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Willi – Fortsetzung

Ostmigranten
Ein QR-Code mit schwarz-weißer Musterung.

Bei den Ermittlungen wird festgestellt, die Munition war keinesfalls die, welche von den Sowjets benutzt wird. Es handelt sich um deutsche Munition, die von den Nazis eingesetzt wurde. Es muss sich um gelagerte Munition handeln. Die sowjetischen Befreier suchten bereits überall nach diesen alten Beständen. Sie sind sich sicher, es gibt noch Verstecke mit großen Beständen. Die waren und sind für Umsturzversuche vorgesehen. Die Sowjets sind bestrebt, die Schläferzellen der Faschisten zu finden. Tatsächlich existieren die noch ziemlich zahlreich nach aktuellen Erkenntnissen.

Damit sind sowohl Willi, seine Kinder als auch Karla in Gefahr. Fedja erklärt das Willis Familie in recht gutem Deutsch. Missverständnisse sind ausgeschlossen.

„Es tut mir sehr leid. Aber wir müssen das Umfeld der Attentäter genau erkunden. Max und Hermine sind eingeschlossen. Das wird etwas belastend wirken auf deine Familie.“

Karla ist besorgt um Karl und Willi. Max und Hermine geraden auch unter Beobachtung. Selbst das Gasthaus wird jetzt von zivilen Streifen besucht. Die geben sich als Gäste und Stammgäste aus.

„Was sollen wir tun?“, fragt Max Willi.

Hermine fängt an, über die Russen zu schimpfen.

„Die lassen uns nie in Ruhe!“

Karla muss sich einmischen.

„Zunächst haben wir die Russen nicht in Ruhe gelassen. Die hier, wollen uns helfen, wieder Menschen zu werden.“

Die Zurechtweisung scheint geholfen zu haben. Der Streit muss innerhalb der Familie ausgefochten werden.

„Wir sind gute Handwerker. Die Sowjets helfen uns. Die Kasse stimmt. Die Zahlungen kommen pünktlich. Wir sind ihnen gegenüber zu Dank verpflichtet. Ihr wollt doch sicher nicht ehrlos werden? Dann solltet ihr in den Westen gehen. So lange das möglich ist, bitte“, sagt Willi.

„Wir haben schon auch Herbert bei uns am Stammtisch getroffen. Auch Detlef. Detlef hat uns vom Westen erzählt“, entgegnet Max. „Das hat mir sicher weiter geholfen. Ich rede darüber noch einmal mit Hermine.“

Hermine tat sich anfangs sehr schwer mit ihrer Meinung. Wenn Probleme auftraten, wollte sie immer in den Westen. Sie stellte sich den Westen als ein Paradies vor. Viele ihrer Bekannten schickten Post oder kamen sogar mit kleinen Geschenken vorbei. Keinem bleibt verborgen, wie die vom Westen redeten. Dabei verschenkten Die ausnahmslos Geschenke, die ihnen von den Altfaschisten der Bundesrepublik geschenkt wurden. Vom Herzen kam da schon mal nichts. Die wollten mit dieser Methode, Bürger der DDR zum Verrat bewegen. Kaum im Westen angekommen, setzte deren Erpressung ein. Das Willkommen muss man sich verdienen. Zuerst Verrat, dann Brot. Als Ausrede kam dann von den Auswanderern der Satz beim Besuch der Angehörigen im Osten:

“Wir haben Denen die Taschen voll gehauen.“

Als wüssten die Gastgeber nicht, was wahr und erfunden ist. Das taten übrigens alle Flüchtlinge, egal woher die kamen. Von wegen Freiheit.

In der DDR kann man mit Tatsachen umgehen. Detlef kann das bestätigen.

„Nicht umsonst haben DDR-Behörden die Rückkehrer eingesperrt. Die Auswanderer waren zu einhundert Prozent – Verräter. Vermutete der SMAD grundsätzlich. Natürlich versuchten wir, die Rückkehrer auch auszuhorchen. Die, welche uns nichts sagten, haben wir eben etwas länger schwitzen lassen.“

Detlef erzählte das später aus reiner Überzeugung mit der entsprechenden Erfahrung.

Die hat teilweise gewirkt bei Hermine. Max hingegen, sah in Kommunisten das Übel schlecht hin. Er traute ihnen keine Fähigkeiten in wirtschaftlicher Beziehung zu. Die Nazischule saß sehr tief. Die ersten Jahre in der DDR überzeugten ihn vom Gegenteil. Seit dem war er bemüht, zu helfen. Trotzdem gewann er den Eindruck, Keiner würde die Hilfe wirklich suchen oder benötigen. Detlef klärte ihn auf.

„Die Genossen registrieren jeden Vorschlag. Wir diskutieren das eifrig in der Parteigruppe.“

Die Ermittlungen zum Tod von Maxim zeigen erste Ergebnisse. Die Gruppe ist hauptsächlich mit dem Diebstahl wertvoller Kunstgegenstände beschäftigt. Nicht nur das. Erfindungen und Lizenzen haben es ihnen angetan. Fast jede Woche brennt ein Heuschober.

Maxim war 1953 der Ansicht, ein Umsturz wird vorbereitet. Tausende Westagenten, mordend und teilweise schwer bewaffnet, hatten für den neuen Versuch landesweit Waffennester angelegt. Sie nutzten auch Waffennester der Nazis, die vorsorglich für den Rückzug angelegt wurden. Die wurden gepflegt und teilweise ergänzt. Maxim notierte die Namen. Fotografierte und archivierte den Personenkreis. Teilweise mussten umfangreiche Forschungen angestellt werden, um Personen zu entlarven und zu klassifizieren.

„Bei uns gibt es einen oder mehrere Verräter“, stellte darauf hin Maxim und jetzt Fedja fest. Fedja bittet Karla und Willi um Mitarbeit.

„Wir bauen gerade eine innere Abwehr hier in der DDR auf. Eine deutsche Staatssicherheit. Die integrieren wir vorerst in die Volkspolizei. Später wird das eine Spezialeinheit. Hier ist das dringend nötig. Die DDR – Bürger bekommen sonst keine Ruhe mehr. Die Westfaschisten hassen Menschen. Besonders freie Arbeiter und Bauern. Die wollen dringend das zurück, was die im Krieg verloren haben.“

Karla nimmt den Auftrag an. Willi ist noch etwas zurückhaltend. Er steht aber hinter Karla. Fedja wird beauftragt, besonders auf Karl zu achten. Fedja organisiert das zusammen mit sechs seiner Kollegen.

Detlef wurde zum Leiter des Kreiskommandos der Volkspolizei befördert. Er war zuständig für die Zusammenarbeit mit der KVD; der kasernierten Volkspolizei.

„Wir haben jetzt eingeschlossenes System der inneren Abwehr“, verspricht Detlef stolz Karla. „Wir wünschen uns natürlich die enge Zusammenarbeit mit der Bevölkerung. Die muss noch fester und entwickelt werden. Das tun wir regelmäßig bei dir im Gasthaus.“

Willi möchte jetzt auch das Personalessen der örtlichen LPG übernehmen. Karla warnt.

„Das ist zu viel für uns.“

Fedja rät ihm davon ab. Er käme sonst seinen Pflichten nicht nach.

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One response to “Willi – Fortsetzung”

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