihenfolge. Die Hygieniker nehmen Klatschproben vom gesamten Haus. Sie sind angezogen wie Raumfahrer. Die Mitbewohner erschrecken von dem Anblick der Kontrolleure. Teilweise fragen sie Toni, ob es einen Unfall gegeben hat.
„Die kommen immer so. Das Umziehen ist immerhin Arbeitszeit.“
„Wir melden uns in drei Tagen.“
„Also Montag?“, fragt Monika.
„Nein Mittwoch. Am Wochenende arbeiten wir nicht.“
„Dafür gehen sie montags gern kontrollieren. Wenn die Belegschaften die Spuren des Wochenendes beseitigen in der zwölften Stunde ihrer Arbeitszeit.“
Die Damen verschwinden kommentarlos. Trotz leichtem Lächeln. Toni ist der Meinung, er hätte das Lächeln bemerkt.
„Das war eine Routine. Die haben nichts gefunden“, sagt er zu den Senioren.
Paul schenkt einen Selbstgebrannten aus. Für die Damen ein Likörchen von Ultner Preiselbeeren.
„Dass wir morgen wieder schmerzfrei ins Bett pinkeln können, ohne es zu bemerken.“
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Die kommende Kontrolle sagt sich bereits an. Die Gemeindepolizei. Dabei geht es um die Meldung. Ob alle Senioren im Ort gemeldet sind. Als Ultner dürfte das kein Problem sein. Im Haus leben aber nicht nur Ultner. Auch ein paar Einwohner anderer Gemeinden. Toni will heraus bekommen, ob die Bewohner alle im Ort des Altenheimes angemeldet wurden. Bei Denen müsste jetzt St.Klauben/Ulten stehen. Nach einer kurzen Überprüfung stellt er fest, die Bewohner sind nicht umgemeldet. Sondern lediglich unter vorübergehenden Aufenthalt eingetragen. Die Gemeindepolizei hätte also einen Grund, dort einzuschreiten. Zumindest würden Ordnungsstrafen fällig. Monika meldete aber deswegen die neuen Wohnungseigentümer an. Als Erstwohnungsbesitzer. Aus dem Grund, kommt die Gemeindepolizei. Die Daten abgleichen. Wegen der Steuern.
„Kein Problem für uns“, verspricht Paul seinen Mitbewohnern. „Mit der Ummeldung ist das Alles bereits erledigt.“
Eine gewisse Unsicherheit befällt die Gruppe.
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Sie spekulieren, ob das so gewollt ist. Zumal das breit in den regionalen Zeitungen erscheint. Sie rechnen auch von dort mit Besuchen. Pauls Telefon klingelt. Er antwortet:
„Ein Interview kostet Eintausend und Fünfhundert pro Stunde.“
Erna applaudiert besonders laut und lange.
In den Meldungen kommen schreckliche Nachrichten wegen einer angeblichen Pandemie. Besonders die Alten seien gefährdet. Wieso gerade Alte, will Keiner so recht erklären. Gerade die haben ja ein Leben lang den Kontakt mit sämtlichen Viren und Bakterien gehabt. Keiner der Gruppe hat wirklich Lebensangst nach einem erfüllten oder qualvollen Leben.
Pandemie
Aus ihrer geplanten Ausfahrt an den Garda und Verona wird nichts. Selbst der Besuch von Klaus wird ihnen untersagt. Klaus sagt:
„Dann besuche ich eben euch zu Hause. Ich bringe auch das Essen mit. Luis möchte auch gern seine Kunden besuchen. Er liefert auch Essen.
Die Bewohner der anderen Heime haben es schwerer. Sie dürfen keine Besuche empfangen. Die Angehörigen auch nicht. Die sollen nur arbeiten. Das ist nicht verboten. Nicht etwa in ihrer kleinen Firma oder Werkstatt. Nein. Die Auflagen sind aufwändig und teuer. Dafür haben die Meisten zu wenig Beziehungen.
Komisch. Mit einem Mal darf Gabriel wieder Essen liefern ans Seniorenheim. Hamid wird entlassen. Er darf kein Essen kochen. Hamid lehnt die Impfung ab. Das vereinbart sich nicht mit seinem Glauben.
Paul hat Hamid angesprochen, ob er bei ihnen kochen will. Er bekommt keine Unterstützung als nicht Geimpfter. Der Familie geht es schlecht. Nach Hause darf er auch nicht. Seine Frau und die Kinder weinen pausenlos. Die Schulen und Kindergärten sind geschlossen. Nur die Hunde dürfen Alles anlecken überall hinscheißen.
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Hamid muss sich jetzt für einen Sklavenlohn verkaufen. Die Miete kann er so und so nicht bezahlen. Eleonore nimmt ihn auf. Samt Familie. Wenn er und seine Familie das wollen. Ihnen droht sonst die Abschiebung. Hamid kann als Knecht arbeiten und auch Essen kochen. Ihnen wird schon Etwas einfallen.
„Das ist nicht meine Familie“, beteuert Hamid. „Das ist die Familie meines Bruders. Er war kurz zu Hause und kann nicht wieder einreisen.“
„Dann ist die Situation besonders schwierig“, antwortet Eleonore. „Die Familie ist aber gemeldet hier?“
Hamid zeigt eifrig die Papiere.
„Wir melden dich auf der Gemeinde an. Mit Frau und Kindern. Ihr seid ja auch schon lange bei uns. Die Kinder wurden hier geboren, sehe ich gerade. Das gibt keinen Ärger.“
Keine fünf Tage und Hamid hat einen Garten in Feldgröße angelegt. Und das mit Erfahrung im Gebirge. Die Senioren staunen. Hamid wird zum festen Familienmitglied ernannt.
„Die ersten jungen Salate und ein paar Gemüse können wir in einem Monat ernten.“
„Wir müssten auch mein Gewächshaus vergrößern“, regt Eleonore an.
Kaum ausgesprochen, macht sich Hamid an die Arbeit. Andreas und Paul helfen.
„Wir sollten ein mobiles Gewächshaus konstruieren. Andreas vernimmt den Vorschlag.
„Das tu ich!“
Hamid muss das kaum erklären. Bauern kennen den Vorteil dieser Konstruktion.
„Das könnten wir auch zum Geschäft ausbauen“, regt Paul an.
Der Neid wächst. Die Schmiede wird jetzt pausenlos bewacht. Und bisweilen kontrolliert. Sie sollen Blutproben abgeben. Auch Urinproben und mehr.
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Zur Versammlung gibt Monika ein paar neue Erkenntnisse bekannt. Alle verrät sie nicht. Sie bittet eher indirekt um Mithilfe. Monika möchte von den Eigenarten der Schwestern und Hilfskräfte mehr erfahren. Vor allem, wer die Medikamentendosierungen einrichtet. Rosi begleitet Monika. Sie möchte das wissen. Die Medikamente für Peter waren eigentlich bekannt unter den Schwestern. Trotzdem muss Jemand die Markierungen entfernt und die Medikamente vorsätzlich vertauscht haben. Alle verweisen auf die polnische Hilfe – Magda. Mit ihr hat Monika, Toni, Marco und auch Silvio gesprochen. Alle sind sich einig, Magda kann das unmöglich getan haben. Sie kennt sich einfach nicht aus bei den Medikamenten. Nach eigener und bestätigter Aussage, verabreicht Magda keine Medikamente. Sie darf es auch nicht. Dazu kommt, sie traut den Medikamenten auch nicht. Vor allem denen nicht, die für die Pandemie ausgereicht werden. Sie hat zwar eine gute medizinische Ausbildung bekommen. Aber die wird weder bezahlt noch in Anspruch genommen. Privat weiß sie aber, diese Medikamente sind nicht gut. Sie möchte sich nicht schuldig machen.
Es stimmt sie stutzig, wenn Politiker, zumal eifrige Befürworter, nicht geimpft werden sollen. Und das bei angeblicher Freiwilligkeit der gesamten Bevölkerung. Eigenartig. Paul und seine Mitstreiter haben sich nicht impfen lassen.
Komisch. In der gesamten Gruppe samt Monika, Rosi und Toni, gibt es nicht einen Kranken. Im Altenheim sterben sie reihenweise.
Auch gute Freunde. Dazu sehr einsam. Ohne Zeugen und Familie. Die Gruppe um Paul hält regelmäßig Gottesdienste ab. Obwohl der Pfarrer nicht zu ihnen darf. Er kommt trotzdem zu ihnen.
„Gott ist eine höhere Macht als diese biologischen Fehlschläge“, beklagt er sich.
„Die hat aber dein Papa getauft“, beschwert sich Karl. Alle müssen lachen.
„Er konnte ja nicht wissen, was aus Denen wird“, sagt Paul.
„Oh doch. Er hat doch die Jugend bis zum Tod bekleidet und mit erzogen“, antwortet Erna. „Auch bei unseren Beichten“, ergänzt sie. Dabei macht sie mit den Händen mehrmals eine Bewegung. Die klopft mit einer flachen Hand auf eine becherförmige Hand. Alle müssen peinlich lachen. Einige Omas werden ziemlich rot dabei. Sogar auch ein paar Opas.
„Das Leben ist eine einzigartige Pforte“, schlussfolgert Paul die Masse beruhigend. Alle lachen dabei nickend.
„Wir müssen nicht mehr beichten für ein Stück Brot“, gesteht Frieda. „Ich war drei Mal pro Woche beichten.“
Dieser Beitrag wirkte wie ein Beichtaufruf an Alle. Man wollte sich jetzt mit den Beichtgängen untereinander übertreffen. Bei jedem Beichtgang kam eben eine neue Sünde mit dazu. Oft auch eine lebendige. Der Pfarrers Arbeit ist eben Seelenarbeit. Wenn es schon die gekauften Ärzte nicht tun.
Die Schwestern im Heim unterteilen sich in zwei Kategorien. Sehr dominante und gehorchende Schwestern. Die Dominanz hat sich entwickelt, weil sie keinem Arzt unterstellt sind. Sie sind der Chef im Haus. Wie üblich im Kapitalismus, gibt es mehr Chefs als Arbeiter. Auch im Alten- oder Pflegeheim. Hamid als Koch, kann davon einen Trauergesang vortragen. Offensichtlich steht der erste Arzt, der Koch, noch wesentlich tiefer im Rang als die ungelernteste Schwester in diesen Graten. Hamid begreift nicht, wie man dieser weiblichen Hackordnung folgen kann. Zumal etwa achtzig Prozent der Anordnungen rein emotionaler Natur sind. Hamid vermisst jegliche Logik in den Anweisungen. Die Schwestern untereinander auch. Die heulen sich dann bei Hamid aus. Hamid antwortet zumeist, „bei uns gibt es nur einen Chef.“
Das führt regelmäßig zu einem lachhaftem Ende der Diskussion. Zumal das Hamid mit den entsprechenden Gesten garniert.
„Bei uns wird das Alles in der Nacht repariert“, spricht er sehr weise tuend und wackelt dabei mit der Hüfte.
Hamid spricht ja kein leicht fließendes Deutsch. Sein Deutsch besteht fast schon aus Wörtern, die in seiner Art gesprochen, wie Befehle klingen. Etwas abgehackt. Mitunter ein paar Laute verschluckend. Nicht ganz klar wirkend. Ziemlich schnell gesprochen. Oft auch falsch betont. Man könnte fast meinen, er hat sich diese Art in Italien angewöhnt. Dort fragen Alle ihren Vorgesetzten lieber drei Mal, ob sie ihn richtig verstanden haben.
Mit seiner Art hat Hamid das Herz Rosi erobert. Hamid ersetzt den Pfarrer bei Rosi. Hamid muss sich aber jetzt damit begnügen, ein sehr guter Freund Rosis zu sein.
Monika ist jetzt am vorläufigen Ende ihrer Mühe in dieser Richtung. Toni hat sie drauf gebracht. Sie müssen ihre Ermittlung von der anderen Seite angehen. Dem Motiv. Was hat Peter gewusst, das dem Täter eine Gefahr war? Bei den Gesprächen mit den Bewohnern von Pauls Seniorenwohnungen, fiel ihm das auf. Nur nebenbei. Erna brachte den Gedanken ins Spiel. Es geht um Geld und Wertsachen.
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Schon wieder kommt Magda ins Gerede. Polen. Nach der Devise. Alle Polen klauen. Dem Ansinnen muss Monika deutlich widersprechen. „Bei uns wird meiner Meinung nach mehr geklaut. Ich habe keinen direkten Vergleich. Hier wird das aber selten vor Gericht gebracht. Das wäre zu teuer. Wir üben uns hier eher in Vergeltung und Rache. Am besten, im ewigen Streit. Dabei kommt wenigstens die Unterhaltung nicht zu kurz.“
Leider kommt das bei älteren Leuten eher selten vor. Ihnen fehlt die Kraft dafür. Sie möchten auch ihre letzten Jahre nicht im Streit verbringen. Mitnehmen können sie auf ihrer letzten Reise eh nichts. Trotzdem wollen sie gern wissen, wer ihre Hinterlassenschaften bekommt. Ein Mensch, der sie braucht? Oder ein Mensch, der die Dinge im Zuge der Gewinnsucht einfach stiehlt. Wie schon einmal. Im Krieg. Das gleiche Unheil sehen sie wieder auf sich zukommen. Anfangs in kleinen Schritten. Jetzt schon schamlos gemein. Frech. Unverfroren. Ein paar Schritte von der Brutalität entfernt.
Im Moment sind sie schutzlos. Ihre Kinder und Enkel dürfen sie nicht besuchen. Sie haben kaum einen Ansprechpartner. Außer Magda und Andrea, der Pflegehelferin aus Lana.
Bei Paul können sie sich treffen. Auch bei Klaus. Bei Klaus an der Tür müssen sie Tests durchführen. Bei Paul nicht. Das gilt als Besuch.
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Das Lächeln verstummt
Ab jetzt werden Masken zur Pflicht. Viele der Bewohner schauen sich bei Gesprächen untereinander ins Gesicht. Das Gehör lässt nach. Das erleichtert das Verständnis. Der Mangel wird mit Gestik ausgeglichen. Bei Menschen aus dem gleichen Sprachraum funktioniert das gut. Als Ergänzung zum Gesprochenen. Sobald eine fremde Sprache gesprochen wird, konzentriert sich Alles auf die Gestik. Das reicht aber zu einem Gespräch nicht aus. Magda betrifft das. Sie betont oft Worte in Deutsch falsch. Damit gibt sie auch falsche Zeichen von sich. Das führt bisweilen zu Missverständnissen. Die sind aber weniger dramatisch.
Bei falschen Medikamenten wäre das eine Ursache für Peters Tod. Monika hat das gründlich untersucht. Magda hatte aber mit den Medikamenten nichts zu tun. Das wurde bereits ausgeschlossen. Damals trug noch Keiner Masken bis auf die Schwestern. Die Schwestern tragen die Masken auch nur bei bestimmten Arbeiten. Hygiene bedingt. Beim Baden trugen sie keine. Ab jetzt schon.
„Nimm endlich diese blöde Maske ab, Magda“, zischt Gerta. „Hier ist das gefährlich für uns.“
Magda folgt der Kritik. „Würdest du mit mir zu Paul gehen nach dem Duschen?“
„Die haben eh ein Auge auf mich gerichtet. Das würde fast schon eine Entlassung provozieren.“
„Rede mit Paul und Eleonore. Ich glaube, dort findest du einen Platz.“
„Ich befürchte Ärger, wenn ich keine Arbeit nachweise.“
„Dann heirate einfach.“
„Wen?“
„Andreas braucht eine Frau. Er ist allein in der Schmiede.“
„Naja. Er muss mir vielleicht gefallen?“
„Da bin ich mir sicher. Andreas ist noch Jungmann. Andreas gilt im Ort als arm. Es wird kaum Konkurrenz geben. Du hast Etwas zu bieten, wenn ich dich so betrachte. Ziehe einfach etwas Aufreizendes an. Der Rest kommt von allein.“
„Wir kommen nicht aus dem Heim. Was sollen wir tun?“
„Wir warten bis es dunkel ist. Nach dem Abendbrot. Die Pflegerinnen müssen kochen. Ich kenne einen Weg. Wir schaffen den Müll raus.“
„Das klingt gut. Das tun wir.“
Gerta braucht zwei Stöcke. Die möchte sie mitnehmen. Gerta hat in der Küche oft etwas geholfen. Meist sitzend. Beim Besteck polieren. Den Schwestern würde das kaum auffallen. Die haben nach dem Essen reichlich zu tun.
Das Abendmahl ist beendet. Es kommt genau so wie Gerta sagte.
Paul ist nicht überrascht. Eleonore ist bei ihm.
„Eine Pflegerin würde uns sehr helfen“, sagt sie. „Du bist unter den Bewohnern die Beliebteste.“
Paul sagt Andreas, wer angekommen ist. Andreas baut gerade an einem Rollstuhl. Mit dem kann man leicht Bordsteine und Treppen überwinden. Das erfordert nur etwas Mut, wenn man allein fährt.
Magda will den gleich ausprobieren mit Gerta.
„Magda ist eine gute Frau“, stichelt Gerta. Kaum sagte sie das, wirft Andreas einen Blick auf die reizende Magda. ‚Ein schönes Weib‘, denkt sich Andreas.
„Wenn du sie heiratest, kann sie gleich hier bleiben“, setzt Gerta fordernd nach.
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Andreas zeigt Entschlusskraft. Magdas Hilfe ist dringend erforderlich. Magda beichtet ihm beim Blick auf seine Felder und Tiere, sie kommt von einem Bauernhof.
„Ich liebe diese Arbeit und auch etwas den Geruch. Das ist Leben.“
Eleonore verspricht, ihre Wohnungen sind auch in Kürze fertig. Sie hat jetzt mehr Zeit. Gerta traut sich nicht zurück.
„Die sperren mich ein nach der Aktion.“
Er ruft den Pfarrer an. Der soll sich mal kümmern.
„Du bleibst bei mir. Der Pfarrer soll das mit der Gemeinde klären.“
Greta spricht mit Luzio dem Pfarrer. Er gibt etwas zögerlich seinen Segen.
„Denk dran. In den Himmel kommst du so und so nicht“, sagt Greta. Luzio nickt mit den Augen.
„Geb den Beiden wenigstens die Chance.“
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Paul fragt sich oft, wieso man Menschen immer mit dem Hinweis bezüglich der eigenen Taten erpressen muss. Liegt das an diesem System? Sicher. Offensichtlich ist das Volkskultur.
Den Alten der Weißen Tulpe fällt die hohe Sterblichkeit auf. Täglich verlassen sie geliebte Mitbürger. Die Schwestern wollen eine vierte Impfung setzen.
„Soll das so etwa weiter gehen?“, fragt Berta. Berta hatte eigentlich nichts gegen die Impfung. Bis sie ernste Beschwerden beklagte. Berta ist die Sportmeisterin des Heimes. Sie schaffte, sage und schreibe, ein Dutzend Liegestütze. Jetzt hört sie mit Beschwerden bereits beim vierten auf. Sie beklagt ein seltenes Seitenstechen. Kein Arzt hilft. Sie soll um die zwanzig Medikamente fressen. Das lehnt sie ab. „Ich esse nur Lebensmittel. Keine Pillen!“, ruft sie etwas lauter. „Ich würde gern auch etwas Fisch essen. Nicht mit der Gabel in Forellengräten rumkratzen.“
Das ist ein deutlicher Hinweis auf auf das Fehlen von Hamid. Der hat den Fisch filetiert. Gabriel bestellte den Fisch ganz. Wegen der Kosten. Hamid hat den Fisch extra im Ultental bestellt und filetiert.
Insgesamt werden die Senioren bedeutend rebellischer. Vor allem, weil sie Pauls Wohngemeinschaft kennen.
Die Wohngemeinschaft hat sich jetzt für einen Namen entschieden. Das wurde lange diskutiert. Wohngemeinschaft – Uriel. Paul hat das angeregt. Er meint, sie wären zusammen den klügeren Weg gegangen. Die Gemeinschaft hat das so gewollt. Auch dem Pfarrer zum Gefallen. Auf diese Art möchten sie seine volle Unterstützung bekommen. Es geht dabei auch um Zuschüsse. Egal von wem. Land oder Kirche. Paul möchte nicht unbedingt seine Reserven angreifen. Er würde das Projekt gefährden.
In Landes eigene Stiftungen fließt schon Geld. Je nach Budget. In andere, eher ein Zuschuss. Paul orientiert sich eher am Grad der Einmischung. Die soll so gering wie möglich ausfallen. Das ergäbe auch zusätzliche Belastungen für die Mitglieder. Geschenkt bekommen sie nichts von der Quelle. Obwohl sie das Land mit aufgebaut haben. Dank und Achtung ist eher dem eigenen Konto gewidmet in den Kreisen. Dafür ist aber ein anderer Erzengel zuständig. Dem huldigt auch Luzio. Vor allem, wenn er etwa zwanzig Klingelbeutel in seiner Kirche verteilt. Alle für einen zugewiesenen Zweck. Kein Übel lässt Luzio aus. Mit jedem Krieg und jeder Hungersnot werden es mehr.
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Wenn nichts anliegt, wird eben ein Event erfunden. Luzio verfügt über mehrere geschnitzte Gaben aus dem Tal. Eine heilige wird sicher darunter zu finden sein. Im Moment ist das Konto voll. Er wartet praktisch auf die kommende Not. Deshalb hat er auch reichlich Zeit, die Bewohner der Schmiede zu bekehren. Langsam findet er auch Geschmack an der Küche der Uriel – Bewohner.
Zumal auch Eleonore auf den Eröffnungssegen wartet. Eleonore pflegt ihre Eltern selbst. Zeit, einen Mann zu finden, bekam sie dabei nicht. Luzio besucht sie drei Mal die Woche. Der Hof, die Tiere und ihre Eltern, bieten reichlich Bewegung. Für den Spaß suchen die Männer des Tales eher Frauen mit reichlich weichem Fleisch. Bei Eleonore finden sie das nicht. Selbst die Schafböcke kuschen vor Eleonore. Obwohl sie mit menschlichen Gedanken, Eleonore ziemlich gut gebaut fänden. Den prächtigen Körper samt gesunder Bräune, verdankt Eleonore ihrer Arbeit und dem stetigen Auf und Ab im Tal. Eleonore verfügt über einen kleinen Traktor. Den hat Papa noch gekauft. So oft, wie sie mit der Maschine arbeitet und sie pflegt, könnte man denken, sie bräuchte keinen Mann. Für Zwischendurch hat Eleonore auch noch zwei Pferde. Die setzt sie normal für das Holzholen und Feldarbeiten ein. Gelegentlich reitet sie auch eine Runde. Zwei Mal im Jahr, zeigt sie ihre Prachtstücke bei Umzügen im Tal. Haflinger. Ein Pärchen. Das Pärchen zieht zwar reichlich Neugierige an; aber leider keinen Mann für den Hof. Dafür aber, junge, einsame Frauen. Zum Glück. Den Frauen übergibt sie nach deren Glücksritt die Pflege der Pferde. Damit verschafft sie sich etwas Freizeit für die Pflege ihrer Eltern.
Die Revolte beginnt
Die Bewohner der Altenheime sollen täglich Tests abgeben. Auch die Lieferanten.
Die Hochzeitsfeier von Magda und Andreas darf nicht statt finden. Selbst Luzio wird beim Betreten der Wohnanlage von der Gemeindepolizei getestet.
„Warum steht ihr gerade hier?“, fragt er Werner, den Ortspolizisten.
„Ich stehe mir hier die Beine in den Bauch und werde wo Anders dringend gebraucht“, ist seine Antwort.
„Wo? Bei Klaus?“
„Das auch.“
Werner trank immer seinen Kaffee oder einen Gespritzten bei Klaus. Klaus hat den Gespritzten oft etwas stärker ausfallen lassen. Er ist dankbar für den täglichen Besuch. Zumal sich im Ort sehr viele Touristen zeigen. Im vergangenem Jahr wurde Klaus schon einmal um die Tageseinnahmen gebracht. Zwei scheinbar Bewaffnete haben seine Kasse geplündert. Trotz der recht übersichtlichen Lage im Tal, gelang es den Carabinieri und der Polizei bisher nicht, die Täter zu fassen. Sein Geld ist weg. Der Schaden fiel recht hoch aus. An dem Tag fand eine Trauerfeier statt. Der halbe Ort und Gäste aus der Umgebung zechten den ganzen Tag. Den Räubern muss das bewusst gewesen sein, denkt er sich. Er geht von einem Plan aus. Einheimisch waren die Täter aber nicht. Er hätte sie erkannt. Sie trugen keine Masken. Im Angesicht des aktuellen Maskenzwangs, befürchtet er eine Wiederholung des Raubes. Nicht unbedingt in seiner geschlossenen Gaststätte. Er liefert außer Haus und hat nicht selten, recht hohe Beträge in der Tasche. Die Täter wären von Vornherein mit Maske unterwegs. Keinen würde das ernsthaft kümmern.
Neuerdings sollen sich die Lieferanten alle drei Tage testen lassen. Das wird in einem Dokument eingetragen und im Telefon. Das
sollen die Lieferanten bei Kontrollen stets vorzeigen. Kostenlos ist das für Unternehmer nicht. Die Masken und Tests müssen sie zahlen. Klaus bräuchte einen Tagesumsatz von drei Hundert Euro, um die zusätzlichen Kosten zu tragen. So üppig fällt aber das Geschäft nicht aus. Er glaubt, seinen Kollegen geht es ähnlich. Bei gelegentlichen Treffen unter Kollegen bei den Lieferungen wird von Ersatzdokumenten geredet. Luis, der Metzger, hat so ein Dokument.
„Irgendwer von unseren Hauptmännern stellt die aus. Immerhin sind echte Stempel und Unterschriften drauf“, stell er fest.
„Da verdient sich einer sein Häuschen“, antwortet Klaus. „Wie läuft das mit dem Schlachten?“
„Komisch. Unsere Bauern scheint Keiner zu kontrollieren.“
„Dann bekommen die Leute auch nichts zu Fressen“, schimpft Klaus. „Du kennst unsere Bauern. Wenn der Preis nicht stimmt, tun sie nichts. Sie suchen dann nach eigenen Wegen.“
„Das ist gerecht. Wir tun das auch.“
„Ich schätze, da steckt sehr viel Vorsatz drinnen.“
Toni und Monika haben jetzt reichlich Zeit, die Ursachen für das Sterben zu untersuchen. Die Schwestern beteuern, keinen Fehler begangen zu haben. Auch nicht bei der Tagesdosis der Medikamente. Schwester – Nadja ist zuständig für die Medikamente. Lange Gespräche sind nicht notwendig. Nadja zeigt den Zweien, wie das vor sich geht.
„Ein Irrtum ist ausgeschlossen“, bestätigt Monika noch einmal. Nadja zeigt etwas mit der Geste, wie lästig ihr diese Fragen sind.
„Das ist nicht nur Routine“, sagt sie. „Das ist reines Gewissen.“
Trotzdem bleibt festzustellen, die meisten Medikamente sind überflüssig. Oft zieht ein Medikament eine ganze Reihe zusätzlich benötigter Medikamente nach sich. Wegen der teilweise rabiaten Nebenwirkungen. Das bestätigt Nadja. „Die wenigsten neuen Medikamente sind wirklich ausreichend getestet. Die Tests werden wie beim Fahrzeugbau, mit dem Gebrauch von unzähligen Protokollen durchgeführt.“
Monika stellt fest, die unerforschte Erprobung wird zum Standard. Auch in der Medizin. Teilweise ließe sich das mit Notwendigkeiten erklären. Vor allem im Bezug zu neuen Krankheiten. Trotzdem sind hier die Entwickler von Medikamenten in der Pflicht. Angesichts des Systems, in der die Entwicklungen statt finden, kann man nur sagen: Welches System dient dem Leben und nicht dem Kapital – Weniger.
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Die Senioren verweigern jetzt das Essen. Sie lassen die Aluminiumschalen unberührt. Agate sagt den Schwestern, sie sollen das Essen jetzt auf einen Teller servieren. Zwecklos.
„Wir brauchen dringend einen Koch“, ruft Agate auf dem Arbeitsamt an. Am gleichen Tag kommt ein junger Koch. Rolf/Meran. Er kommt mit dem Roller.
Agate diktiert ihm die Arbeitszeiten. Natürlich geteilt.
„Dann habe ich vier Arbeitswege. Dafür brauche ich pro Tag einen Tank. Der kostet aktuell fünfzehn Euro. Das sind im Monat dreihundert plus Reparaturen. Also, fünf Hundert. Zwölf Stunden Arbeit in Sechs-Tage-Woche sind Zwei und Siebzig Stunden. A zehn Euro, sind das sieben Hundert und Zwanzig. Mal Vier. Plus fünf Hundert.“
„Das können wir nicht bezahlen.“
„Dann kochen sie selbst.“
„Wir haben eventuell ein Zimmer. Dann musst du nur Hin und Zurück.“
„Das spart die Hälfte von fünf Hundert.“
„Ich muss mit dem Vorstand reden.“
„Wie Viele sind das? Was verdienen Die?“
„Deine Argumente kann ich nachvollziehen. Wir haben aber tarifliche Lohngruppen.“
„Das weiß ich. Laut Tarif arbeite ich praktisch pro Tag zwei Schichten. Das kostet auch zwei Löhne.“
„Alles klar.“
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Agate scheint mit Ausreden nicht mehr weg zu kommen. Rolf hat sie praktisch in der Zwickmühle. Wenn der sich auf dem Amt meldet, bekommt Agate keine weiteren Angebote mehr.
„Du kannst mich auch normal Tarif arbeiten lassen. Ich koche das Essen vor. Die Helfer oder die Schwestern teilen es aus. Das geht sogar frisch aus dem Topf am Tisch von einem Servierwagen aus. Sogar nach Wunsch.“
Offensichtlich muss man nur das Gehirn anstrengen. Aber das ist in gewissen Positionen nicht besonders populär. Dort scheint Denken – Mangelware zu sein. Lernen ganz besonders.
Rolf muss lachen.
„So machen wir das“, unterbricht Agate die wortlose Pause.
„Wie nun? Mit dem Wagen oder mit Vorbereiten. Der Wagen wäre besser. Das spart Wege und Personal.“
„Benötigen wir dazu noch Ausrüstungen?“
„Nein. Alles ist vorhanden.“
Agate muss nachgeben. Das ist ihr nicht besonders lieb. Sie hätte es lieber etwas dominanter. Per Befehl und Anordnung. Um die Position zu wahren.
„Mit dem Lohn muss ich trotzdem noch verhandeln. Ich sage dem Lohn trotzdem zu. Abgemacht!“
„Was muss dabei verhandelt werden?“
„Es geht um die Lohnstufe. Koch, Chefkoch oder Alleinkoch. Es gibt verschiedene Tarife.“
„Naja. Wir haben siebzig Bewohner mit drei oder vier Mahlzeiten pro Tag. Das reicht schon für einen Chefkoch.“
„Alles klar. Danke für die Erklärung. Ich weiß jetzt, was ich vortragen muss.“
Agate spricht das mit dem Vorstand ab. Rolf arbeitet Normalschicht im Tarif. Von den Hilfen muss eine Kollegin die Essensausgabe abends übernehmen. Rolf soll sie mittags etwas anleiten.
Rolf ist froh mit dem Vertrag. Er könnte in der Not, abends noch in Meran arbeiten.
Rolf kocht drei Tage die feinste Küche. Die Alten rühren das Essen nicht an. Agate entlässt Rolf während der Probezeit. Rolf wird von Klaus und Luis abgefangen.
„Arbeite mit uns“, lockt Klaus. Luis auch.
„Wir kochen Essen und liefern es aus.“
Rolf ist heilfroh. Er unterschreibt. Den fast gleichen Vertrag wie im Seniorenheim bei Agate.
Agate ist jetzt auch das Essen außer Haus los. Sie kann das nicht bekochen. Die Senioren zu Hause haben bekommen schon lange das Essen von Luis und Klaus. Preiswerter sogar.
Jetzt bemerkt das die Gemeinde. Sogar im Landtag wird darüber gesprochen. Nebenbei. Man hat dort andere Probleme. Wie hoch fällt die Jahresprämie für die Abgeordneten aus? Die haben sich ja bei der Krisenbewältigung sehr engagiert. Über ihre verfügbaren Kräfte hinaus.
Dazu wollen die ihre Rente als geschätzten Vorschuss. Die Senioren schütteln geschlossen mit dem Kopf. Fast im Rhythmus.
„Das sind unsere Angestellten. Die klauen uns die Taschen leer.“
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„Und Die sperren uns ein, damit wir das Keinem erzählen“, ergänzt Gerta.
Die Wohnungen bei Eleonore sind fertig. Bei Paul auch noch zusätzliche drei Wohnungen. Mittlerweile leben pro Wohnung zwei bis drei Bewohner. Viele möchten mit einem Freund oder einer Freundin zusammen wohnen. Ja nicht allein. Der Selbstschutz funktioniert bestens. Ohne Spritzen.
Das Altenheim des Ortes leert sich langsam. Das monatliche Geld der ausgezogenen Bewohner fließt trotzdem.
Die Senioren in Pauls Wohngemeinschaft wollen ihr Geld wieder. Bisher wird ihnen das verweigert. Alle öffentlichen Einrichtungen sind geschlossen. Pauls Senioren können sich das Geld nicht einmal mit der Polizei, geschweige per Gericht zurück holen. Der Zugang wird ihnen verweigert.
Die Senioren entschließen sich, einen Gesandten in den Landtag zu schicken. Gewählt wird Karl aus Meran.
Karl pflegte früher die Grünanlagen des örtlichen Altenheimes. Jetzt, die Felder und Grünanlagen zur Eigenversorgung der Bewohner der Wohngemeinschaft.
In ihrer Versammlung haben die Alten ein Schreiben aufgesetzt. Mit dem Schreiben fordern sie den Restbetrag ihres Vermögens zurück. Sie wollen nichts Unmögliches. Wohl in der Einsicht, von ihrem Geld wurde die Pflege und Betreuung organisiert.
Klaus und Luis erklärten sich bereit, den Aufwand dafür zusammen zu rechnen. Dazu haben sie das private Vermögen der Einzelnen ins Verhältnis zu den Kosten der Pflege und Unterbringung gesetzt. Klaus staunt selbst, welch erheblicher Betrag dabei zu Stande kam. Die Kinder und Enkel der Bewohner waren zugegen. Viele zahlten trotzdem einen nicht unerheblichen Zuschuss.
Nach der Inventur stellen sie fest, ihnen wurden mehrere Millionen vom eigenen Vermögen beschlagnahmt. Offensichtlich sollen sie jetzt geimpft werden, um das zu vertuschen. Mit Einem trösten sie sich. Sie haben ihren Kindern, Enkeln und Bekannten, einen Arbeitsplatz und ein Einkommen ermöglicht. Aber das tun sie auch, wenn sie Steuern entrichten und arbeiten.
Sie haben gearbeitet und möchten ihren Ruhestand genießen. Nicht mit Essen aus Aluminiumschalen. Nicht mit dem Diebstahl von Schmuck, Geld und persönlichem Eigentum samt schöner Erinnerungen. Kein einziger Brief bleibt ungelesen. Jede Post wird durchstöbert nach Wertsachen. Dabei sind sie nur im Seniorenheim. Angeblich ist das kein Gefängnis. Sie sind unschuldig und werden entmündigt und beraubt. Dazu kommt jetzt, sie dürfen nicht einmal ihre Angehörigen und Freunde treffen. Ein ganzes Leben wird mit einem Mal ausgelöscht. Per Dekret. Wie bei Limongelli und Giurati. Die durchziehenden Horden von Plünderern und Vergewaltigern aus allen Richtungen. Verschleppungen. Zwangsarbeit. Schmerzhafte Erinnerungen.
Was schmerzt mehr? Das Gestern oder das Heute? Der Tod scheint die Erlösung zu sein. Aber nicht der Mord. Die Freunde der Besatzer bekommen eine importierte Rente. Das Volk Impfungen und Aluminiumteller und nicht mal einen Grabschmuck.
Carla, eine im Heim sehr beliebte Bewohnerin mit sächsischem Akzent, ruft zum Widerstand auf. Carla hatte die DDR mit ihren Eltern bereits 1961 verlassen. Kurz vor dem Mauerbau. Sie sind zuerst nach Bayern, aber enttäuscht von dort, weiter nach Südtirol gezogen. Papa hat immer in Westen gearbeitet. Er dachte, seine Familie wäre willkommen. Irrtum. Im Nu ging es der Familie sehr viel schlechter als den Freunden in der DDR. Die bauten ein Haus nach dem anderen. Er konnte nicht mal die Miete bezahlen. Mit Was will er jetzt vor seinen Freunden protzen? Mit einem Päckchen voll billigen, Aroma befreiten Kaffee? Mit einer Tafel Schokolade, die nicht mal den Namen verdient?
Haferflocken, Mehl und Grieß, gab es dort in wesentlich besserer Qualität. Auch Fleisch, Brot und Wurst. Genau diese Vergleiche sind oft Gegenstand ihrer gemeinsamen Träume bei Klaus oder in ihrem neuen Urieltreff. Die Südtiroler berichten von sehr schweren Zeiten. Carla von einem erfüllten, glücklichen Leben.
Sie schloss sich den Freunden von Paul an und möchte diesem Kreis das gleiche Leben ermöglichen.
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Mittlerweile darf Keiner mehr das Ortsgebiet verlassen. Arbeiter schon. Auch ungeimpfte Arbeiter. Ungeimpfte Politiker dürfen das. Uneingeschränkt.
„Die Zeit ist zu kurz, sich jetzt als Politiker und Partei anzumelden“, sagt Toni lachend. Paul und die anderen nicken aufgeregt dazu.
„Wir wissen: Bestechungsgelder brauchen ihre Wirkungszeit. Unsere Hütte zählt gerade noch zur Fraktion St. Klauben.“
„Also, wenn Ihr Eure Kühe, Schafe und Ziegen ausführen müsst, bei uns ist Platz.“
Auf die Einladung haben Alle gewartet. Vor Monis Hütte stehen keine Kontrollen. Das wäre zu umständlich mit der Ablösung. Aber sicher stehen Kontrollen auf den Zufahrtswegen. Die Frage wäre jetzt, wie die Behinderten zu Monikas Hütte kommen. Andreas hat die Lösung. Mit einer Kutsche. Die hat Andreas wieder her gerichtet. Falls sie mal gebraucht wird. Er hat eine Besonderheit eingebaut. Mehrere Autobatterien und einen Elektromotor. Zur Unterstützung der Pferde. Die Wege dahin sind etwas steil. Das Gleiche hat er in einem Dutzend Rollstühle eingebaut. Die hat er geländefest hergerichtet. Monika hat auf der Boxerhütte auch vier Elektroquad zu stehen.
Monika kann aktuell die Hütte eh nicht nutzen.
Die Gäste wären ihr gerade recht. Damit die Zimmer und Wirtschaftsräume samt Küche nicht verwahrlosen. Lukas und Frieda kochen zwar für sich, den Knecht und ihre Tiere. Aber das reicht nicht.
In der Gloria ist Alles beim Alten. Zur Gloria gehört ein großes Außengelände mit Boccia und Minigolf. Auch ein Tennisplatz ist im Angebot. Die Alten da, wollen ihren Gewohnheiten nachgehen. Deren Arbeit band die selten an einen Schreibtisch oder festen Arbeitsplatz. Zwischen Golf- und Tennisplatz befindet sich auch die Tankstelle für extra scharfe Tankfüllungen. Die Zirrhose muss gepflegt werden. In diesem Heim gibt es keine Kontrollen. Die Bewohner sind kerngesund. Rosi darf bei den Bewohnern nur leere Zimmer putzen. Ohne Kontakt mit den Bewohnern. Sie wird täglich kontrolliert. Kostenlos. Rosi könnte das so und so nicht bezahlen. Trinkgeld liegt neuerdings auch keins mehr da. `Wer steckt das ein jetzt`, fragt sich Rosi. Sie denkt lange nach. Und spekuliert. `Evelin trägt neuerdings recht teure Kleider`.
Evelin ist die Chefin vom Gloria-Altenheim. Ihre Position ist etwas wackelig. Melinda, die Frau des Altlandesvaters hat etwas gegen sie. „Die ist überheblich!“, zischt sie Gustav permanent ins Ohr. Die zwei Damen beschäftigt der gleiche Acker. Melinda pflegt auch nebenbei reichlich einflussreiche Kontakte. Sie ist ziemlich oft und sehr regelmäßig einkaufen. Wahrscheinlich wurde sie oft von Evelin gesehen. Rosi spekuliert lachend, „im Reizwäschegeschäft.“ Die versammelte Runde muss herzhaft lachen.
Die Kontrollen werden schärfer. Jetzt bereuen die Ultner ihre Forderung nach einem Stützpunkt der Carabinieri im Tal. Den haben sie damals gefordert wegen der vielen Verbrechen im Tal. Aber jetzt sind in den Kasernen zu viele fremde Polizeikräfte. Auch in zivil. Der Volksmund spricht, die Ärzte bräuchten Schutz.
„Das ist notwendig für die Gehilfen des Unrechts“, flucht Erna. „Die werden sich nach der Kassa schnell verdrücken nach Deutschland.“
„Von den Carabinieri sind mehrere Kollegen gestorben nach der Impfung“, wirft Andreas ein. „Die werden das im Tal nicht zu genau nehmen.“
„Das ist eine Spekulation. Wir werden uns nicht darauf verlassen.“
Im Nachhinein sollte Andreas Recht behalten. Tatsächlich beschränken sich die Carabinieri auf mahnende Worte. Anzeigen erfolgten bis jetzt nie.
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Die Vereinigung
Die Bewohner der einzelnen Seniorenheime haben Abgeordnete mit ihren Beschlüssen entsandt. Die einzelnen Ortsgebiete dürfen nicht verlassen werden. Die Alten nutzten die Handwerker, Briefträger, Bauern und Radfahrer als Überbringer ihrer Abstimmungsergebnisse. Scheinbar Geimpfte mit Kopien der Impfnachweise aus dem Ortsgebieten sammelten sich in der Nachbarregion. Sie sollen die Abstimmungsergebnisse zu Monika bringen. Die kommenden Schritte werden bei Monika abgestimmt. Teilweise per Telefon und der damit verbundenen Kommunikationswege. Die Abstimmungen per Telefon live abzuhalten, wurde fast einstimmig abgelehnt. Die Benutzung von Boten war allen Alten der sicherste Weg. Die lauschenden Behörden sollen keine Spur finden.
Trotzdem berichten die Boten von Reaktionen innerhalb der Behörden. Die haben Hinweise in den abgehörten sozialen Medien, Anrufen und Chats gefunden. Die Behörden versuchen jetzt, die Gruppen zu infiltrieren. Einzelne Mitglieder sollen bestochen oder erpresst werden.
Monika und Toni haben davon Wind bekommen. Mehrere bekannte Carabinieri um Marco haben Toni ein paar Hinweise geliefert. Marco und seine Untergebenen können sich der Befehlskette schlecht verweigern. Dadurch würde die Verbindung abreißen. Sie müssen mitschwimmen. Veronika ist der Überbringer von Nachrichten. Wohl oder übel, musste sie dafür auf das Fahrrad umsteigen. Zum Glück benutzt sie ein elektrisches Mofa. Ein Elektrofahrrad. Monika hatte sich das für ihre Hütte zugelegt.
Fahrradfahrer bewegen sich nahezu unbehelligt im gesamten Landesgebiet. Monika könnte nackt fahren und hunderte Menschen direkt anstecken. Mittels Küssen und Streicheleinheiten. Keinen würde das annähernd aus dem Sofa heben. Schon gar nicht vom Bürostuhl. Moni hat also die gleiche Freiheit wie Hunde, Abgeordnete und andere Mehrbeiner. Legal ist Scheißegal. Alles per Dekret.
„Im Iran haben sich die Politiker und Imame angesteckt und sind massenhaft daran gestorben. Ein Zeichen Gottes“, sagte Andreas. „Die reden mit ihrem Volk und arbeiten.“ Andreas informierte seine Gruppe darüber. Die Kenntnisnahme wird mit staunenden Gesten garniert von den Alten. Luzio versucht das etwas zu verzerren. „Arbeite ich zu wenig mit euch? Ihr seid doch meiner Fürsorge sicher?“
„Jaja.“ Die Alten murmeln vor sich hin und lachen etwas verschmitzt über ihn dabei.
Luzio fühlt sich jetzt etwas bedrängt.
„Ich werde das ändern.“
„Möchtest du der geistige Führer unseres Anliegens sein?“
Luzio fürchtet um seine Einnahmen aus höheren Quellen. „Ich würde eher als geistiger Berater zu euch halten.“
„Schlösse das die Förderung unseres Anliegens ein?“
„Jaja. Eher verdeckt, wie ihr bereits ahnt.“
„So verdeckt wie in Syrien und dem Iran?“, fragt Andreas.
Luzio wird etwas rot.
„Das war höhere Gewalt.“
„Schon. Aber nicht Opfer frei.“
„Hör auf zu Bohren“, fordert Toni. „Hier geht es um unsere Sache.“
„Ich möchte unseren Luzio nur vor Verrat warnen“, antwortet Andreas.
Monika sieht das ein und nickt. Toni muss nachgeben bei der Kraft ihres Nickens.
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Toni soll sich zur Hütte absetzen. Bei Monika würde das auffallen. Er soll die Zimmer und Wirtschaftsräume für das Treffen mit vorbereiten. Die Tiere des Hofes müssen gefüttert werden. Toni fährt den öffentlichen Weg. Mit seinem Elektro – Quad. Paul hat es aufgeladen nach seiner Lieferung.
Einmal wird er aufgehalten von einem Ortspolizist. Rainer. Er fragt, ob er etwas gutes zu Essen mit hat. Rainer weiß von Werner, was in der Schmiede vor sich geht.
„Auf dem Rückweg habe ich Etwas mit“, antwortet Toni. „Für die Alten lässt Luis in aller Regel das Fleisch durch den Wolf. Er hat eventuell ein paar Filets, Haxen oder Rippelen übrig. Die lassen wir nicht durch. Ich habe Oben welche im Gefrierhaus. Auf Was hast du Appetit?“
„Ein paar schöne Lammstelzen wären mir schon Recht.“
„Die bringe ich dir mit. Morgen früh.“
„Ich stehe hier.“
„Bis morgen. Soll ich für Werner ein paar mit einpacken? Der kam die bisher immer bei uns Haxen essen.“
„Gerne.“
Auf der Boxerhütte bei Lukas treffen die ersten Boten ein. Toni begrüßt sie herzlich. Mama Frieda hat Essen vorbereitet. Toni gibt ihr einen Kuss. Auch von Monika mit besten Grüßen. Frieda fühlt sich etwas einsam seit der Sperre.
„Du wirst in Kürze Besuch bekommen. Reichlich Besuch.“
„Das kommt uns gerade recht“, antwortet Lukas. „Wir haben einige Läufer. Luis wird sich freuen. Kommt er zum Schlachten?“, sagt Lukas.
Toni fällt auf, er hat vergessen, Luis zu informieren. Anrufen kann er nicht. Den Lauschern würde die Menge auffallen.
Carla hatte ihm bereits früher mal gesagt, die Lauscherei würde die Stasi bei Weitem in den Schatten stellen. Die Stasi tat das zum Schutz des Volkseigentums. Hier kann davon keine Rede sein. Toni fängt auf der Hütte an, Carlas Worte von damals zu begreifen. Den Unterschied spürt er bereits.
Warum seid ihr aus der DDR gegangen?, fragte er damals Carla provozierend.
Damit es jetzt ja Alle hören, wiederholt Carla das Gespräch von damals etwas lauter.
„Wir haben uns vom Westfernsehen und Westradio ins Gehirn scheißen lassen.“
Die Botschaft scheint angekommen zu sein bei den Senioren.
„Uns kostete es damals mehr als viele Menschenleben. Uns wurde der gesamte Besitz geraubt. Das war die Generalprobe für das, was ihr gerade erlebt.“
Jetzt begreifen es Alle.
„Die Erkenntnis kommt für uns leider etwas zu spät“, lacht Frieda.
„Was? Am Höhepunkt des Lebens“, fragt Paul. „Mit Siebzig ist noch lange nicht Schluss!“
„Ja. Aber letzte Woche haben sich viele unserer Freunde verabschiedet. Viele waren noch nicht einmal siebzig.“
„Deswegen sind wir hier. Gerade älteren Menschen wurden die Spritzen ans Herz gelegt. Mit massiver Propaganda und letztendlich mittels Erpressung. Wohl in dem Wissen, dass ältere Menschen mehrheitlich an Gefäßkrankheiten leiden. Altersbedingt. Also reden wir von Vorsatz.“
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Der Zustrom zur Boxerhütte nimmt rasant zu. Lukas bemerkt reichlich Verkehr über ihren Köpfen. Die Hubschrauber scheinen pausenlos zu fliegen. Angeblich müsse der Wald jetzt besonders überwacht werden. Keiner darf in den Wald. Dort scheint eine besondere Ansteckungsgefahr zu lauern.
Die Jugend trifft sich nicht mehr am Ortsrand. Jetzt geht man in den Wald. Sicher vor Beobachtungen. Leider bringt das jugendliche Gemüt bisweilen auch eine Kippe von einem Joint zum nachhaltigen Glühen. Was soll die Jugend tun bei der versauten Zukunft? Angesteckt von einem Virus, der wesentlich schlimmer ist als ein Grippevirus. Dem Virus der gebrochenen Versprechen von Arbeit, Liebe und Wohlstand. Sie haben sich schon lange an die Aussendungen diverser Maulhelden des Landtages gewöhnt. Nicht eins dieser Versprechen wird wirklich wahr oder zeitnah umgesetzt. Und wenn, dann mit unmöglich langen Wegen und Peinlichkeiten. In ihren leeren Geldbörsen stapeln sich Karten des Landes, von denen nicht wirklich Eine funktioniert. Sie bräuchten einen Acht-Gigabit-Chip, um sich allein die Passwörter zu merken. Sie haben lange begriffen, ab diesem Punkt ist nicht wirklich von Datenschutz und anderen versprochenen Segnungen zu reden. Der Punkt, der sie stört, ist eigentlich ein anderer. Sie können keinen eigenen Weg gehen. Sie liegen immer noch am Nabel der Mutter und des Vaters.
Monika und Toni haben das erkannt. Nicht als Einzige. Besonders dunkle Kreise auch. Junge Menschen werden zu stumpfen Werkzeugen gemacht.
Monika möchte die jungen Leute gewinnen. Für ihre Großeltern. Nicht für fremde soziopathische Werkzeuge, welche aufgeputscht mit geraubtem Geld und plastischer Chirurgie, die Medien dominieren. Die jungen Leute möchten nicht nur Spaß. Sie möchten sich einbringen. Keine Sklaven sein. Unmöglich in diesem System. Sie möchten selbst die Produkte ihrer Arbeit sehen und anfassen. Mit Stolz. „Das hab ich gemacht!“
Die Boxerhütte bietet Raum dafür. Fern jeder peinlichen Kontrolle samt Ordnungsgeldern.
Monika möchte die jungen Leute als Boten auf Rädern gewinnen. Es gibt etwas Taschengeld dafür. Andreas der Jungschmied übernimmt die Reparaturen der Räder. Etwas Feldarbeit können sie zusammen mit den Alten erledigen. Eine Form der Ausbildung. Auch bei Andreas. Der hat immerhin eine Schmiede samt Werkstatt. Dort lernen die jungen Leute, echte, greifbare Erfindungen praktisch umzusetzen.
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Die jungen Leute übernehmen jetzt die Postdienste zu ihren Aufgaben. Sie nutzen motorisierte Fahrräder und Rollstühle. Niemand stellt ihnen nach.
Monikas Hütte ist bereits voll belegt. Lukas muss aufbetten. Persönlich macht ihm das keine Probleme. Er hat ja das Bettenlager mit fast einhundert Plätzen zusätzlich. Genau das, macht Frieda und Lukas zum idealen Treffpunkt. Um die Viehwirtschaft müssen sich Beide nicht mehr kümmern. Das haben die Gäste als auch die Jugend übernommen. Die Zwei sind jetzt wieder das, was sie immer sein wollten. Liebevolle Gastgeber.
Das Vereinszimmer, fast ein Saal, entwickelt sich langsam zu Schulungszentrum. Der Zweck des Zentrums ist schnell erklärt von Monika. Es geht um die Aufgabenverteilung und deren Koordination. Ähnlich einem Landtag oder einer Regierung. Mit einem Unterschied. Mit und zum Wohle der Bevölkerung.
Im Landtag bleibt jetzt das Treiben nicht mehr unbemerkt. Wegen der leeren Altersheime. Die Älteren würden eine Sekte betreiben und entwickeln. Die Pflegeheime bleiben aber gefüllt. Mit Pflegebedürftigen. Aber jetzt wird das Geld knapp für die Bedürftigen. Dem Pflegepersonal ist der Zustand recht so. Sie werden massiv entlastet. Sie können wirkungsvoll ihre Patienten pflegen.
Trotzdem gibt es Entlassungen im Gesundheitssektor des Landes. Jene Ärzte, welche sich weigern zu Impfen, werden beurlaubt. Ohne Lohn und Gehalt. Einige von ihnen sind mit Darlehen für ihre Praxis belastet. Andere mit sehr hohen Mieten. Sie können ihre Praxen nicht mehr unterhalten.
Natürlich suchen die jetzt Kontakt zu Toni und Monika. Über Paul. Paul hatte ihnen schon in der Weißen Tulpe versprochen, für sie einen Ausweg zu finden.
Schon am kommenden Tag werden die Zwei vorstellig. Seppi, ein Arzt vor der Pension und sein junger Kollege, Klaus.
Ihre medizinischen Kenntnisse sind äußerst wichtig für die Gruppe.
„Das Gesundheitswesen wir mit überteuertem Müll geflutet. Sowohl Hilfsmittel als auch Medizin“, sagt Klaus. „Damit werden die Gesundheitskosten hoch getrieben. Aber nicht für die Gesundheit der Bevölkerung. Eher für das Wohlbefinden korrupter Manager und ihren Familien.“
„Wir Ärzte werden massiv erpresst. Und das schadet nicht nur unserer, sondern auch eurer Gesundheit“, ergänzt Seppi. „Der Prämienanteil für Bestechungen an den Gesundheitskosten, frisst mittlerweile mehr als die Hälfte des Kassenanteils.“
„Das kapiere ich nicht“, antwortet Paul.
„Naja. Einzelne werden bestochen, um höhere Preise für Medikamente durch zu setzen. Und das belastet die Kasse sehr schwer.“
„Das ist aber Betrug“, ruft Erna.
„Ja eben. Das ist kriminell. An die verschreibenden Ärzte werden dann Prozente ausgereicht“, ergänzt Klaus.
„Unsere Mafia hat deswegen vor Gericht gestanden“, ergänzt Erna.
„Jaja. Die haben eben gegen eine andere Bruderschaft verloren“, schlussfolgert Seppi.
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„Wir haben das früher Alles nicht gebraucht“, sagt Frieda. „Alles, was wir brauchten, wuchs auf der Alm. Unsere neu aufgebaute Wirtschaft, auch die Banken, wurden uns bereits von Anderen geklaut. Oder, wir produzieren mit fremden Arbeitskräften für Die in spärlich bezahlter Sklavenarbeit. In Konkurrenz mit Billiglohnländern. Nicht selten auch Waffen.“
Alle applaudieren bei der Bemerkung Friedas.
„Dafür stellen wir hier unsere Produkte her. Anfangs etwas bescheidenere. Später, etwas anspruchsvollere“, antwortet Paul.
„Von unseren Rohstoffen“, sagt Andreas.
„Ja. Die gibt es zahlreich bei uns. Wichtig ist aber die Veredlung der Rohstoffe. Die Weiterverarbeitung“, schließt Andreas das Gespräch. „Da sind wir schon gut. Leider wird uns das von Anderen entführt.“
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Die Bewohner kommen und ihre Besucher gleiten vom Thema ab. Bis Paul fragt, ob sich die Zwei ihnen anschließen wollen. Eleonore hat ein Zimmer, das sie zu einer Praxis umfunktionieren können. Ihre Arztpraxen werden wahrscheinlich bewacht. In den Praxen befinden sich auch Geräte und Hilfsmittel aus ihrem Besitz. Die müssten nur gesichert werden.
„Damit könnten wir hier eine Praxis aufbauen“, sagt Seppi. „Wenn die Sachen dort bleiben, befürchte ich den Totalverlust.“
„Kennst du einen Weg, an die Sachen zu kommen?“, fragt Paul.
„Tags über vielleicht. Ein Kollege ist ja da. Gegenüber. Der impft. Ich weiß nicht, ob der uns verrät… .“
Seppi überlegt. Klaus auch.
„Ich gehe hin“, sagt Klaus. „Der Kollege kennt mich zwar vom Arzttreffen. Aber er wird keine Zusammenhänge erkennen.“
Seppi ist einverstanden.
Klaus fährt in Kittel und Arzthose. Er glaubt, ihn hält Keiner auf. Er soll Recht behalten. Vor der Praxis steht eine Polizistin.
„Ich muss bei einer Geburt helfen“, sagt Klaus trocken zu ihr. Verdacht schöpft sie nicht. Er geht zu Seppi in die Praxis und packt einen Wagen. Der Kollege von Gegenüber bemerkt nichts. Seine Praxis ist gefüllt mit Impfbegeisterten. Ein Teil von ihnen hat sich sogar den Arm schon frei gelegt. Auf einem Feldbett liegt ein älterer Mann. Ihm ist schwindlig geworden bei dem Stich. Eine Schwester zeigt ihm einen Teil ihrer Unterwäsche. Als sie sich ihm nähert und sich über ihn beugt. Bei dem Anblick scheint er sich seiner Gesundheit bewusst zu werden. Er grüßt Klaus. Klaus kann sich erinnern. Ein Obstbauer. Der hat sich beim Beschneiden der Bäume großzügig die Fingernägel an drei Fingern mit geschnitten. Bis zum ersten Fingergelenk. Klaus konnte die Finger retten ab dem Gelenk. Er zwinkert mit dem linken Auge und gibt Klaus zu verstehen, wie er sich über den entzückenden Anblick der Innereien der Schwester freut. Klaus ist diesen Anblick aus den Krankenhäusern gewohnt. In allen Formaten und Ausstattungen.
„Mir wird beim Spritzen immer etwas schlecht“, gibt er zu. „Die hübschen Schwestern holen mich stets wieder ins Leben zurück.“
„Das kann ich verstehen“, sagt Klaus. „Wie geht es ihnen inzwischen. Kommen sie so gut zurecht mit den Fingern?“
„Ich nutze eben die Vorteile, die sich daraus ergeben.“
Wegen der Ablenkung fiel Keinem auf, welche voll gepackten Wagen Klaus zu seinem Auto brachte. Auch bei den Impfkunden standen zwei Polizisten. Der Ordnung halber. Angeblich hätte es Zwischenfälle gegeben. Einige hätten versucht, sich ohne Impfung trotzdem einen Stempel zu organisieren.
Klaus fragt sich jetzt nicht, was daran so ungewöhnlich ist. Er weiß es. Warum weigern sich Menschen, diese Impfung anzunehmen? Die ist doch freiwillig. Bis zum Arbeitsplatz. Geimpft heißt – Arbeit. Ungeimpft heißt, entlassen. Ohne Kündigung. Ohne Geld. Ohne Recht.
Klaus fällt ein, er könnte noch einen zweiten Wagen mit Arbeitsgeräten und Medikamenten aus der Praxis holen. Das tut er. Auch die Karteikarten der Praxis. Der Polizistin fällt das aber auf am Auto.
„Ist das Alles für eine Entbindung?“
„Naja. Wir haben eine Pandemie. Da können diese Dinge schon kompliziert werden.“
Das reicht. Klaus kommt weg von dort. Ohne Hindernisse. Er glaubt, das Wichtigste gerettet zu haben.
Bis ins Ultental wird Klaus nicht aufgehalten. Er hat seine Arbeitskleidung angelassen. Signal musste er keins setzen. Das Blaulicht hätte er schon benutzt im Ernstfall. Der Wohngemeinschaft wäre sicher Etwas eingefallen. Klaus hätte sofort dort bei Seppi angerufen.
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Strategieabstimmung
In der Boxerhütte berufen Monika und Toni eine Hauptversammlung ein. Die Abgeordneten der Senioren fahren mit dem Abstimmungsergebnis zu ihren Gruppen.
Ein Plan eins und ein Plan zwei wurden angenommen.
Plan Eins sieht vor, eine Gruppe vor dem Landtag zu platzieren. Die soll sich dann mit den jeweiligen Anreisen vergrößern.
Plan Zwei sieht vor, sich zentral zu treffen und mit einer Demo bis zum Landtag vor zu rücken.
Plan Eins soll als Warnung fungieren. Wenn es keine Regelungen und Verhandlungen gibt, soll sie Phase Zwei aktiviert werden. Damit soll auch der Nah – und Fernverkehr behindert oder lahm gelegt sein.
Die eingebrachten Spione fallen den Senioren bereits jetzt schon auf. Sie stellen unqualifizierte Fragen und verursachen damit reichlich Durcheinander. Toni will heraus bekommen, welches Altenheim die gewählt hat. Monika kommt bei der Suche schnell zu den Quellen. Die Damen- und Herrschaften kommen alle aus recht teuren, privat geführten Seniorenheimen. Das grenzt die Herkunft der Senioren schnell ein. Meist sind es ehemalige hohe Beamte oder Abgeordnete. Keiner kennt sie Leute richtig. Scheinbar waren die nie so richtig mit dem Volk verbunden. Eher mit Bankkonten und Sponsoren.
Bei Zweien fällt auf, die reisten mit dem Hubschrauber an. Der Rettungslandesplatz befindet sich in der Nähe der Boxerhütte.
„Die Spione nutzen wir gleich, um die Behörden in die falsche Richtung zu führen“, schlägt ein Sprecher vor.
„Wir wollen doch gerade die Anwesenheit der Behörden“, antwortet Monika. „Die wollen wissen, wer die Drahtzieher sind. Denen stellen sie nach.“
„Da haben die aber viel Arbeit. Wir sind recht Viele.“
„Ja schon. Dann können wir bald mit neuen Beschlüssen rechnen“, antwortet Toni.
„Was meinst du damit?“, fragt einer der Sprecher zurück.
„Ja. Die neuen Beschlüsse sind dann verdeckt gegen diese Sprecher gerichtet. Ich schätze, zusammen mit einer milden Gabe an die anderen. Einer Vergünstigung mit reichlich Bürokratie. Damit die später Keiner in Anspruch nimmt.“
„So in etwa, haben wir uns das auch überlegt.“
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„Unser Bündnis soll damit gebrochen werden“, schickt Toni nach.
„Dann werden wir sie eben in die falsche Richtung schicken“, sagt Paul. Er kommt gerade um die Lieferung abzuholen.
„Ich weiß nicht, ob das jetzt noch so einfach möglich ist“,entgegnet Toni.
„Wir müssen uns einen Plan zurecht legen. Ohne die Spione“, sagt Paul.
Langsam kommt die Gruppe an ihre Grenzen. Wie organisiere ich einen Widerstand an Spionen vorbei? Das ist die Frage. Haben wir alle Spione enttarnt? Das ist die zweite Frage.
Alle kommen ins Grübeln.
„Zunächst brauchen wir einen harten Kern“, sagt Paul. „Den Kern der Entscheidungsträger.“
„Naja. Langsam erinnert mich das an unseren Landtag“, sagt Toni. „So weit haben wir das nicht vor geplant.“
„Not macht erfinderisch. Wir müssen improvisieren“, stellt Paul fest.
„Ich habe es gefunden“, antwortet Monika. „Essen außer Haus.“
„Wir müssen mit Rolf, Klaus und Luis sprechen“, sagt Paul. „Die wohlhabenden Heimbewohner werden in ihrem Heim bekocht. Die Anderen, werden beliefert.“
„Ich rede noch mit Gabriel. Wir produzieren für ihn mit. Damit übernehmen wir unser Tal und den Vinschgau. Über Gabriel bekommen wir Kontakt zu seinen Fahrern. Gabriel selbst, wird auch nichts dagegen haben. Es geht praktisch auch um seine Eltern. Und dann funktioniert das Nachrichtensystem“, meint Monika.
Offensichtlich hat Monika ins Schwarze getroffen. Alle sind begeistert.
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Besetzung
der
Verpflegungspositionen
Alle verabreden sich zu einzelnen Gruppentreffen. Dort werden die Beschlüsse formuliert. Dann geht die Post ab auf dem verabredeten Weg.
Monika fährt zu Gabriel. Sie will ihn überzeugen. Gabriel organisiert das selbst. Seinen Fahrern traut er nicht Hundert prozentig. Das Anliegen ist ihm eine Ehrensache. Auch, weil er Monika immer noch liebt.
Monika geht ihn deswegen besuchen. Gabriel probiert einen alten Trick.
„Kannst du mal schauen, ob ich Alles da habe?“
Monika weiß natürlich, was er will. Gabriel gefällt ihr immer noch sehr. Nur mit der Liebe scheint es vorbei zu sein.
„Möchtest du mir die Unterhosen ausziehen? Oder soll ich es für dich tun?“
„Ich würde dich am liebsten unter der Dusche treffen.“
Monika gibt nach. Sie geht zuerst in die Garderobe. Sie weiß, Gabriel hat dort die Videokameras. Monika möchte Gabriel richtig scharf machen. Tatsächlich tut sie das. Gabriel nimmt ihren Striptease auf und kopiert sich den Streifen.
Es dauert nicht lange und Gabriel kommt zu Monika. Monika ist sich schon bewusst, Gabriel muss unbedingt gewonnen werden für das Vorhaben. Trotzdem versucht sie, nicht auf das Äußerste zu gehen.
Ihre Taktik geht auf. Gabriel kommt nackt mit eregierten Gemächt.
„Du bist ja ein richtiger Prachtjunge geworden“, säuselt Monika. Sie seift sich die Hände gut ein und reibt den Prachtkerl an seiner empfindlichste Stelle. Die kennt Monika noch von früher. Monika führt den kleinen Gabriel an ihren Unterleib. Der Unterleib ist im Moment etwas weich und leicht stachlig. Monika hat wegen ihrer Arbeit die Rasur etwas vernachlässgen müssen. Genau das war der Auslöser für das schnelle Ende des Liebeskontaktes.
„Oh. Ich muss ja direkt aufpassen. Ich will mir nicht das Genick zu brechen. Hier ist es gewaltig rutschig.“
Gabrie ärgert sich zwar etwas für die zu frühe Reaktion.
„Meine Frau lässt mich zur Zeit recht trocken stehen“, gesteht er.
„Was ist denn mit deiner Daniela?“
Daniela ist eine deutsche Touristin. Die hat Gabriel auf einem Volksfest kennen gelernt. Drei Wochen später waren die Zwei schon ein Paar. Daniela organisiert den Einkauf. Sie ist gerade auf einer Messe in Deutschland. Die dritte Woche. Wahrscheinlich hat sie ihre Schönheit für ein paar günstige Verträge eingesetzt. Schätzt Gabriel.
„Daniela ist auf einer Messe in Nürnberg.“
„Stellt ihr aus dort?“
„Nein. Wir brauchen etwas Technik und Geschirr.“
„Und dafür verhandelt Daniela so lange?“
„Daniela verhandelt immer sehr intensiv.“
„Lohnt sich das?“
„Nicht immer. Manchmal sehe ich Angebote erheblich preiswerter.“
„Wichtig ist, Daniel ist glücklich dabei. Sie scheint dich genau zu kennen“, lacht Monika. „Du stellst doch sicher noch jeder kurzen Schürze hinterher.“
Monika hat schon Recht. Er tut das wirklich. Sobald Gabriel zartes Fleisch entdeckt, will er es streicheln und prüfen. In letzter Zeit hat er wahrscheinlich nichts Zartes entdeckt.
„Deine Kühe stehen wohl alle trocken?“
„Die treffen sich schon ein paar Wochen lang zum gemeinsamen Singen. Das große Chortreffen liegt an. Sie möchten gewinnen.“
„Du verlierst dabei?“
„Nicht wirklich. Das Essen kommt von mir.“
„Naja. Dafür lohnt sich schon mal ein Schnellschuß.“
Monika freut sich darüber. Ihre Taktik ist aufgegangen. Gabriel wird das mitmachen.
„Gehen wir noch einen Wein trinken?“
Monika ruft Toni an.
„Hol mich bitte im Burghof ab. Ich trinke mit Gabriel einen Schoppen.“
Toni weiß schon bei der Ansage, sie hat Gabriel überredet. Oder soll er überzeugt sagen? Er kennt Monis Taktik zu genau.
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Im Burghof ist der Garten geöffnet. Kaum sitzen Gabriel und Moni, kommt Toni. Mit einer Flasche Wein in der Hand. Gabriel ist nicht schockiert.
„Ich habe eine Beerenauslese mit gebracht“, prahlt Toni.
Gabriel hatte auch Beerenauslese bestellt. Er wollte Monika etwas einseifen. Für den leichten Zugang zum rasierten Paradies. Bei der Videoaufnahme hatte er sich extra Appetit geholt. Auch bei dem angedeuteten Kontakt.
Nach der zweiten Flasche, erzählt er Toni ziemlich erregt von dem Stelldichein.
„Das war unser Plan“, versucht Toni ihn zu beruhigen. „Wir wollten sicher gehen, dich für uns zu gewinnen.“
„Das hätte auch ohne das Stelldichein funktioniert. Wegen meiner Eltern im Seniorenheim“
„Wie bekommen wir jetzt deine Erregung wieder in den Zaum?“, fragt Monika.
„Mit ein paar guten Grappa“, antwortet Gabriel spürbar lockerer. „Das hätte ich ahnen müssen bei der abgebrochenen Anmache.“
„Danach hättest du so und so nicht gekonnt.“
Alle lachen. Toni denkt dabei an den Gasthof Gigi bei dem dramatischen Familienfinale von Conny. Monika auch. Gedankenübertragung.
„Wir müssen uns jetzt die Methode der Nachrichtenübermittlung ausdenken. Die Fahrer dürfen es nicht merken. Nur der innere Kreis.
„Das bekommen wir schon hin“, versichert Gabriel.
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„Wir nehmen einen wieder verwendbaren kleinen Behälter. Damit können wir auch die Abstimmungen zurück zu mir und Paul übertragen.“
„Der Einfall ist genial!“, staunt Monika. „Ich hätte dich sogar mal kurz ran lassen können.“
Toni staunt etwas überrascht.
„Da war ich doch schon“, sagt Gabriel. „Danke für diesen sehr schönen Augenblick.“
Toni nimmt sein Herz in die Hand und klopft Gabriel auf die Schulter. „Du hast das wirklich verdient. Obwohl mich das schwer kränkt.“
Gabriel fühlt sich nicht besonders gequält von Schuldgefühlen. Er weiß jetzt, wie wichtig er ist für das Vorhaben. Der Abend sollte seiner Vorstellung nach, noch spannender werden. Wegen des Weinkonsums, kann Keiner nach Hause fahren. Er wünscht sich, sie gehen zusammen zu ihm nach Hause. Dort könnte er sich an Monika heran pirschen. Den Gedanken verwirft er aber nach dem Konsum der fünften Flasche Wein. Der Wirt bestellt ihnen ein Taxi. Einer seiner Söhne fährt. Der kann den Tarif, je nach Kundschaft, etwas anpassen. Einer der Lieferfahrer kann Toni am folgenden Tag wieder mitbringen. Monika wäre ihm zwar lieber, gesteht er. Monika muss aber absagen wegen der Arbeit.
Das Thema Gabriel wäre nun geklärt. Jetzt können sich die Senioren um die praktische Planung kümmern.
Der
alte Landesvater
stirbt unerwartet
Gustav, der alte Landesvater, stirbt unerwartet. Melinda ist sehr traurig. Vor allem aber, überrascht. Sie hätte nie den Eindruck bekommen, Gustav wäre schwach. Ihre Pflege hat Gustav ein neues Leben geschenkt. Melinda auch. Sie bekam endlich das Gefühl, wirklich gebraucht und geliebt zu werden. Ohne sich Sorgen um die Zukunft machen zu müssen. Gustav hat ehrlich an sie gedacht mit seinem Nachlass.
Gustavs Familie sieht das natürlich in einem anderen Licht. Man hat in gewisser Zuversicht, auch diesen oder jenen Kredit unterschrieben. Bevor ein Streit in der recht großen Familie Gustavs ausbricht, macht sich der Familienrat an die Arbeit, die Hinterlassenschaft gerecht aufzuteilen. Traditionell tun das in dem Fall die Väter. Nicht selten mit entsprechender Begleitung scharfer Getränke. Der Trauer wegen. Die Mütter neigen etwas zu übertriebenen Besitzansprüchen. Die werden erst bei Streitigkeiten eingesetzt. Die Jugend muss draußen bleiben.
In der Familie mehren sich die Stimmen, welche das natürliche Ableben ihres geliebten Vaters bezweifeln. Er galt als gesund und recht agil.
Die Familie trifft mit dem Gedanken auf Melinda. Wobei die Familie anfangs dazu neigte, Melinda verantwortlich zu sehen. Gute Freunde des Umfeldes bestätigten aber, Melinda hat Gustav vom Herzen geliebt und gepflegt. Melinda liebte auch die sehr anregenden und unterhaltsamen Gespräche mit Gustav. Gustav war für sie ein Mann von Welt mit einem großen Erfahrungsschatz. Sie arbeitet auch an einer Biografie des geliebten Mannes.
Aus der Sicht Monikas und Tonis, hätte die Frau trotz ihres Alters und Anspruches, kein Interesse am frühen Tod Gustavs. Es muss etwas Anderes dahinter stecken.
Die Familie und Melinda beantragen eine genaue Untersuchung. Marco, der Carabinieri wird gerufen von Toni. Weniger gerufen. Marco hat sich angeboten, die Zusammenhänge zu klären. Er kümmert sich auch um die vielen Sterbefälle in der Weißen Tulpe. Nicht nur dort. Das scheint ein landesweites Phänomen zu sein. Zumal auch sehr viele angebliche Selbstmorde zu untersuchen sind. Marco beklagt die Hilfe von zu wenig Kollegen. Die wurden teilweise sogar versetzt und abgerufen.
Seppi und Klaus wollen helfen, Licht hinters Dunkel zu bringen. Trotz bescheidener Möglichkeiten in Bezug zu Laboren. Beide greifen aber auf einen engagierten Freundeskreis zurück. Der kann entsprechende Untersuchungen durchführen. Auch das Labor der Carabinieri.
Im Volksmund breiten sich Gerüchte aus, die Spritzen wären die Ursache des Massensterbens. Seppi und Klaus sind sich nicht sicher. Sie geben eher einer falschen Behandlung die Hauptschuld. Einer überstürzten, brutalen Behandlung. Einer Medien dienlichen Behandlung. Dazu kommen neue praktische Bedrohungen. Keiner will in der modernen Medizin wirklich der Gesundheit der Patienten dienen. Sondern eher einem unbeflecktem Alibi. Man möchte bei Schäden oder Tod des Patienten ohne Klagen wegen Schadenersatz dastehen. Außerdem sind alle Mediziner von allen Seiten erpressbar. Kein leichter Stand für einen Doktor. Doktoren selbst, sind nicht in der Lage, die Zusammensetzung der Medikamente auf ihre Tauglichkeit zu prüfen. Das Ergebnis wird in der praktischen Anwendung gefunden und beurteilt. In der Beziehung sind Ärzte wehrlos. Sie müssen sich mit Kollegen austauschen, um die passende Behandlung zu finden. Das betrifft auch Medikamente und ihre Anwendung.
Das erprobte Verfahren wird aber schwer gestört. Durch äußere Einflüsse. Einflüsse, die von den Herstellern der Drogen und Medikamente kommen. Inklusive massiver Bestechungen. Und von einem System, das sich Marktwirtschaft und Gewinn nennt. Ausgerechnet beim Thema Gesundheit. Ihrem Beruf. Zumal Gesundheit ein Menschenrecht ist. Ärzte schwören sogar darauf.
In nahezu unendlichen Arbeitstagen wird der Mensch von sich aus geschwächt. Kommen noch Einflüsse wie Verkehr dazu, wird der Mensch nicht nur geschwächt, sondern bereits schwer verletzt. Die zwei Ärzte fragen sich jetzt, wer ist schuld. Die Medizin oder die grenzenlose Ausbeutung der arbeitenden Menschen.
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Rosi nahm dankend an. Nicht nur das. Sie kann sich jetzt aus nächster Nähe um ihre Mama kümmern. Auch noch für Lohn in einer festen Vollzeitanstellung. Paul hat daraus eine Festanstellung gemacht. Mit einem Schlag wird Rosis Familie aus der Not gezogen. Die unzähligen Kilometer an unbezahltem Arbeitsweg fallen endgültig weg. Auch die unzähligen Wege, sich einen Zuschuss von zwei Cent je Kilometer zu holen. Auf die Zahlung musste sie eh viele Jahre warten. Nachdem sie die Innenseite ihrer Unterhose offenbart hat. Mit dem Zuschuss wurde weder der Kraftstoff, die Abschreibung des gebrauchten Gegenstandes noch die Arbeitszeit bezahlt. Sie stützt damit den Arbeitgeber, der Rosi oft mit dem sechsten Auto über einhundert Tausend aus seiner Garage überholt. Mit einer handverlesenen Beifahrerin aus der Rezeption oder den Service.
„Das ist kein Schicksal“, versichert ihr Paul. „Das ist Alles so geplant.“
Der Vorstand des Betreibers des Altenheimes hat Evelin von ihrer Aufgabe entbunden. Der Ersatz steht schon im Büro. Marita. Sozialpädagogin. Rosi kennt Marita. Von der Weißen Tulpe her. Sie hat dort eine Zeit lang das Praktikum absolviert. Auch in anderen Einrichtungen der Gruppe. Marita ist für ihre strenge Kostenkontrolle bekannt. Nicht etwa im positiven Sinn. Im Volksmund gibt es darüber strittige Meinungen. Sie würde radikal die Arbeitszeiten dirigieren. Über das Arbeitspensum. Einige im Volk finden das gut. Das Pflegepersonal – nicht.
Marita bedauert den Abgang von Rosi. Deswegen besucht sie Rosi im Uriel. Paul bemerkt das und hält sich etwas raus aus der Geschichte. Er weiß, wie sich Rosi wehrt. Rosi zeigt Marita die kalte Schulter. Auch, nachdem Marita ihr einen Vollzeitjob anbot. Rosi stört sich schon an der Bezeichnung – Job.
„Wo haben sie studiert?“, fragt Rosi ganz trocken.
„In Wien.“
„Wir sind hier aber im Ultental.“
„Schon. Aber hier sind die Gesetze in etwa die gleichen.“
„Aha. Altenpflege nach Gesetz“, stellt Rosi trocken fest. „Dann ist es vielleicht besser, sie fragen Jene, welche die Gesetze schreiben. Die helfen ihnen ganz sicher.“
Marita begreift sofort.
„Trinken wir noch eine Kaffee zusammen?“, fragt Rosi.
„Gerne.“
Marita ist auch den Bewohnern nicht unbekannt. Die grüßen alle sehr freundlich und warm. Unter ihnen hat Marita einen recht guten Ruf.
„Bewerben sie sich bei uns hier?“
Sie lachen bei der Frage.
„Eine Pädagogin könnten wir schon gebrauchen bei uns“, mischt sich Paul ein. „Sie haben aber sicher andere Lohnvorstellungen als die, die wir ihnen bieten könnten.“
Paul sagt das nicht umsonst. Er weiß, welche Darlehen vermutlich Marita zu bedienen hat. Das Studium. Die Wohnung.
„Haben sie Kinder?“
„Bisher hatte ich keine Zeit dafür.“
„Es wird wohl eher das Geld sein“, fragt Paul bohrend.
„Das ist Privatsache“, sagt Marita kühl.
„Bei uns nicht! Wir wollen ihre Verpflichtungen kennen lernen.“
„Wenn sie es genau wissen wollen. In der Weißen Taube hat mir Agate ein Praktikum angeboten. Mein Studiendarlehen habe ich zurück stellen lassen für eine spätere Tilgung. Ich gehe noch etwas Bedienen. Dort kann ich etwas essen. Die Miete frisst mein gesamten Einkommen auf. In der weißen Tulpe kann ich wenigstens auch essen.“
„Bildung bringt Not statt Wohlstand“, bemerkt Paul. „Darf ich Du sagen? Ich bin Paul.“
„Marita. Bildung scheint eine reine Spekulation zu sein hierzulande.“
„Die soll nur so gehandhabt werden. Du wirst auf die Art erpresst. Mach das, was wir wollen.“
„So kommt mir das auch vor. Angeblich werden Pflegekräfte gesucht.“
„Billige Pflegekräfte. Wir haben hier Kolleginnen von dir. Denen geht es genau so. Wir erwirtschaften hier unsere Mittel selbst. Die Angehörigen unserer Bewohner helfen uns etwas. Vom Land kommt bisher nichts.“
Die Gespräche drehen sich anfangs immer wieder um das Gleiche. Nur anfangs. Später, wenn die Neuen eingearbeitet sind, lernen auch die den Betrieb besser kennen. Sie wachsen mit dem Betrieb und den Kollegen zusammen.
„Wir wären gut beraten, eine Genossenschaft zu gründen“, schlägt Toni vor. Eigentlich kommt der Gedanke von Monika. „Auf die Art, können wir auch die Kollegen anderer Altersheime als freie Mitglieder eintragen.“
„Mittlerweile begreife ich den wirtschaftlichen Hintergrund. Du willst so, andere Genossenschaften kapern? Verstehe ich das richtig?“
„Wenn unsere Mitglieder deren Genossenschaften dominieren, wäre das möglich“, entgegnet Toni.
„Ich weiß nicht, ob es klug ist, jetzt an Vergrößerungen zu denken“, wirft Carla ein.
„Das tun wir bereits, seit dem wir mit Kollegen aus anderen Altersheimen zusammen arbeiten.“
Gustavs Beisetzung findet in den Medien und Zeitungen statt. Nach langer schwerer Krankheit wäre er gestorben.
„Das stimmt nicht“, schimpft Melinda. „Das klingt, als wäre ich schuld an seinem Ableben. Die Untersuchung zeigt uns aber ganz andere Ergebnisse. Ich darf nichts dazu sagen. Mich fragt kein einziger Journalist.“
Den Mitbewohnern gibt das schwer zu Denken. Auch hier gewinnen die Spekulationen an Dominanz. Auch bei Gustav wurden Rückstände der falschen Medikamente gefunden. Sepp spekuliert über eine Kreuzreaktion. An die Daten selbst kommt er nicht mehr heran. Trotzdem hat er gute Beziehungen zu Laboren und deren Mitarbeiter. Dieser Kanal ist wichtiger als offizielle Kanäle. Die posaunen lediglich in totaler Abhängigkeit. Alles, was das Sprachband vorgibt.
Auch bei Gustav fanden sich Spuren von körperlicher Gewalt. Melinda kann das nicht gewesen sein. Sie liebte Gustav und pflegte ihn mit sämtlicher, echter weiblicher Liebe. Einer Seltenheit in den Kreisen.
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„Der Pathologe fand bei ihm Impfeinstiche. Drei Stiche. Er sagte mir, die Abgeordneten des Landtages werden nicht geimpft“, sagt Melinda.
„Vielleicht sahen sie in Gustav keinen Abgeordneten mehr?“, fragt Monika.
„Das kann nicht sein.“
„Ich würde sagen, die Weisung kam von Evelin. Alle Bewohner der Einrichtung müssen geimpft werden. Das hat der Landtag beschlossen“, sagte Toni.
„Du meinst, die haben Gustav gegen seinen Willen geimpft?“
„Die Spuren lassen den Schluss zu.“
„Das wäre dann Mord!“
„Das wird nicht leicht zu beweisen sein. Bei den Gegnern“, sagt Monika.
„Könnt ihr der Sache mal nachgehen“, fragt Melinda wiederholt.
Monika verspricht ihr das. „Leicht ist das nicht.
Die Frage ist, wer hat Gustav und letztendlich Hans geimpft? War es ein Arzt oder eine Schwester? Die Schwestern haben nach meinen bisherigen Kenntnissen das Impfen abgelehnt. Es muss ein Arzt gewesen sein“, sagt Monika.
„Wir haben aber weder bei Evelin noch bei Agate Einträge über Arztvisiten im Heim gefunden. Die haben das nicht protokolliert. Wir fragen noch einmal Magda und andere Kollegen des Pflegepersonals.“
„Der Arzt gegenüber von Seppi und Klaus impft fleißig“, sagt Toni. „Wir müssen heraus bekommen, ob der auch wo anders als in seiner Praxis geimpft hat.“
„Bei dem können wir schlecht nachsehen. An die Daten kommen wir nicht ran.“
„Und wenn; wir könnten die Ergebnisse nicht verwerten. Vor Gericht gilt das nicht.“
„Ich kann es versuchen“, sagt Klaus.
„Klaus wüsste, wo er nachschauen kann“, sagt Paul.
„Seine Kariere als Arzt wäre damit beendet“, wirft Monika ein.
„In dem System möchte ich kein Arzt mehr sein“, antwortet Klaus kühl.
„Naja. Zumindest kommst du oder Seppi unkontrolliert am Wachschutz vorbei. Mit einem Nachteil. Der Wachschutz weiß, wer ihn passiert hat.“
„Wir können nachschauen, ob wir das letzte Mal protokolliert wurden.“
„Das ist sehr schwer möglich. In die Praxis des Arztes kämen wir leichter“, antwortet Toni.
„Auf der Uferstraße stehen viele leichte Mädchen. Wir könnten mit ihnen den Wachschutz ablenken“, gibt Monika zu bedenken.
„Wieso hat Monika immer die besten Ideen?“, fragt Paul.
„Weil sie bei uns logisch Denken darf“, antwortet lachend Toni.
Alle müssen lachen.
„In diversen Einrichtungen ist Denken strengstens verboten“, sagt Berta und lacht dabei.
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Monika bricht mit Toni zusammen auf. Sie nehmen Veronika mit. Veronika und Monika kennen einige Freundinnen vom Strich. Die ihnen im Gigi und in den Sportclubs geholfen haben, Conny und seine Gang zu überführen. Die erklären sich sofort bereit zu helfen. Sie haben sich nicht impfen lassen und werden deswegen permanent belagert von Polizisten.
„Der Untergrund arbeitet zusammen“, bemerkt Toni lachend.
Zuerst treffen sie Nina. Nina steht schon seit der Mittagspause. „Zu der Zeit habe ich die meisten Kunden.“
„Kochst du ihnen etwas zu Essen?“, fragt Toni scherzend.
„Frische Muscheln“, antwortet Nina lachend. Die schönen weißen Zähne stechen zwischen dem recht dunklen Lippenstift hervor. Nina selbst ist natürlich gut gebräunt durch ihre Arbeit auf der Straße.
„Rede mal bitte mit deinen und unseren Freundinnen, ob sie uns helfen können. Wir müssen den Wachschutz ablenken.“
„Keine Angst. Die sind unsere Stammgäste. Wir bringen etwas Frischfleisch mit. Amelia und Milena. Schon gelingt uns das. Willst du die testen?“
„Ich kenne die Kolleginnen. Sie sind Zimmermädchen.“
Klaus und Seppi kommen unbemerkt rein. Beim Arzt gegenüber ist Alles dunkel und ruhig. Von Hauen steht an seinem Türschild.
„Wie scheint, lieben unsere Frauen das von des Namens besonders“, scherzt Klaus. „Das klingt so seriös.“
„Den seriösen Leuten stehen bei uns hier Tor und Tür offen“, scherzt Sepp zurück. In den Unterlagen finden die Zwei, was sie suchen. Der Arzt bekommt vom Verkauf der Substanzen der Firma: Hasenflink fast 20% seines Umsatzes. Und Prämien dazu. Er darf in seinem Urlaub fernöstliche Ganzkörpermassagen genießen. All inklusive.
„Wieso gerade Fernost?“, fragt Klaus.
„Das weißt du doch. Unsere Kollegen sind nicht besonders groß bestückt.“ Sepp zieht sich den eigenen Hosenbund etwas ab, um seine Aussage zu verdeutlichen. Klaus tut es ihm nach und schüttelt bedauernd seinen Kopf.
„Leider. Aber dafür haben wir wenigstens den ungehinderten Blick auf gut gewachsene Originale. “
„Und den gelegentlichen Umgang damit“, ergänzt Seppi schmunzelnd.
„Bei unseren Preisen für Medikamente, ist das ein Vermögen. Das übersteigt sogar das Gehalt eines Arztes um das Vielfache“, stellt Klaus fest.
„Dann ist das kein Wunder, wenn wir keinen Kollegen mehr ansprechen“, pflichtet Seppi bei. „Die haben uns zu Einzelhändlern in Kommission und zu Vertretern gemacht.“
„Erpressbar dazu. Wir zahlen die Miete und die Einrichtung unserer Praxis“, ergänzt Klaus. „Da klingt die angebliche Suche nach Ärzten wie ein Witz.“
„Naja. Wir Hausärzte haben diese Probleme mit den Praxen nicht. Unsere Praxen sind nicht mietfrei, aber eingerichtet“, gesteht Seppi.
„Ja schon. Der Druck kommt aber über die Mieten“, lacht Klaus.
„Sobald ein Mediziner in rechtlichen Sinn als Firma arbeitet, ist er kein Arzt mehr“, antwortet Seppi.
„Du bist doch nicht etwa ein Kommunist“, schlussfolgert Klaus. Seppi antwortet nicht. Wohl in dem Wissen, hierzulande wird das als Schimpfwort benutzt. Das wäre seiner Praxis sehr abträglich. Er will es nicht drauf ankommen lassen, das zu erproben. In seinen Kreisen würde ihn das bei jeder Diskussion von Vornherein ausschließen. Die Hetze gegen Kommunisten ist sehr tief verankert. Sie wird von Geburt an platziert und ziemlich nachhaltig mit Märchen gefüttert.
Fast wie Spione, fotografieren und kopieren sie Dokumente. Die Dokumente dienen eher der internen Benutzung im inneren Kreis der Ermittler. Die können so und so nicht veröffentlichte werden unter den aktuellen Bedingungen. Eher nach der Periode. Selbst das ist spekulativ. Beide Ärzte wissen nicht, was mit diesem Impfdiktat vorbereitet werden soll.
Mit den Funden kehren die zwei Ärzte zurück ins Uriel. Danach begeben sie sich zu Monika in die Boxerhütte.
„Ich frage mich, wie du beim ehemaligen Landesvater auf Mord kommst und bei den anderen Verstorbenen nicht“, fragt Seppi – Monika.
„Naja. Gustav wollte nicht geimpft werden“, antwortet Moni.
„Rosis Papa wollte auch nicht geimpft werden. Viele Andere auch nicht.“
„Damit wäre die Frage, was hat Gustav gewusst?“, folgert Toni.
„Mir geht es um etwas Anderes. Warum wird Gustav als Mensch betrachtet und alle Anderen nicht?“, fragt Seppi.
Ruhe zieht ein. Keiner will sich mit Seppi anlegen. Schon gar nicht, weil Seppis Frage berechtigt ist.
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„Zu mir kamen oft Patienten, die krank wurden wegen der kriminellen Erpressung. Sehr krank. Das Spektrum reicht von Hautkrankheiten bis hin zu psychischen Störungen.“
Alle sind sich einig, Seppi und Klaus sind ihre Ärzte. Die Ehrlichkeit überzeugt sie. Auch die Beschaffung der Beweise. Sie sind sich auch bewusst, das Verbrechen wird in ihren Lebzeiten nicht aufgeklärt. Die Täter kommen straffrei davon. Wenn sie es zulassen.
Die Kinder tilgen die Schulden ihrer Eltern. Sie werden niemals frei sein. Sie erben verlassene Werkstätten, Wohnungen, Betriebe, Hotels und Technik. Täglich stehen sie vor Gläubigern, die ihre Besitztümer plündern. Auch wegen der letzten drei Raten.
An der Not wird mehrmals gut verdient. Man spart Rente, Zuschüsse und Almosen. Das Dekameron lässt grüßen. Die Reichen feiern auswärts ihre schamlosen Partys. Ein paar Einstiche sind bei ihnen schon zu sehen. Aber sicher nicht vom angeblichen Grippeimpfstoff. Die Not macht die Hausfrauen gefügiger. Das öffnet die Tür für gewagte Experimente und völlig neue Horizonte. Beine breit für sechs Stunden Schwarzarbeit. Dem puren Sadismus wurden alle Türen geöffnet. Plötzlich hat Keiner mehr Angst vorm Tod.
„Hurra! Wir können einen Krieg beginnen“, jubeln die berauschten Sadisten des Dekameron wie aus einer Kehle. „Die Horden sind vorbereitet und gefügig genug. Gib ihnen eine minderwertige Waffe und die legen den um, den wir im zeigen.“
Seppi und Klaus zeigen Allen die Unterlagen vom Arzt – von Hauen. Auch Bilder. Plötzlich kann sich Jeder erinnern, den im Heim gesehen zu haben.
„Der ist kein Arzt von hier“, stellt Seppi fest.
„Wie scheint, haben wir uns das dritte Mal die Pest aus dem Norden importiert“, sagt Paul. „Was allein die Sprache ausmacht. Auch, wenn sie bisweilen mit anderen entfremdet wird.“
„Naja. So reinrassig waren wir noch nie. Jede durchziehende Herde hat hier Früchte hinterlassen“, lacht Frieda und schaut zu Doria. Rosis Mutter.
„Schau mich nicht so an“, antwortet Doria. „Deine Kinder sind alle von vorbei fahrenden Knechten.“
So unrecht hat Doria nicht. Friedas Mann – Stefan, arbeitete im Jahr zehn Monate außerhalb des Tales und Südtirols. Der Hof warf nicht genug ab. Er war nie zu Hause. Frieda konnte ihr Gut nur mit Hilfe von Knechten betreiben und halten. Die mussten auch bezahlt werden. Einen Teil brachte Stefan. Den anderen, Frieda. Mit Kost und Logis. Sonntags gab es Fleisch. Rosis Mama muss es wissen. Mama und Papa waren Knechte. In diesem Stand sieht man intime Notwendigkeiten aus einer völlig anderen Perspektive. Das Einzige, das ein Prolet verkaufen kann, ist sein Körper und seine Kraft.
„Bis Heute hat sich nicht sehr viel verändert“, sagt Monika. Alle im Kreis nicken zustimmend.
„Also, macht euch untereinander bitte keine Vorwürfe. Bis Hierher habt ihr das gut überstanden.“
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Bei den Vergleichen der Impfproben des Seniorenheimes mit den allgemein verwendeten Impfstoffen, fielen den Laboranten Fremdstoffe auf. Irgend Jemand muss die Substanzen in die versiegelten Impfkartuschen herein gebracht haben. Oder, die Kartuschen mit den Impfsubstanzen wurden manipuliert oder vertauscht. Das Siegel der Impfkartuschen würde damit gebrochen oder ganz neu angebracht. Keinem fiel das auf. Angeblich. In jedem Fall benötigt man dazu eine professionelle Ausrüstung. Die Altenheime haben die nicht. Apotheken auch nicht. Apotheken geben ihre Impfstoffe in Flaschen mit einem verschweißten Schraubverschluss und einem extra Siegel aus. Einwegkartuschen kommen von der Industrie.
Die Spur liegt offen vor Monika und Toni. Sie bemerkten sie aber nicht. Aus Unkenntnis.
„Wir müssen in Erfahrung bringen, ob der Impfstoff aus Flaschen oder Einwegkartuschen aufgezogen wurde“, sagt Monika.
Nach kurzen Ermittlungen stellen sie fest, die Patronen und Kartuschen kann Jeder befüllen. Ihre voreiligen Schlussfolgerung hätte sie in die Irre geführt. Die Spritznadeln sind auch Einweg. Die Frage wäre, wird die Nadel extra angesetzt oder kommt die Impfportion zusammen mit der Nadel.
„Wir fragen einfach unsere Geimpften“, stellt Toni fest.
Die Senioren des Heims konnten sich sehr gut erinnern. Die abgezählten Spritzen wurden mit der Nadel geliefert und vor Gebrauch geöffnet.
Erna kann sich aber erinnern, auch Impfungen mit frisch aufgezogener Spritze gesehen zu haben. Bei Wem die gespritzt wurden, weiß sie nicht sicher. Das müssen aber Impfungen am Schluss der Kampagne gewesen sein. Agate kann nur die Protokolle samt Eintrag suchen.
„Den recht genauen Durchblick hat eventuell Andrea.“
„Wir werden Andrea anrufen müssen.“
„Das ist nicht notwendig“, sagt Agate. „Andrea ist gerade im Gloria bei Marita.“
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Marita kann natürlich nicht auf Rosi verzichten. Rosi ist zu wertvoll für das Gloria. Ganz nebenbei beim Wischen und Staub polieren, fragt Rosi nach den Spritzen und dem Impfprotokoll. Jetzt lernt sie die gute Seite Maritas kennen. Marita hat den Tod von Rosis Papa nach der Impfung sehr bedauert. Taub ist sie nicht. Sie hört natürlich, was das Personal und der Volksmund spricht. Jedenfalls keine Lobeshymnen.
Tatsächlich hat sie die Impfprotokolle im Büro. In einem extra Ordner. Sehr übersichtlich. Sie soll in die Protokolle vermutliche Nebenwirkungen eintragen. Auch besondere Ereignisse im Zusammenhang mit Gesundheit, Tod, schweren Behinderungen und so weiter.
Sie empfindet das als Preisgabe empfindlicher Daten. Das scheint seit der Impfung neuer Standard zu werden. Die Protokolle werden wöchentlich übermittelt. Offensichtlich wollen die Hersteller und Vertreiber des Serums – Daten gewinnen. Auf die Art können sie sich auch bessere Argumente für die Nebenwirkungen zurecht legen.
Die Mahlzeiten dürfen nicht mehr nach der neuen Methode ausgegeben werden. Auch nicht auf Teller. Die Senioren essen jetzt alle aus den Aluminiumschalen. Das führt zu reichlich Unmut. Und zu mehr Gästen bei Klaus und im Uriel. Gleichzeitig führt das auch zu mehr Nachfrage nach Seniorenwohnungen. Der Großteil möchte das Heim verlassen.
Nach neuesten Erkenntnissen, sind jetzt Demonstrationen untersagt. Die Senioren beraten jetzt, ob sie den Anweisungen folgen oder nicht.
Auf den Weg zur Demo ist jetzt mit neuen Hinternissen zu rechnen. An jeder maßgeblichen Kreuzung oder an jedem Abzweig stehen Streifen.
Die Alten können sich sehr gut an den zweiten Weltkrieg erinnern. Als wären im Vergleich zu der Zeit, nur ein paar Ablösungen erfolgt an den Kontrollpunkten. Selbst die Sperreinrichtungen scheinen sich zu gleichen. Die Waffen, so und so.
„Unsere alten Schmugglerwege müssen wieder genutzt werden“, lacht Paul. „Zum Glück können wir die jetzt still und leise, elektrisch fahren.“
Alle lachen.
„Das konnten wir schon immer. Mit Pferden und Kühen“, sagt Erna. „Die Kühe und Schafe waren unsere besten Schmuggler. Die Pferde wurden beschlagnahmt. Gestohlen. Wir bekamen sie nicht wieder ersetzt.“
Paul fällt die Futterzeit der Tiere ein. Pünktlich zur Fütterung bewegen sich die Tiere zu den üblichen Futterstellen. Dort können die geschmuggelten Waren und Nachrichten übergeben werden. Die Schäferhunde übernehmen den Rest. Die führen ganze Herden pünktlich nach Hause.
„Das ist nur eine Möglichkeit, die Wachen zu umgehen und Nachrichten zu schicken.
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Das Radfahren ist erlaubt. Hier müssen uns jetzt die jungen Leute helfen. Die tun das sofort. Auch die Räder von Andreas helfen. Neuerdings fertigt Andreas auch Dreiräder mit Elektromotor. Die Rollstühle haben ihn auf die Idee gebracht. Andreas hat in einem englischen Film ein Dreirad auf Basis Fahrrad gesehen. Aber auch im Internet bei chinesischen Herstellern. Das hat ihn inspiriert.
Die Senioren des Uriel haben das Wunderwerk bereits Probe gefahren.
Chinesische Freunde in Italien haben das Projekt von Andreas bereits im Internet gesehen. Sie haben sich bei Andreas gemeldet und Hilfe versprochen. Die kam umgehend bei Andreas an. Dazu eine Delegation. Die Delegierten stellten fest, in Italien besteht dafür ein erhöhter Bedarf. Vor allem bei Paul und seiner Gruppe. Sie versprachen eine Partnerschaft.
„Komisch“, sagt Toni. „Wir bekommen eine Partnerschaft aus China. Nicht von hier.“
Tatsächlich sollte sich die Partnerschaft recht schnell als vorteilhaft erweisen. In erster Linie für Andreas und Paul. Elektromotoren und Akkumulatoren konnten die chinesischen Freunde recht preiswert schicken. Auch Feldtechnik.
Die Seniorengemeinschaft optimierte den Feldbau. Sie erreichten einen höheren Ertrag.
Bei der Gründungsversammlung der Genossenschaft – Uriel, waren die chinesischen Freunde zugegen. Andreas lud sie ein. Er ist schon ziemlich lange mit ihnen in Kontakt. Einige Produkte, die er einsetzt, werden von den chinesischen Freunden produziert. Trotzdem darf er die heimischen Erzeuger nicht vergessen. Die Chinesen mahnen ihm das immer wieder an. Die Entwicklung kommt bei der Zusammenarbeit von Produktion und Anwendung. Die Freunde wollen jetzt ansehen, wie sich ihre Produkte machen. Gleichzeitig suchen sie die Kontakte zu den Anwendern.
Die zwei kleinen Traktoren der Gemeinschaft kommen aus China. Sie sind Batterie betrieben. Die vier Handmaschinen laufen mit einem Verbrennungsmotor. Die chinesischen Erzeuger haben ein Modell in Batterieausführung mit.
„Das schenken wir ihnen. Probieren sie das Gerät aus. Berichten sie uns von ihren Erfahrungen.“
Paul lädt die zwei Vertreter ins Uriel ein Eleonore hat Zimmer frei. Die Zwei lassen sich überreden.
„Sie können ihre Nachrichten mit einer Brieftaube verschicken“, sagt Ding in gutem Deutsch.
„Brieftaube?“, fragt Paul. Andreas staunt noch mehr.
„Wir haben zwar Tauben und auch Brieftauben. Aber denen müssten wir erst die Strecke lernen.“
„Wir haben eine Brieftaube, der sie nichts lernen müssen“, antwortet Ding.
„Wir sind neugierig. Am besten, wir bringen sie zu Monika und Toni.“
„Wie komme ich zu ihnen?“
Andreas fährt mit Ding zu Monika zur Boxerhütte. Toni und Monika haben dort ihren Stützpunkt eingerichtet. Dort können sie sich mit Allen unbeobachtet treffen. Bis auf die Überflüge der Bergrettung und der Carabinieri. Die fliegen abwechselnd aller Stunden Patrouillen.
„Hier ist es schön und sehr ruhig“, sagt Ding als Kompliment zu Monika. „Ich würde mit Jong gern hier her ziehen. Netz haben sie?“
„Hier sind sie aber recht weit entfernt vom Schuss“, antwortet Monika.
„Wir handeln per Internet. Wir könnten auch am Nordpol campen. Wenn es da ein Netz gäbe.“
„Interessant“, muss Monika einräumen. „Was meinen sie mit Brieftauben?“
„Drohnen.“
„Das klingt noch interessanter“, räumt Monika ein. „Daran haben wir noch gar nicht gedacht.“
„Der Gebrauch von Drohnen ist aber meist verboten. Sicher auch hier.“
„Ja schon. Europaweit. Aber unsere Drohnen sind frei. Es sind Spielzeugdrohnen, die unter 250 Gramm wiegen.“
„Das sind dann die Brieftauben?“
„Ja sicher. Dazu schwer verfolgbar.“ Ding lacht etwas. Er hat zwei Exemplare in der Tasche.
„Wollt ihr die mal ausprobieren?“
„Wie bekomme ich die jetzt zu dem Ort, der angeflogen werden soll?“
„Dafür sind wir da. Wir programmieren das gleich mit und zeigen euch, wie das geht.“
„Wie weit fliegen die Drohnen?“
„Das sind reine Postdrohnen. Die können wir bis zu fünfzig Kilometer fliegen lassen.“
„Abfangen kann die Keiner?“
„Mit einem Gewehr schon. Elektronisch, nicht.“
„Wie sieht das mit Vögeln aus?“
„Dafür kann ich nicht garantieren. Ich kenne aber keinen Fall, bei dem ein Vogel die Drohne belästigt hätte.“
Auf einem Tablett markiert Ding die Boxerhütte. Das hat er unten im Uriel bei Paul bereits getan. Er übergibt die Daten an seine Brieftaube. Dort steckt er einen Brief in ein winziges Fach. Darauf steht: Herzliche Grüße zum Geburtstag. Er schickt die Brieftaube zu Paul. Die Brieftaube gibt am Fenster ein Signal. Keine zehn Minuten später ruft Paul an. „Danke für die Gratulation zum Geburtstag.“
Paul schickt die Drohne zurück.
Toni sagt, „die Drohnen sind vielleicht zusätzliche Hilfsmittel. Wir können aber auch verschlüsselt mit dem Handy Nachrichten austauschen.“
Ding verspricht, zehn Drohnen fertig zu stellen und zu programmieren. Er versteht die Drohnen als Spende. Die Gruppe soll die Drohnen testen. Ding braucht die Erkenntnisse vom Umgang damit. Er findet professionelle Tests unglaubwürdig. Wegen der weniger interessanten Routinen. Es geht Ding vor allem um Tests, die keine Profi tun würde.

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Profis führen Mustertests durch. Die nützen nichts bei dieser Drohne. Die soll bis an die Haustür liefern.
Die Probe bestätigt die Funktionen. Die Drohne legt sich vor die Tür und gibt Signal. Wenn sie nicht zu weit fliegen musste, tut sie das aller zehn Minuten. Die Empfänger wechseln den Akku und können sie sofort zurück schicken.
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Jetzt muss die Drohne noch nachts ausprobiert werden. Wenn sie das kann, ist die Nachrichtenübermittlung gesichert. Alle warten bei Kaffee, Kuchen und anschließendem Abendmahl auf die Dunkelheit. Eine Hausmusikgruppe der Senioren verkürzt die Wartezeit. Sie singen Lieder der vergangenen Zeit, die etwas Mut aufbauen.
In der Dunkelheit probieren sie drei Flüge. Daniel, der Computerprofi von Monikas Bekanntenkreis, Andreas und die chinesischen Freunde überwachen den Test. Sie schreiben sich Protokolle und Notizen.
„Wir haben Tag- und Nachtsicht in die Drohnen eingebaut“, sagt Ding. „Die eingebauten Kameras dienen nur der Orientierung. Wir möchten keine hochauflösenden Bilder schießen.“
„Alles nach Maß“, kommentiert Andreas begeistert die Beschreibung von Ding.
„Wir haben auch die Postwege zu den Vertretern der anderen Altersheime eingerichtet. Nicht in die Altersheime. Sondern zu ihnen privat nach Hause. Auch in der Nacht.“
Abschließend treffen sich die Senioren samt Jugend bei Monika auf der Hütte zum Heimatabend. Monika hat auch die leichten Damen der Uferstraße, Gabriel mit Daniela, den Pathologen Daniel und natürlich das nahe Umfeld eingeladen. Paul bedankt sich aufrichtig für die Hilfe der Außenstehenden.
„Wir werden jetzt einige Probestreiks durchführen. Die Gewerkschaft unterstützt uns dabei logistisch. Ich habe nur mit engen Vertrauten der Gewerkschaft gesprochen. Sie versichern uns strenge Diskretion.“
Toni hat ein Schwein am Spieß gegrillt.
„Ich hoffe, wir essen den letzten Ochsen des Landtages“, sagt Paul zweideutig. „Wir haben wegen der Verdaulichkeit ein zartes Schwein gewählt. Als Ersatz für den symbolischen Ochsen.“

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Der Protest
im
Landtag
Wie bereits abgesprochen, entsenden die Senioren jetzt Gruppen in den Landtag. Paul ist dabei als Sprecher. Zunächst als Zuschauer. Sie nehmen sich vor, die Debatten zu verfolgen und bei Gelegenheit ihr Veto deutlich zu machen.
In erster Linie wollen sie Aufklärung für die Diebstähle von ihrem Vermögen und die Wertgegenstände. Als nächsten Punkt wollen sie die Qualität der Mahlzeiten geklärt wissen. Die medizinische Versorgung wird hart angesprochen werden müssen. Vor allem wegen der Ausgangsverbote und der Zwangsimpfungen. Es geht ihnen auch um die Beipackzettel der verabreichten Medizin.
Schnell stellten sie fest, auf ihre Fragen antwortet Keiner. Im Gegenteil. Sie bekamen einen Platzverweis. Um da mit reden zu können, sollen sie sich eine Redeerlaubnis beschaffen. Das würde nur über einen Abgeordneten funktionieren. Leider gibt es für ältere Menschen keinen Abgeordneten mehr. Wobei die Älteren über Sechzig, fast ein Drittel der Südtiroler stellen. Sie stellen damit die größte geschlossene Altersgruppe Südtirols und haben tatsächlich nichts zu sagen. Obwohl sie opferreich das Land aufbauten. Eigentlich baut man sein Land, sein Grundstück, seinen Betrieb für die Jugend auf. Für die Nachfolger. In der menschlichen Absicht, die gemeinsame Zukunft seines Volkes zum Besseren zu entwickeln.
„Dahinter stehen für uns wirklich nationale Interessen. Zumal jedes Volk unterschiedlich schwere Bedingungen vorfindet. Ein Volk greift in die Erde und hat Alles was es braucht. Ein anderes Volk muss dafür ins Wasser gehen. Wieder Andere ins ewige Eis oder in den ewigen trockenen, heißen Sand. Jetzt könnten wir glauben, ein Volk, das im Boden Alles hat, wäre damit von Sorgen befreit. In diesem kriminellen System, ist das aber nicht der Fall. Gerade diese Völker werden von Kriminellen aus Europa und den Kolonien, pausenlos überfallen. Nicht selten dem Erdboden gleich gemacht und deren Bevölkerung ermordet, vergewaltigt und auf dem Sklavenmarkt gehandelt. Vor allem die Kinder des jeweiligen Volkes. Genau mit der gleichen Einstellung gehen die Täter gegen alte Leute vor. Gegen echte Erwachsene. Die sind eine Gefahr. Die wissen zu viel. Vom Kindergarten an, bekämpfen die Ausbeuter und Kriminellen das menschliche Wissen und deren Aneignung. Im Zeitalter, in dem Menschen Lesen, Rechnen und Schreiben beherrschen. Schon die Jüngsten werden in Abhängigkeiten versetzt. In Schulden, Verrat oder soziales Elend. Genau das, müssen sich die Älteren im Seniorenheim, wehrlos bei ihren Kindern und Enkeln anschauen. Wenn wir jetzt noch daran gehindert werden, unseren Kindern zu helfen, sieht die Gesellschaft als Ganzes nicht gut aus. Wir müssen das bei uns hier verhindern“, hält Paul eine recht langen Vortrag. Er hat seine Freunde berührt. Er hat sie geeint. Nicht ganz. Die Bewohner des Gloria sehen das etwas anders. So lange ihre Kinder und Enkel bezahlen können. So bald sie ihren Besitz beleihen müssen, ändert sich Etwas an ihrer Einstellung. Sie übergeben ihre Abhängigkeit an die nächste Generation. Für Gott und in dem Glauben, sie täten das für ihre Kinder. Die jungen Leute wissen sehr schnell, das ist ein Trugschluss. Eine Illusion.
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Zum Glück ist der Landtag überschaubar. Paul rechnet schon mit der Möglichkeit, einen gewissen Einfluss geltend machen zu können mit ihren Aktionen. Bisher kann er nicht sagen, wirklich wahr genommen zu werden.
Zunächst will er eine kleine Gruppe vor den Landtag entsenden. Monika und Toni sollen sie begleiten. Mit Kamera und Handy.
Er hat sich extra kleine Personenkameras bestellt. Die befestigt er versteckt an seiner und der Kleidung der Seniorengruppe. Die Kameras können sechs Stunden aufnehmen. Mit Ton.
Die Gruppe fährt in drei Autos zum Landtag. Sie gehen einzeln und in zweiter Gruppen zum Treffpunkt.
Eine Streife will Monikas Impfnachweis kontrollieren.
„Ich bin nicht geimpft“, sagt Monika. Sie stellt auch gleich Toni vor. Ihren Mann.
„Der ist auch nicht geimpft.“
Keine Antwort. Die Polizisten tragen Masken. Monika und Toni auch. Sie tragen die Masken, die Ärzte sonst tragen. Baumwolle. Die Bewohner der Urielgemeinschaft tragen nur diese Masken, wenn sie das Haus verlassen. Auch die gesamte Gruppe. Die Masken können sie waschen. Kochen.
In jedem Abfallbehälter der Gegend, liegen getragene Einwegmasken. Ungeschützt. Auch unter den Bänken, in Haltestellen und in den Grünanlagen der Stadt. Die Masken sollen die Ausbreitung der Krankheit verhindern und breiten sie aus. Fast wie die Impfungen, die versprochen wurden.
Arme Leute waren und sind außer Stande, sich einen Vorrat an Masken zu beschaffen. Einkaufen ohne Maske ist unmöglich. Auch der Besuch einer öffentlichen Toilette. Erinnerungen an die Erzählungen der großen Pest werden wach. An Pestprogrome. Bus und Bahn fahren ohne Maske – verboten. Nur Arbeiten nicht. Die Widersinnigkeit der Befehle werden sichtbar. Es scheint, die Befehle kommen aus einer Behinderteneinrichtung. Kein Mensch mit Verstand, kann das als ernst empfinden.
Schon gar keine Alten. Die Urielbewohner sind sich aber bewusst, Außenseiter zu sein.
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Die Meldungen und Aussagen in allen Nachrichtenformaten und Medien werden widerrufen. Versicherungspolicen werden ignoriert. Trotzdem werden die Beiträge erhoben. Sie verschwinden spurlos. Keiner gibt das Geld zurück. Verschworene Gemeinschaften bilden sich. Konglomerate des Raubes. Ungültige Zahlungsformulare werden massenhaft verschickt und sogar eingetrieben. Die Erziehungsberechtigten der Alten überweisen die Beträge. Offensichtlich sind Die ein Teil der Raubgemeinschaft.
Paul und seine Gruppe wollen das zur Anzeige bringen. Wenn nicht hier, dann bei einer anderen Institution. Auf alle Fälle mit reichlich Krawall. So lange, bis einflussreiche Medien das veröffentlichen. Ein langer Weg scheint vor ihnen zu stehen.
Capitano Silvio bietet sich an, eine Anzeige aufzunehmen. Eine Anzeige wegen Diebstahl von Schmuck und einer Uhr hat er bereits. Jetzt scheint es sich um organisierten Diebstahl zu handeln. Silvio ist sich sogar ziemlich sicher. Er beantragt bei der Staatsanwaltschaft, die Konten der Senioreneinrichtung als auch die aller Beschäftigten zu überprüfen. Zuerst jene Konten von Angestellten, die Kontakt zu Wertsachen und Geld haben. Magdalena und einige Pflegerinnen sind als Zeugen genannt. Sie werden bereits von der Staatsanwaltschaft befragt. Außerhalb des Heimes.
Paul sieht jetzt die Gelegenheit, ohne Genehmigungen, Proteste einleiten zu können.
Zufällig protestieren die Lastwagenfahrer und Transportunternehmer. Auch die Bauern mit ihren Landmaschinen. Die Senioren um Paul werden herzlich eingeladen. Alle Angehörigen der Senioren kommen auch zur Demonstration. Sämtliche Straßen und Zufahrten wurden versperrt. Keine Bahn und kein Bus fuhren. Wie beobachtet wurde, traf niemand im Landtag ein. Keiner wollte hinein und Keiner hinaus. Offensichtlich haben sich die Damen und Herren frei genommen.
Nach der Demonstration wurde beschlossen, alle Zahlungen an Alten- und Behindertenheime einzustellen. Das betrifft auch die Gloria.
Die ersten Demonstrationen beeindruckten Keinen. Es folgen keinerlei Reaktionen. Auch nicht seitens der Seniorenheime.
„Wir müssen strengere Maßnahmen ergreifen“, regt Paul an. „Wie scheint, können wir Die nur finanziell ansprechen.“
„Die holen sich das Geld trotzdem von unseren Konten“, sagt Frieda.
„Unser Geld muss weg von den Konten.“
Gesagt getan. Aber mit einem Mal scheint das nicht zu funktionieren.
„Wir müssen die Konten auflösen oder kündigen“, sagt Berta. „Zunächst sperren wir die Konten.“
Die meisten Senioren und ihre Angehörigen haben die Konten schon sperren lassen. Wegen fehlender Leistungen gegenüber den Heimbewohnern.
„Wir wenden uns jetzt an Medien außerhalb unseres Landes. Wir müssen von Außen den Druck aufbauen“, sagt Paul.
Das hatte er schon früher gefordert. Jetzt wird es notwendiger.
„Von Wo aus willst du den Widerstand aufbauen?“, fragt Carla.
„Vielleicht von Österreich oder Italien aus!“
„Wir müssten aber dort die Senioren ansprechen.“
„Die Kontakte habe ich schon aufgebaut“, antwortet Paul erleichtert. „Wir müssen sie nur rufen.“
Der Ruf findet das nötige Gehör. Anwälte und Richter melden sich. Sie raten Paul und der Gruppe, zunächst eine Anzeige wegen Diebstahl von privatem Eigentum zu setzen. Paul sagt, das sei bereits geschehen. Man wartet bereits auf die ersten Ergebnisse.
Die ersten Spuren
Toni und Monika könnten bereits Personen nennen. Sie ermitteln immer noch am Umfeld der Betrüger. Zwei allein können das nicht gewesen sein. Die zwei Zusätzlichen unter Verdacht, auch nicht. Es geht um den Verkauf des Diebesgutes. Daran arbeiten bereits Marco und seine Kollegen. Nicht besonders intensiv; aber sehr wirkungsvoll. Sie haben sich von Duplikaten einiger gestohlener Gegenstände, Fotos angefertigt. Mit den Fotos suchen sie, fast unbemerkt. Aktuell schauen sie auf Flohmärkten, in Anzeigen, bei Onlinehändlern und in Tauschbörsen. Daniel, der Hacker, hilft tatkräftig.
Er wird auch fündig.
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Bei Ebay. Daniel hat den Verkäufer ermittelt und das Marco mitgeteilt. Daraufhin schickt Marco – Monika und Toni zu Tobias. Tobias ist der Verkäufer.
Der Verkauf scheint gut zu laufen. Tobias fährt einen Sportwagen für über einhundert Tausend.
„Was bist du von Beruf“, fragt Toni ganz locker nach der Begrüßung. Die Begrüßung fiel nicht besonders herzlich aus. Eher etwas schüchtern gepaart mit einer versteckten Ablehnung.
„Ich studiere und arbeite auf freiwilliger Basis als Pflegehelfer.“
„Auch in der Weiße Tulpe und im Gloria in St. Klauben?“
„Eher selten.“
„Wann warst du dort das letzte Mal?“
„Vor drei oder vier Wochen.“
‚Der weiß das nicht genau?‘, denkt Toni.
„Von deinem Studiendarlehen kannst du dir einen Sportwagen kaufen?“, fragt Moni. „Wir könnten dann zusammen eine schöne Runde drehen.“
„Meine Eltern haben mir den geschenkt.“
„Achso. Du bekommst Studienbeihilfe und hast reiche Eltern?“, schiebt Toni nach.
„Ich lebe ja nicht mehr bei meinen Eltern.“
„Danke für deine Auskunft. Grüße deine Eltern von uns.“
Monika hat zusammen mit Toni bereits erfahren, was sie wissen wollten. Er lügt.
„Wir fahren zu den Eltern. Das ist gleich um die Ecke.“
Rita, die Mama von Tobias, steht am Fenster und sieht Monika kommen. Papa Anton führt gerade die Schafe auf eine frische Weide.
„Ist Etwas mit Tobias passiert?“, fragt Mama Rita.
Als wüsste sie, was Tobias tut.
„Schon. Aber das ist eine Vermutung. Tobias hat gestohlene Gegenstände verkauft.“
„Davon weiß ich nichts.“
„Hat er dir Etwas geschenkt? Letztes Weihnachten zum Beispiel.“
„Ja. Schaut euch das mal an.“
Sie gehen zusammen ins Haus. Rita holt eine Uhr aus dem Schrank. Eine Glashütte Original aus der DDR. Die hat eine Nummer. Monika fragt Rita, ob sie die Nummer überprüfen darf. Offensichtlich war Tobias die Uhr zu heiß. Gerade wegen der Nummer. Deswegen hat er Mama die Uhr geschenkt.
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Eins hat er aber nicht bedacht. Das Handwerk, in dem Schmuck manuell gefertigt wird. Das sind auch Einzelstücke. Oft speziell markiert. Die ließen sich finden. Wegen Gravuren oder speziellen Mustern, Formen und Größen zum Beispiel. Auch im Netz. Das ist die Arbeit von Daniel, dem Computerspezialisten. Monika muss ihn nur gelegentlich aufmuntern gehen. Seine Schönste hat ihn verlassen. Wegen Einsamkeit im Bett. Sie hat Daniel ausgerechnet mit einem Kraftfahrer verlassen. Nach der Hochzeit hat der sich als Fernfahrer beworben. Monika muss lachen. Vielleicht ist Die der Grund für die Bewerbung.
„Sie gehört zu den Frauen, deren Männer sich am liebsten im Keller oder der Garage eine Werkstatt einrichten.“
„War sie wirklich so schlimm?“, fragt Monika.
„Wie eine Sirene. Sie rief täglich um die zweihundert Mal meinen Namen.“
„Könnte das nicht Liebe gewesen sein?“
„Sicher. Aber in der Tonart…?“
„Ich verstehe. Soll ich dir mal Carmen und Amelia vorbei schicken?“
„Alle Zwei zusammen?“
„Naja. Viel Arbeit – viel Vergnügen.“
In Naturns und Marling leben zwei alte, erfahrene Goldschmiede. Die kennen sich aus mit den Gravuren. Deren Kinder führen die Geschäfte weiter. Zum Glück. Die zwei Kinder passen nicht nur wegen ihres Geschlechtes zusammen. Oder wegen des Berufes. Die befreundeten Mütter der Kinder hatten den Plan der Fusion schon in deren Namen verewigt. Adam und Eva. Die Partnersuche auf den Weg zur Reife war bereits mit eingeplant. Auch eventuelle Veränderungen in der Erbreihenfolge wegen kleiner Ausritte. Toni und Monika sprechen sich ab. Toni soll bei Eva ermitteln und Monika bei Adam. Bei Eva erfuhr Toni, Georg, der Papa von Adam, hat den Schmuck von Rita gefertigt. Tobias ging aus dem Grund zu Georg wegen der Bewertung seiner Beute. Georg kannte sich auch ziemlich umfassend bei den Besitzern der Beute aus. Oft musste er nicht lange überlegen. Der Verdacht liegt nahe, er hätte Prozente bekommen für die Bewertung.
Die Gräben sind oft nicht so tief, wie sie scheinen.
„Ich habe einen Katalog von den Besitzern des Schmuckes“, freut sich Georg darüber, helfen zu können. „Wie geht es Monika?“
Toni wundert sich etwas, wie gut Georg – Monika kennt.
„Für Monika habe ich auch einen Ring und ein paar Ohrringe gefertigt.“
Toni fragt nicht weiter, wer das bestellte und zahlte. Georg hat auch kein Interesse, das zu verraten.
Bei der Durchsicht des Kataloges fällt Toni auf, die Namen der Besitzer sind die gleichen geblieben. Offensichtlich hat Georg schon mit Ermittlungen gerechnet. Tobias scheint nirgends auf. Der Schmuck wird anonym.
Ein paar Funde passen zu den Einträgen im Katalog.
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„Uns interessiert eigentlich nur, Wer da alles mitgemacht hat.“
„Ich kenne nur Tobias. Ein-zwei Mal, war er mit seiner Freundin bei mir. Wegen eines Verlobungsringes.“
„Wer war die Freundin?, fragt Monika.
„Ich kenne sie mit dem Namen nicht. Sie war recht schön und gut gebaut. Du weißt, was ich meine.“
Georg zieht mit seinen Händen eine kreisähnliche Bewegung, wie man sie beim Anheben eines Sackes tut. Er winkelt dabei etwas die Knie an. Monika muss lachen. Toni überlegt noch. Meint er jetzt die Größe eines Arsches oder das Gewicht des gesamten Sackes. Genau das, fragt er Georg. Georg wird umgehend präziser. Er formt mit den Händen eine Figur, bei der selbst Rubens neidisch würde. Dazu zeigt er mit den Händen eine eher moderate Brust und einen recht großen Mund. Monika ahnt sofort, wen Georg meint. Angela. Die alte Chefin von der Weißen Tulpe. Das Lieblingsformat Toni’s. Jetzt wissen sie endlich, wo sie ansetzen können bei Tobias.
Nach einigen Verhören von Tobias stellt sich heraus, Angela bot auch das körperliche Lieblingsformat von Tobias. Wahrscheinlich auch das partnerschaftliche Format in finanzieller Hinsicht. Die kleinen erogenen Spielereien bildeten die Basis für die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Die scheint jetzt ein Ende gefunden zu haben. Monika ist zu Angela gefahren. Sie arbeitet jetzt in einem Altersheim in Algund. Agate hat ihr das gesagt. Sicher nicht ohne Hintergedanken. Agate hat das, was gerade herauskommt, befürchtet. Sie hat einige Gespräche der Bewohner belauscht. Die Bewohner haben darüber gesprochen. Daraufhin hat Agate versprochen, sich persönlich darum zu kümmern.
Monika und Toni fahren zusammen nach Algund zu Angela. Angela wurde von Jemand gewarnt. Sie hat sich verdrückt. Toni telefoniert mit Marco. Er soll die Aufnahmen der Straßenkameras durchsuchen. Und schon weiß er, wo sich Angela befindet. In Nals enden die Aufnahmen. Monika und Toni suchen also ab dem Punkt der letzten Aufnahme. Agate sagte Monika früher einmal, in Nals wohnt die Freundin von Angela. Die schöne Vela. Vela hat früher mal in der Weißen Tulpe gearbeitet. Als Migrant aus Albanien war sie immer auf freundschaftliche Kontakte angewiesen. Angela bot die ihr. Nicht ganz uneigennützig. Der Stress hat Angela auf die gleiche Seite menschlicher Beziehungen geworfen. Bei Männern fand sie nicht das benötigte Mitgefühl. Das männliche Lustgefühl fiel nicht mit dem Tagesrhythmus Angelas zusammen. Vela war in dieser Beziehung bedeutend anpassungsfähiger. Außer in einem Punkt. Die Zwei passten nicht zusammen in eine Duschkabine. Um so größer ist die gemeinsame Couch.
Angela ist zu Hause. Zusammen mit Vela. Vela kocht gerade das gemeinsame Essen.
„Ich habe euch erwartet“, gesteht Angela – Monika. „Etwas habe ich noch. Ich habe das Geld für unsere gemeinsame Wohnung benötigt.“
Angela hat sich von ihrem Mann getrennt. Wegen Vela. Ihr Mann hat ihr das Verhältnis ständig vorgeworfen. „Eine Einigung war mit ihm nicht möglich. Die Familie hat zu viel Einfluss auf ihn. Auch wegen des Erbes. Vela kam eher der Notdurft wegen in mein Leben. Ich war praktisch mittellos. Vela konnte das aber gut meistern. Ich nicht. Unser gemeinsames Gehalt sicherte uns aber ein bescheidenes Auskommen.“
„Marco wird dich verhaften. Hast du mit den Impfstoffen etwas getan?“
„Gott bewahre. Der Großteil unserer Mitbewohner im Heim liebten mich und ich sie. Meine Familie hat einen guten Ruf im Ort.“
„Woher hast du das Geld für diese Wohnung?“
„Ich habe es vom Heim genommen. Eigentlich wollte ich es zurück geben. Wir wollten kein Darlehen nehmen auf der Bank. Aus Angst, wenn etwas dazwischen kommt.“
„Du hast deinen Senioren also nichts gestohlen? Schmuck, Zuwendungen und so weiter?“
„Nein. Aber ich habe bei Tobias meinen Schmuck aus der Ehe mit Rainer versetzt. Tobias bot mir den höchsten Preis.“
„Offensichtlich wollte Tobias weiter unbehelligt stehlen im Heim“, sagt Monika zu Toni.
„Habt ihr ein diesbezügliches Abkommen ausgehandelt?“
„Nein. Aber Tobias war zwischenzeitlich mein Freund.“
„Naja. Näher fragen will ich erst mal nicht. Das macht eh Marco. Du weißt. Mit ihm hast du schon gesprochen.“
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Marco bekam schon beim ersten Interview mehr heraus als Toni und Monika. Die bisher unbewiesene Drohung mit der Verurteilung für Mord reichte. Nach dieser Aussage, könnte er Raub und Mord sogar beweisen. Ihm geht es um die Mittäter und Helfer. Es müssen mehr sein als gedacht.
„Ich sage, die Suche ist abgeschlossen. Angela und Evelin sind verhaftet worden. Auch Rainer und Tobias“, sagt Marco. „Die Täter fühlen sich jetzt in Sicherheit.“
Im Uriel werden die Erkenntnisse diskutiert. Monika hofft auf eine Spur zusätzlich.
„Wir stellen den Dieben eine Falle. Jetzt, da die wissen, wir suchen, müssen die sich aus dem Staub machen.“ Das sagt sie nicht der gesamten Gruppe. Nein. Nur Paul. Paul kennt die Personen, zu denen Monika absolutes Vertrauen haben kann.
„Wir haben jetzt von allen Schmuckstücken ein Foto geschossen. Jetzt müssen wir erfahren, welche Schmuckstücke noch im Besitz der Senioren sind.“
„Ah; ich verstehe“, sagt Paul.
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Die Falle besteht nicht aus einem Schmuckstück, sondern aus einem Dutzend. Nach dem großen Umzug zur Urielgemeinschaft, leben in den zwölf belegten Zimmern genau zwölf Senioren. Die Gruppe könnte die Falle sogar noch vergrößern. Mit noch mehr Schmuckstücken. Dazu haben die Senioren jetzt die Nummern ihrer Geldscheine markiert. Die Familienmitglieder bringen ihr Geld und ihre Zuschüsse nur noch in bar. Natürlich die Nummern der Scheine auch notiert. Sämtliche Überweisungen und Abbuchungen sind storniert worden. Zum Glück hat das Marco veranlasst. Auch für das Gloria. Dort läuft das in ähnlicher Form. Sobald Geld nur noch digital überwiesen wird, denkt Jeder, er würde verfolgt. Wird aber digitales Geld in bares verwandelt, endet die Verfolgbarkeit. Der Verteiler von digitalem Geld wird zwar gefunden. Der Anwender und Endverbraucher aber nicht. Marco beklagt den Zustand zu tiefst.
„Früher konnten wir Täter und Räuber wesentlich leichter fangen. Heute wird das fast schon unmöglich.“
Nach der Schlussfolgerung, bleibt ihnen nur der Weg der Bargeldverfolgung. In den Banken werden zwar von ausbezahltem Bargeld, Stichproben notiert und verfolgt. Das ist aber in dem Fall nicht genau genug. Die Ermittler benötigen die Überwachung jedes Scheines. Vom Kleinsten bis zum Größten. Sie gehen von einer hohen Streuung aus.
Das Projekt Uriel bekommt vom Land immer noch keinen Zuschuss. Das Gegenteil wird angewandt. Sie zahlen Steuern auf ihre Verkäufe und Einnahmen. Die Bewohner finden die Steuern zwar gerecht; aber die fehlenden Zuschüsse werden als grausame Ungerechtigkeit gesehen. Vor Allem wegen der Besteuerung von Spenden. Die Senioren beklagen laut, die steuerfreien Spenden für Kriegsverbrecher und deren tausende, Spenden sammelnden Unternehmen. Das wird beim kommenden Streik zum Thema werden. Das Land reagiert teilweise mit versteckten Repressalien. Darunter fallen Genehmigungswege, die ehe reinem endlosen Kreisverkehr ähneln als der Bearbeitung eines Antrages. Alte Menschen haben nur noch wenig Lebenszeit, um sich mit einen sich selbst ernährenden Bürokratismus zu quälen. Paul sagt, die Bürokraten verschiedener Ämter quälen sich untereinander in nahezu sadistischer Art auf dem Rücken der zahlenden Bevölkerung. Sie erzeugen einen Dschungel an Formularen, den selbst sie nicht ausfüllen können.
„Wie soll ein Gericht jetzt heraus finden, was Recht und Unrecht ist?“, fragt Paul. In keinem Formular findet er einen Ansatzpunkt. Eher eine Weiterleitung zu einem anderen Recht oder Artikel. Und das in einer Sprache, die wirklich kein denkendes Lebewesen als ein Gesetz erkennen würde. Die Auslegungsmöglichkeiten sind endlos.
Die Senioren beschließen, den Landtag zu besetzen. Bis ihre Forderungen erfüllt sind. Sie möchten das Uriel direkt finanzieren und von allen anderen Abgaben befreit werden. In allen Gesetzen, die sie kennen, wird die Altersvorsorge begünstigt. Nur ihre nicht. Warum? Es steht keine zusätzliche Person als Schutzgeldkassierer dabei. Die vermieten Etwas, das ihnen nicht gehört und für das sie nie gearbeitet haben. Selbst die Kinder, die ihren Eltern und Großeltern finanziell helfen, werden bis zu zwanzig Mal mit Steuern belegt. Die absolute Frechheit folgt, wenn die Senioren noch einmal besteuert werden.
„Wir sind kein Steuerparadies. Aber ein Schutzgeldparadies“, sagt Paul. „Das Schutzgeld kassiert nicht die Mafia, wie behauptet. Das kassieren unsere Amtsstuben.“
„Wir zahlten sechs Prozent Steuern in der DDR“, sagt Carla laut. „Die DDR – Ämter waren sicher besser organisiert als unsere hier. Ich musste dort niemals ein blödes Formular ausfüllen. Das taten unsere Betriebsbuchhalter. Die hatten sicher weniger Daten von uns als Die heute. Mit einem Unterschied. Die setzten unsere Daten ein, um uns zu helfen. Betrüger fielen allen Beamten und Bearbeitern sofort auf. Wegen klarer Gesetze.“
„Stimmt“, sagt Toni. „Ein Polizist hielt mich Letztens an. Ich hätte zu schnell überholt. Ich sagte, im Gesetz steht, ich habe so schnell wie möglich zu überholen. Wo steht das?, fragte mich der Polizist.“
Alle lachen. Sie wissen, Toni und Monika sind Motorradfahrer. Und gerade die, werden in den Medien pausenlos durch den Kakao gezogen. Eigentlich wären die Umweltschützer. Weil sie nicht in endlosen Schlangen von mehrspurigen Kraftwagen stehen, die nur wenige Personen befördern. Sie sparen Platz. Bringen Bewegungsfreiheit. Würden sich alle Südtiroler mit Autos bewegen, kämen die nie auf Arbeit an.
Monika bemerkt, die Senioren lassen ihr Leben Revue passieren. Es gibt viel zu tun in der Genossenschaft, die Fehler nicht neu zu begehen. Lange lebt es sich nicht mehr von Zuschüssen und Spenden. Ein Wirtschaftskonzept muss her. Ein verträgliches, das Senioren problemlos umsetzen können. Mit altersgerechter Bewegung. Vorschläge gibt es reichlich. Frieda und Lukas haben lange an einem Konzept gearbeitet in der Boxerhütte. Wenn sie bis jetzt als Ausgestoßene angesehen und behandelt werden, muss ihnen Etwas einfallen. Auf dem Feld und in der Werkstatt gelingt ihnen das bisher problemlos. Auch im sozialen Bereich.
Sie müssen Überschüsse erwirtschaften. Zeitungen, Bücher, Informationsmaterial, Karten, Rezepte und Vieles mehr. Eine neue Gesellschaft.
Die Diebe
werden entdeckt
Marco ist bedeutend weiter. Im Labor wurden die Substanzen extrahiert, mit denen die Morde begangen wurden. Fingerabdrücke und Genproben würden die Täter entlarven. Der Abgleich mit Kontenbewegungen bringt das Ausmaß zum Vorschein. Die Schuldzuweisung ist aber nicht möglich. Marco hat die Gegenproben noch nicht.
Woher kommen die Substanzen. Wer handelt damit? Das war die Schlüsselfrage. Marco hat das Labor ausfindig gemacht. Mit einer Spezialeinheit besetzt er das Gebäude und stellt alle Proben sicher. Täter wurden keine gefunden. Das Labor ist menschenleer.
Was haben Die getan? Sie haben die gleichen Impfkartuschen und Ampullen benutzt, wie die öffentlichen Auftragnehmer. Wie war das unbemerkt möglich? Kein einziger Beamter bemerkte den Unterschied. Weder in der Beschriftung noch bei der Verpackung. Selbst die Ärzte und Schwestern konnten keinen Unterschied feststellen. Es gab einfach zu viele Erzeuger. Keiner hatte wirklich den Überblick.
Die vielen privaten Erzeuger hatten unzählige Unternehmen als Zulieferer. Marco kann aber nur die verhaften, denen er eine Schuld nachweisen kann.
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„Wir müssten jetzt sämtliche Rechnungen und Überweisungen an die Firmen überprüfen. Damit ist noch nicht gesagt, ob die Rechnungen nicht gefälscht wären“, sagt Marco. Er schüttelt den Kopf. „Das dauert Jahre!“
„Gibt es einen anderen Weg?“, fragt Toni.
„Wir könnten uns auf die Lauer legen“. Ist Marcos Antwort. „Dafür müssten wir eine Falle legen. Etwa mit einer Falschmeldung. Wir hätten Spuren gefunden von den Giftmördern oder so ähnlich.“
„Wie wäre es zu sagen, Tobias hätte ausgepackt?“, fragt Monika.
„Es reicht zu sagen, das Land oder wir hätten das verlassene Haus gekauft“, sagt Paul.
„Geht nicht“, sagt Marco. „Das Gebäude war ein Labor. Es müssen erst Proben wegen der Umweltbelastung genommen werden.“
„Das ist doch die perfekte Erklärung. Also sind wir wieder am Anfang“, sagt Monika.
„Sind wir nicht. Wir haben unsere zwei Doktoren, Tobias und von Hauen samt seiner Praxis. Für mich steht fest, von Hauen hat das Labor benutzt.“
Die Konturen zeichnen sich immer sichtbarer ab.
Klaus, der Juniorarzt sagt, das Labor kann von Ärzten gemietet und benutzt werden. Von Hauen hätte aber ein Labor in seiner Praxis. Viel braucht es da nicht. Langsam begreift Monika. Toni scheint es eher begriffen zu haben.
„Kann man auch Einwegspritzen selbst füllen?“
„Natürlich. Wenn Keiner so richtig auf die Verpackung achtet, dann schon. Wenn er selbst als angeblicher Arzt spritzt, erübrigt sich die Frage. Kannst du dich an Mengelen erinnern?“
Die Senioren können sich alle erinnern. Meist verdrängen sie ihr Wissen. Oft wegen dem Mangel an Informationen. Ihnen wurde das weder in der Schule noch beim Studium besonders näher gebracht.
Insgesamt gestaltet sich die Aufklärung für Monika und Toni sehr schwierig. Auch sehr Zeit raubend. Gespickt mit sehr vielen Behinderungen auf allen Ebenen. Wichtige Dinge bleiben liegen. Und das schmerzt Monika besonders. Vor allem mit Blick auf Papa Lukas.
Das ganze Geschehen treibt Papa Lukas den Zorn ins Gesicht. Seine Gäste spüren das. Er wirkt etwas ruppig und ablehnend. Mama Frieda übernimmt deshalb die Bewirtung der Gäste am Ausschank. Lukas kümmert sich eher um die Tiere. Zur Ablenkung. Lukas hatte mit Frieda eigentlich geplant, sich nach der Übergabe an Toni und Monika ins örtliche Seniorenheim zu begeben. Er wollte Monika nicht bei der Bewirtung der Gäste behindern. Den Plan hatte ihm aber Toni bereits ausgeredet.
„Wir kümmern uns um euch“, sagte er sehr resolut. Dabei vergaß er leider seinen Terminplan. Der ist wegen seiner Nebentätigkeiten prall gefüllt. Oft reicht die Zeit nicht, amtlichen Verpflichtungen nachzukommen. Gerade in letzter Zeit häuft sich der Schriftverkehr aus dieser Richtung. Besonders wegen den Beherbergungen und der damit verbundenen Testpflicht wegen der Pandemie. Monika braucht dringend eine Bürohilfe. Sie regt an, die Bürohilfe bei den Senioren zu suchen. Wer bietet sich in erster Linie an? Clara. Toni soll mit Clara reden.
Toni bietet Clara an, auf die Boxerhütte zu ziehen. Frieda würde sie dort einarbeiten.
Clara hat reichlich Erfahrung im Büro und beim Schriftwechsel mit Beamten, Kunden und Gästen. Wie scheint, versteht sie Deren Sprache. Für Laien ist das oft nicht nachvollziehbar, was die schreiben. Vor allem dann, wenn Schreiben irrsinniger Weise mit Gesetzen und einzelnen Artikeln geschmückt werden. Das sieht Clara als sichtbaren Beleg für den Versuch, Verantwortung auf ein unbekanntes Objekt zu verlagern. Bürokratie ist ein wohl gepflegtes Instrument kapitalistischer Ausbeutung. Das lernte sie bereits in der Grundschule der DDR im Fach Staatsbürgerkunde. Gepaart mit dem Anliegen, die kapitalistische Bürokratie als Feind der Arbeiter zu betrachten. Die ist vorsätzlich so angelegt, um Ihnen das Maximum an Wegen und Formularen aufzuerlegen. Sie sollen einfach abgewimmelt werden oder in endlosen Warteschlangen verharren. Auf die Art sollen Sie freiwillig von ihrem Anliegen ablassen. Trotzdem es sich um eine einfache Erpressung handelt.
Clara nimmt die Stelle an. Die braucht sie auch. Sie bekommt als Migrant die Mindestrente. Sie muss sich die Mindestrenten dreier Länder zusammenstückeln. Auf diese Art kommt sie nie auf ihre volle Rente. Zum Glück, würde jetzt Toni sagen.
Der Büroplatz gibt ihr zu dem noch die Möglichkeit, den Generalstreik zu organisieren. Sie wird zum Hauptmann der Zentrale.
Clara liebt die Tiere des Hofes. Sie hilft Lukas auch bei den Fütterungen. Praktische Dinge wie Essen kochen und Putzen, sind nicht unbedingt Claras Stärken. In der Beziehung ergänzt sie Monika. Ihre Stärken liegen da, während sie im Büro eher Schwächen zeigt. Jetzt, mit Clara zusammen, lernt Monika auch diese Schwächen zu besiegen. Die Effizienz der Gruppe verbessert sich von Tag zu Tag.
Da Clara jetzt die Schaltzentrale führt, laufen bei ihr alle Erkenntnisse, Notizen und Schriftstücke zusammen. Auch die von Marco und seinen Kollegen samt der örtlichen Polizei. Monika und Toni hatten nie die Zeit, diese Erkenntnisse gebündelt zu betrachten. Vor allem die Protokolle der Aussagen bei Vernehmungen und Anhörungen sind bei Clara zu einer Art Forschungsprojekt geworden. Mit ihrer Routine sortiert sie die Fakten nach Zeit und Ort. Es bilden sich Umrisse, die gezielt erforscht werden müssen.
In Protokollen hat sie wichtige Hinweise gefunden. Von sämtlichen Impfungen wurden die Nummern der Spritze notiert. Auch, wem sie gespritzt wurden. Das scheint der Weg zu sein, den Toni und Monika gehen müssen.
„Besorge uns mal die Impfprotokolle“, sagt Monika zu Marco.
Marco nimmt das als Auftrag an. Er sieht darin ebenfalls eine Spur. Die haben sie vorher gar nicht so genau überprüft. Das erschien ihnen nebensächlich. Kurz darauf erscheint Marco bei Agate. Agate hat die Protokolle im Schreibtisch. Sie interessiert sich auch für die vielen unerwarteten Sterbefälle. Wegen ihres Rufes.
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In der Boxerhütte werden die Erkenntnisse diskutiert. Das Vorgehen muss abgestimmt werden. Marco und Werner von der Ortspolizei sind dabei. Zunächst müssen sie erfahren, wer hinter der Firma Hasenflink steht. Keiner glaubt wirklich daran, von Deutschland den Firmeneigentümer zu erfahren. Sie müssen hier nachfragen, wer die Filiale in Südtirol oder Italien angemeldet hat.
Die Nachfrage ergab das Ergebnis, von Hauen hat die Firma angemeldet. Als GmbH. Drei andere Personen sind aufgezählt. Tobias, Rainer und Angela sind Mitgründer. Die Anteile sind klar festgelegt.
„Die haben sich von Von Hauen mit einem Trinkgeld abfertigen lassen“, lacht Toni. „Blöder geht es nicht.“
Alle lachen.
Eigentlich sind für die Verfahren viele Beweise gesichert. Jetzt fehlt die Entschädigung. Den Alten nützt die Entschädigung wenig. Eigentlich geht es um das Geld, das den Kindern und Enkeln gestohlen wurde. Und um die Wertsachen, die sie normalerweise als ihre Erbschaft erwarten würden. Die Wenigsten haben vor, die Erbschaft zum jetzigen Zeitpunkt in Bares umzuwandeln. Sie wollen das eher für ihre Kinder aufsparen. Auch oft in Gedanken an ihre Leistung.
„An Beweisen fehlt jetzt nur noch der Großteil der gestohlenen Sachen“, sagt Marco. „Der Aufwand, die zu finden, ist enorm!“
„Ich denke,es fehlen noch gewisse Mitstreiter und Kumpane“, antwortet Toni. Toni glaubt, die unter den Händlern zu finden. Online. Er konnte Marco überzeugen. Er hat unter den Händlern gewisse Gemeinsamkeiten gefunden. Die lassen den Schluss zu, es mit Wenigen zu tun zu haben, die unter mehreren Namen verkaufen.
Marco verspricht mit Daniel, sich darum zu kümmern. Tatsächlich haben die Zwei bereits Spuren ausfindig gemacht. Die führen sie bereits in andere Seniorenheime. Marco ordnet keine Prüfungen an. Das würde die Täter aufschrecken.
Angesichts des Schadens, der allein in diesen zwei Heimen aufscheint, rechnet Marco mit einem grausigen Großbetrug. Die Aufklärung muss schrittweise erfolgen. Das gesamte System würde sonst Schaden nehmen.
Monika schlägt einen anderen Weg vor. Die Senioren und ihre Angehörigen müssen direkt handeln. Am besten, im Landtag selbst.
„Das System muss frei von Betrug werden. Spenden an die Heime selbst, werden verboten. Die staatlichen Zuwendungen werden pro Kopf und Einkommen geregelt. Die privaten Heime erhalten keine Zuwendungen mehr. Dort wurde das Meiste gestohlen. Nicht etwa von den Bedürftigen. Nein. Fast wie bei allen Subventionen und Zuschüssen. Die wurden grundsätzlich von den Kriminellen und ihren Kumpanen gestohlen, die sie lauthals ausreichen ließen. Selbstbedienung. Die geben sich sogar großzügig Lohnerhöhungen, wenn Jene, für diese regieren, massenhaft sterben. Als Erfolgsprämie. Das reicht eigentlich, um den ganzen Clan, der von dem Raubgut lebt, wegen organisierte Mord und dem Nießbrauch abzurechnen. Wir reden von Verbrechen.“
Die lange Rede hat sämtliche Zuhörer schwer beeindruckt.
„Wir müssen den Landtag besetzen, um dieses Schandmal zu beenden“, sagt Paul.
Die Besetzung
des
Landtages
Bei der Planung der Besetzung des Landtages sieht Keiner wirklich Probleme im Ablauf. Zumal sich ihnen Marco mit seinen Mannen und die Polizisten des Ulten angeschlossen haben. Nicht endlos und bedingungslos. Polizisten sind zwar wie Angestellte des Landes, kaum von den Rentendiebstahl betroffen. Außer im Gloria. Dort sind ihre Eltern. Aber, sie wollen ein Zeichen setzen und teilweise rabiate Zugriffe der Kollegen verhindern.
Der Ablauf steht fest. Man reist in kleinen Gruppen, per Auto, Bus und Bahn an. Manche lassen sich von ihren Kindern fahren. Das ist zwar schwierig. In Bozen ist es kaum möglich, einen Mitfahrer aussteigen zu lassen ohne in endlosen Hupkonzerten zu landen. Auf den rechten Spuren verkehren zudem die Zweiradfahrer. Ein kurzfristig haltendes Auto kann dort leicht einen Auffahrunfall verursachen. An den Straßenrändern ist viel zu wenig Platz. Die sind alle restlos zu geparkt. Tiefgaragen und freie Parkplätze sind viel zu teuer für Arbeiter. Selbst Touristen meiden diese Parkplätze, die sogar vor dem Krankenhaus erhebliche Gebühren verursachen können. Man scheut sich auch nicht, Kranke, Alte, Tote und deren Besucher zur Kasse zu zwingen. Not ist ein gutes Geschäft. Nur leider kriminell. Genau so kriminell, wie für Krankenbesucher reservierte Parkplätze zum touristischen Einkaufsbummel zu nutzen. In der Beziehung führen die Deutschen. Auch in Meran.
Marcos Leute durchsuchten im Altenheim St. Klausen, der Weißen Tulpe, den Abfall. Nicht irgend einen Abfall. Den Sondermüll. Sie spekulierten auf die Reste der Impfung. Besonders interessierten sie sich für die Spritzen und Einwegspritzen. Marco gab das als Befehl aus. Diese Abfälle wollte er im Labor besonders untersuchen lassen. Mittels der Impfnummern, wollte er die Rückstände finden. Er braucht Beweise. Seine Kollegen wurden fündig. Diese Mitteilung erreichte ihn telefonisch. Gerade, als sie sich dem Landtag näherten. Zusammen mit Paul und seiner Begleitung Erna.
„Ich übergebe euch meinen Kollegen. Die begleiten euch in den Landtag zu den Anderen. Ich habe wahrscheinlich einen Volltreffer bei unseren Ermittlungen gelandet. Ihr müsst mich entschuldigen.“
„Wenn es spannend wird, verdrücken sich die Granden“, sagt Erna zu Paul.
Erna ahnt nicht annähernd, wie hilfreich Marco in dem Moment ist.
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Vor dem Landtag steht ein Wachschutz. Vor einem öffentlichen Gebäude. Einem Volksgebäude. Die Senioren sollen ihre Ausweise zeigen.
„Sind sie Besucher?“
„Ja.“
„Alle?“
Pauls Gruppe kommt zu sechst.
„Wir schauen, ob Besucherplätze frei sind.“
Die nächsten drei Gruppen kommen. Monika und Toni sind dabei. Sie sind zehn.
„Besucherplätze sind noch frei“, sagt der Wachmann.
„Für uns auch?“, fragt Monika.
„Das bezweifle ich“, ist die Antwort. „Wir haben noch vier Plätze frei.“
„Das ist schade. Wir werden erheblich mehr.“
„Ich rufe gleich an.“
„Das wird nicht reichen. Wir lassen sie nicht.“
Der Wachmann wird etwas hektisch. Die anderen Senioren umgeben ihn bereits. Ziemlich eng.
„Wir möchten mit den Abgeordneten reden. Am besten, mit allen.“
„Zwei Wachmänner stehen noch vor dem Saal.“
„Na gut. Wir schicken die Carabinieri vor. Wir haben den Abgeordneten eine Anzeige vorzutragen.“
„Meine Eltern sind nicht zufällig dabei?“
„Schauen sie in die Runde. Vielleicht entdecken sie ihre Eltern.“
Der Empfangsraum hat sich inzwischen gefüllt. Ausweise müssen sie keine mehr zeigen. Der Kontrolleur hat seine Eltern samt Nachbarn entdeckt und redet mit ihnen ganz aufgeregt.
„Wie viele seid ihr denn?“
„Ein paar Hundert hier und vor dem Haus ein paar Tausend“, sagt Paul als Anführer.
„Hat euch die Polizei nicht aufgehalten?“
„Die Polizisten haben wir mitgebracht.“
„Na dann. Bitte folgt mir.“
Der Tag ist gut abgepasst. Der Plenarsaal sitzt voll. Vollversammlung. Zwei Abgeordnete sind krank. Marco hat den Tipp gegeben, wann Vollversammlung ist.
Die Senioren platzen gerade in einen Vortrag hinein. Wäre keine Vollversammlung, säßen hier einige Arbeitsgruppen. Marco konnte nicht in Erfahrung bringen, wann die Arbeitsgruppe – Soziales /Senioren tagt. So ist es den den Senioren auch lieber.
Neben Monika, Toni und den zwei Polizisten aus dem Ultental, kommt Agate überraschend mit. Sie hat den Zauber bisher satt.
Werner und Agate stellen sich vor das Mikrofon und verlesen die Ermittlungsergebnisse. Marco hat die ihnen mit gegeben. Dazu verlesen sie die Forderungen der Senioren und Familien, die sie in der Boxerhütte und im Uriel beschlossen haben.
Die Abgeordneten sitzen mit roten Köpfen auf ihrem Platz. Einige schämen sich sichtbar.
„Wir verlassen den Raum mit ihnen erst, wenn sie unsere Beschlüsse annehmen und bestätigen“, sagt Paul ganz trocken; unberührt erscheinend.
Die RAI des Landes filmt das unverdrossen komplett. In der Tagesschau soll das übertragen werden.
Monika nimmt sich ein Herz und liest die Forderungen noch einmal laut vor. Für das Fernsehen. In diesem Augenblick betritt Marco den Plenarsaal. Er bemerkt, wie einige Abgeordnete mit den Augen und Gesten versteckte Zechen in Richtung Kamera geben.
„Filmen sie ruhig weiter“, ruft er zu den Reportern. Er gibt aber an seine Mitstreiter ein Zeichen, selbst Alles zu filmen. Mit ihren Personenkameras und Handys.
„Wir haben Hinweise und Fakten, die Chargen der Impfstoffe sind vergiftet worden. Wir möchten sie auffordern, sämtliche Impfungen einzustellen und uns die Impfstoffe zur Untersuchung zu übergeben.“
Die Abgeordneten nicken.
„Wir gehen auch davon aus, sie können als 35 Abgeordnete unmöglich im Namen des Volkes sprechen“, sagt Paul fast schon zornig. „Bevor sie hier alle impfen möchten, sollten sie zuerst die Bewohner fragen. Das ginge eigentlich sehr einfach in unserem kleinen Land. Sie haben das vorsätzlich für ein paar Betriebe unterlassen.“
„Ja. In Italien wurde das beschlossen und wir mussten uns fügen“, kam als Antwort vom Präsidium. Nicht vom Landesvater.
„Das mussten sie nicht“, antwortet Toni. „Wir wären als Region nur unter Quarantäne gestellt worden. Aber so haben sie weiter kranke Touristen mit irgendwelchen erschwindelten Zeugnissen zu uns rein und uns anstecken lassen.“
Der Vorwurf klingt sehr böse. Toni und Monika wird gleich mit Verhaftung gedroht. Dafür ist aber Keiner da. Marco ist zugegen. Er lehnt das ab.
„Wie viele von ihnen sind geimpft?“, fragt Monika.
Keine Antwort.
„Welche Prämien haben sie bekommen, während unsere Familien gepfändet und bestohlen werden?“
Keine Antwort.
„Damit das uns hier klar ist: Wir bleiben mit ihnen hier so lange, bis sie uns Antworten geben.“
Monika bemerkt rege Versuche, unter dem Tisch zu telefonieren. Wen rufen Die an? Den schwarzen Block der NATO – Schlägertruppen aus dem Veneto? Oder den Chef von Marco? Die Alten verharren. Von Angst keine Spur. Nach diesem Scheiß – Leben, schon gar nicht. Was sollen ihre Enkel denken? Die rennen von einer Sozialmaßnahme zur anderen. Ohne Arbeit. Ohne Ziele. Ohne selbst verdientes Geld? Würdelos. Am Rockzipfel der Mutter. Zur Kriminalität erzogen vom Land. Was soll das?
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Jeden Tag Limousinen vor den Augen, die eine halbe Million und mehr kosten. Die Kinder müssen den Besitzern und ihren Huren in den Hintern kriechen. Deren widerlichen Dreck und Müll beseitigen. Die Mütter waschen restlos verkeimte, schlecht riechende Unterwäsche. Sie werden täglich mehrmals beleidigt und erniedrigt. Selbst die fremdsprachigen Huren, getarnt als Kinder – und Hausmädchen, behandeln sie hochnäsig und arrogant. Von Hygiene keine Spur und unpassend mit chemischer Tünche und dem dreihundert Dollar – Schweiß der Moschusochsen aus dem Schminkkoffer der Herrin beschmiert. Damit die Herrin nicht den regelmäßigen Kontakt mit dem Hausherren schnuppert. Obwohl die das ohnehin weiß und so beabsichtigt. Die interessiert nur das Geld und ein junger standhafter Beschäler.
Inzwischen haben mehrere Hundert das Plenum erreicht und stehen dort sehr gedrängt und rufen: „Gerechtigkeit“. Im Foyer stehen noch einmal Hunderte. Vor dem Landtag sammeln sich Tausende. Das Fernsehen nimmt Alles auf. In Folge der Übertragung, sammeln sich vor dem Platz und auf den Straßen die Einwohner Bozens. Die, einhundert Prozent und mehr gestiegenen Lebensmittelpreise haben die Bevölkerung eher begrenzt zu Demonstrationen animiert. Der Betrug an ihren Eltern und letztendlich an ihnen, hat bisher die zehnfache Menschenmenge auf die Straße getrieben. Wie scheint, reisen immer noch zahlreiche Einwohner anderer Städte an. Paul steht immer noch vor dem Mikrofon und liest seine Forderungen, lauthals – sich wiederholend, in die Ohren der Zuhörer.
In der Folge sammeln sich die Anzeigen aus anderen Alten- und Pflegeheimen des gesamten Landes. Die Plenarsitzung schwenkt um in eine Krisensitzung. Alle alten Fotos von geraubtem Schmuck, Uhren und Medaillen hoch. Andere zeigen Abbilder von großen Geldscheinen und ausgefüllten Schecks.
Die Abgeordneten sind sich unsicher, wie das für sie ausgeht. Wie gewohnt, sind die Mitglieder des Plenums von der allgemeinen Feigheit geplagt. Nicht mit dem Maul. Das veranlasst die Feigsten unter ihnen, in Vicenza die schnelle Eingreiftruppe zu alarmieren. Wohl in dem Wissen, wie die Genua aufräumten. Schwarz maskiert und ohne Skrupel. Wie Kapitalismus funktioniert; oder nicht. Raub funktioniert nur mit Gewalt.
Einige Abgeordnete ergreifen für die Anliegen der Senioren – Partei.
„Warum schmeißen wir dreckigen, dummen und frechen Gratis – Touristen das Geld vor die Füße und unseren Eltern nicht? Je mehr wir Denen gratis bieten, desto größer werden Deren Scheißhaufen. Die müssen wir auch noch teuer weg bringen. Zumal die Scheißhaufen aus teuren, minderwertigen Gammelfleisch – Importen bestehen.“
Marco kommt zu seinen Freunden.
„Ich kann euch jetzt nicht mehr begleiten. Meine Vorgesetzten haben Vicenza angerufen. Stehe ich jetzt bei euch, droht mir die Entlassung und vielleicht noch mehr. Das können wir Veronika und unseren Kindern nicht antun.“
Monika und Toni zeigen Verständnis für die Alten. Gerade in Achtung von Lukas und Frieda. Die haben Alles auf ihrer Alm aufgebaut. Das Regionale, das Typische und das Gastfreundliche. Sie verachten die Zerstörer ihrer Kultur und Freude. Sie können westdeutsche Touristen und ihre Art zu sprechen, einfach nicht mehr hören. Ihre Überheblichkeit kotzt sie an. Ihre Gastgeber zu Hause tun doch genau das, was Die wollen. Warum bleiben Die nicht zu Hause und terrorisieren uns und unsere Natur? Die fahren hier Ralleys und unsere Landsleute tot. Die pissen ihren Suff in unsere Seen. Die hetzen ihre Drecksköder auf unsere friedlichen Rinder und Schafe. Auf unsere Nahrung. Denen ihre rollenden Pisskübel, stehen in den Orten auf den Parkplätzen unserer Arbeiter. In Wäldern und Paßstraßen. In der Bahn und auf der Straße ist kein Platz für uns. Das ganze Jahr über geht das so. Unsere Krankenwagen kommen nicht mal durch und unsere Kliniken liegen voll mit diesen überheblichen Alleskönnern. Während wir verrecken. Gut. Das bringt unseren Kindern unterbezahlte Arbeit und spaltet die Gesellschaft. Wir zahlen den doppelten Preis. Überall. Vor allem im Alter. Wir werfen den fortschrittlichen Charakter unserer alpinen Gesellschaft weg. Den alpinen Sozialismus des Gemeinwohls. Einen Schritt vor der Vollendung.
„Das ist schade. Ausgerechnet wir müssen das noch erleben“, sagt Frieda. „Das ganze Land geht gratis Touristen helfen. Nur uns nicht im Seniorenheim. Da wird volle Kasse gemacht.“
Frieda erhält Applaus von den Zuhörern. Auch von der Mehrheit der Abgeordneten.
„Wir versprechen, das zu ändern“, sagt der Landeshauptmann.
„Wir wollen den Beschluss jetzt“, sagt Paul.
Die Massen rufen den gleichen Satz. Es scheint keinen Ausweg zu geben. Keine Ausreden. Nichts Wichtigeres.
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Zwischenzeitlich rücken bereits die maskierten Schlägertruppen aus Vicenza ein. Die Schläger sind aus der gesamten EU rekrutierte Kriminelle, die dort im Auftrag der EU Diktatoren, ihrem Gewerbe nachgehen. Zum Glück müssen die nichts rauben. Die sind bekannt dafür, auch diverse Schaufenster- und Autoinhalte zu plündern. Natürlich zur Gehaltsaufbesserung. Man könnte fast denken, die bekommen nichts für ihre Prügelattacken.
Die verteilen sich gerade auf der Rittner Straße und auch auf dem Silvius Magnago Platz. Sie reisen in neutral aussehenden Bussen und schwarzen Transportern an. Man könnte fast denken, auf dem Magnago-Platz sind die Rittner Festtage geplant. Es gibt aber einen Unterschied. Der Aufmarsch ähnelt eher Ritterfestspielen.
Die Crispistraße wollen sie inzwischen sperren für die neu eintreffenden Senioren. Die Senioren kennen sich aber aus dort. Die Schleichwege sind den Schlägern noch unbekannt und deswegen nicht gesperrt. Das soll sich in Kürze ändern. Offensichtlich ist den Initiatoren des Aufmarsches die Gesamtsituation nicht bewusst. Die Senioren haben neben den RAI – Angestellten, fünf und dreißig Abgeordnete als Geiseln. Wie aktuell scheint, kann man anders mit den Leuten nicht reden.
Werner, der Ultner Ortspolizist, bietet sich als Verhandlungsführer an. Er glaubt, sich mittels der Uniform vom Rest der Senioren, deutlich sichtbar, etwas abzuheben.
Rainer der Ortspolizist und Silvio, der Finanzcarabinieri, wollen Werner begleiten. Drei Uniformen werden besser wahrgenommen von der EU-Gestapo. Die Senioren auf dem Platz bilden eine Gasse. Die Drei können sich jetzt zu dem Bus bewegen, der scheinbar die Einsatzzentrale der Gestapo stellt. Die Tür öffnet sich und zwei Männer in schwarzen Uniformen treten den Dreien entgegen. Alle Senioren auf dem Platz verfolgen mit Augen und Ohren das Geschehen so gut sie können.
Der Gestapoführer aus Vicenza stellt sich vor.
„Hermann G.. Ich spreche Deutsch. Ich bin wegen Unruhen von ein paar Abgeordneten hier her gebeten worden.“
Werner antwortet: „Ich bin Gemeindepolizist aus dem Ultental. Wir sind hier, um mit unseren Südtiroler Abgeordneten zu reden. Wir benötigen keine EU für die Klärung Südtiroler Probleme, Herr Hermann. Wir werden auch von der RAI dabei gefilmt. Sie auch. Die Welt sieht uns gerade zu.“
Wie scheint, hat Hermann G. den deutlichen Hinweis verstanden. Er verabschiedet sich in den Bus. Dort telefoniert er recht laut. Werner und Silvio verstehen nur „Beschluss“ und „schriftlichen Befehl“. Danach hören sie die Befehle, den Platz und das Umfeld sofort zu räumen.
„Uns fehlt ein Befehl für diese Aktion“, sagt Hermann G..
„Irgendwer muss sie aber in Gang gesetzt haben“, antwortet Werner.
„Ich erfahre jetzt, das ist eine Übung“, entgegnet Hermann G.. „Unser General hat uns zurück geordert. Wir sollen nach Brescia. Da scheint ein Übermittlungsfehler vorgelegen zu haben.“
„Das glaub ich gerne. Bei dem deutschen Personal“, antwortet lachend Werner.
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Unsere Senioren haben einen Beschluss gefordert und inzwischen erreicht. Die Urielgemeinde bekommt die Förderungen. Das Gesetz für Altenheime wird erneuert. Nicht die Familien bezahlen die Kosten der Heime, sondern das Land in Form aller Südtiroler. Eltern haben schließlich Alle. Die privaten Altersheime erhalten lediglich die Personalkosten ersetzt in Form von Kosten. Selbst da bringt das erhebliche Erleichterungen für die Familien. Die Kosten müssen monatlich abgerechnet werden und sind voll abzugsfähig. Sowohl für die Familien als auch für die Heime. Also doppelt. Die Seniorenheime werden in den Gemeinden abgerechnet. Nicht mehr von irgendwelchen Stiftungen. Die Senioren geben das Verpflegungsgeld von ihrer Rente. Abzugsfähig. Sie dürfen ab jetzt selbst wählen. Ohne Vormundschaft. Stimmen von Vormundschaften sind ungültig. Wegen erpresserischer Einflussnahme.
Die Drohung mit den Söldnern der europäischen Eingreiftruppe ist ins Leere gelaufen. Die Mehrzahl der Senioren haben das nicht bemerkt. Nur Jene, die das Gebäude direkt belagerten. Die wunderten sich etwas über die Fremden. Ein Verdacht kam trotzdem nie auf. Obwohl ihre Gesundheit und auch ihr Leben bedroht waren. „Mit diesen Kreaturen ist kein Kirschenessen möglich. Die besitzen weder Ehre noch Skrupel“, sagt Werner. „Wir sind für Die, Fremde und Aufrührer.“
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Ziele teilweise
erreicht
Die Abgeordneten unterschreiben alle die Vereinbarungen mit den Senioren. Die Senioren schauen das als Vertrag an. Die Abgeordneten weniger. Sie halten an einer Anfechtbarkeit fest. Sie schützen sich teilweise mit der Behauptung, es gibt einen Etat, der eingehalten werden muss. Wichtig ist, dem Erreichten einen Gesetzescharakter zu geben. Das ist angesichts der italienischen Gesetzgebung nur regional umsetzbar.
Die Senioren ziehen mit den Unterschriften ab und lösen diese Demonstration auf. Alle gehen wieder nach Hause in ihre Heime und Wohngemeinschaften.
Toni und Monika sehen darin das System der Unterdrückung. Durch die Schaffung zusätzlicher Instanzen. Damit wird das Recht in mehrere Ränge unterteilt und die gesamte italienische Gemeinschaft mehrfach gespalten. Jetzt kommt neuerdings noch das europäische Recht dazu. Einer nochmaligen Spaltung der Gesellschaft in allen Mitgliedsändern. Ein Recht ist auf diesem Weg nicht durchsetzbar und durch neu geschaffene höhere Instanzen leicht zu beugen. Vor allem durch längere Wege bei Klagen und Widersprüchen.
Das können sie gemeinsam den Älteren schwer vermitteln. Paul sieht das ein.
Monika schlägt vor, mittels einer Genossenschaft ihre sozialen Forderungen durchzusetzen. Das tun sie bereits im Ultental. Jedoch fehlt bisher die finanzielle Unterstützung für die Genossenschaft.
Jetzt möchten Paul und die Alten der Urielgemeinschaft die Partnerschaft mit den Seniorenheimen des Tales. Danach soll sich diese Partnerschaft landesweit durchsetzen. Aus der Revolution wird eine Umgestaltung. Die dauert für gewöhnlich, bis sich eine Mehrheit bildet. Genau das, ist die Absicht der Diktatoren.
Seltsamerweise wurde die Reihenfolge bei der Impfung nicht umgesetzt. Es wurden nur die fünf und dreißig, angeblichen, Volksvertreter gehört. Nicht das Volk. Das ist also keine Demokratie, wie Viele meinen. Sondern eine indirekte Demokratie und damit keine. Das ist ein Diktat der angeblichen Volksvertreter. Keiner dieser Vertreter hat Gemeindebeschlüsse oder andere Wahlergebnisse vorzulegen. Vielleicht die von einigen Untergruppen und Expertenräten. Carla spricht von einer fehlenden Volkskammer. Dazu werden die volksfremden Kräfte mit Gehältern besoldet, die jegliche Arbeiternorm deutlich übertreffen. Sie sind damit keine Volksvertreter. Im Gegenteil. Sie sind bezahlte Propagandisten.
Ob sich das ein kleines Volkseüß„In einer Volkskammer ist das nicht üblich“, spricht Carla. Sie stellt einen Vergleich mit der DDR her. Hier kann sie das. Man hört ihr zu. Oft Kopf schüttelnd.
„Ich habe noch nichts von Seniorenvertretern gehört“, gesteht Paul. Wohl in der Absicht, das vergleichbare Gehalt dieser Position, würde praktisch den Bestand der Urielgemeinschaft und vieler Seniorengemeinschaften erheblich verbessern. Sie würden unabhängig von Spenden und Zuschüssen. Carla erkennt dort einen Weg zu einer echten Volkskammer. Paul sieht dort einen Selbstbedienungsladen, der wie das gesamte System, kriminell erscheint.
Zusätzlich fällt den Meisten auf, Südtirol wird nicht von einem Volk regiert sondern von dutzenden Räten mit absurden Löhnen. Und genau die, fehlen dem Volk.
Die Gruppen und Räte sind die Erfinder der unmöglichsten Gedankengänge. Jedoch war Keiner zu finden bei der Suche nach dem Gift in den Impfstoffen. Genau das beklagt Werner, der Ortspolizist.
„Die mussten nicht zur Impfung“, sagt er beiläufig aber kaum überhörbar.
„Uns haben Die fast in Einzelhaft gesteckt, wenn wir nicht geimpft werden wollten. Dabei waren die Geimpften krank und wir nicht“, sagt Erna zornig. Erna hat vorzeitig viele ihrer besten Freunde verloren. Das wirft sie den Verantwortlichen vor. „Die sind Schuld an unserem Leid!“
Da der Großteil der Räte und Politiker aus Rechtsverdrehern besteht, reden Carla und mittlerweile viele Mitglieder der Urielgemeinschaft von einer Diktatur. Trotzdem sich die Südtiroler dem gegenüber scheinbar sehr gelassen zeigen. Mit einem Stolz, der in Anbetracht der Erkenntnisse, eher unangebracht scheint.
Die Seniorengemeinschaft nimmt das als Ansporn. Ein Leben lang durften sie sich So und So in einer Art – Opposition bewegen und leben.
Jeder für sich. Kein Volk. Von Einheit keine Spur. Allein und beraubt; auch im Alter.
Agate vom Seniorenheim Weiße Tulpe ist zugegen. Sie strebt eine Partnerschaft mit der Urielgemeinschaft an. Auch mit der Boxerhütte. Rosi hat sie ganz nebenbei von den Aktivitäten informiert. Sie war auch bei der Seniorendemo in Bozen dabei. Agate fällt die Altersarmut besonders auf. Die ist ihren Aussagen zu Folge, deutlich gestiegen.
„Eine Führungsschicht, die selbst nichts herstellen und von fremden Geld leben, rauben uns aus!“, ruft sie zornig. Erna hat sie angesteckt mit ihrem roten Kopf.
Wut lässt die Köpfe der Unterdrückten rot werden. Deshalb werden sie als Rote bezeichnet und teilweise schwer verleumdet. Auch, wegen des endlosen Verlustes von Milliarden Litern wertvollen Blutes.
„Das ist organisierter Raub“, sagt Toni. „Eine kriminelle Clique ist am Werk und zerstört unseren Weg zum alpinen Sozialismus.“
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