
Die Hochzeitsfeier sollte gleichzeitig zur Trauerfeier werden. Gustav ist gestorben. Die Aufregung oder gar die Vorfreude, haben gewonnen. Die Erlösung kam zum Glück nicht im Schmerz, sondern im glücklichen Ende eines Leidensweges. Helene setzte Herberts Hochzeit erst mal aus. Für die Trauerzeit. Trotzdem muss jetzt der Nachfolger bestimmt werden. Wie erwartet, wird das Herbert.
Eine Woche nach Gustavs Himmelsgang stand eine Lehrerin aus Dresden vor der Tür.
„Bei meinem letzten Einsatz hier, bin ich schwanger geworden“, vermeldet sie frisch auftretend.
Helene machte den Eindruck, als würde sie Gustav sofort folgen.
„Von Wem denn?“
Hubertus wird Knallrot. Helene zeigt auf ihn.
Herbert muss lachen.
„Der Stille.“
Hubertus stellt Irma vor. Das Glück wäre beim Tabak auffädeln passiert.
„Ich studiere gerade Lehrer. Für Deutsch und Russisch. Mein Name ist Irma.“
Helene lässt sich nicht Lumpen. Gustav muss ersetzt werden.
„Willkommen in unserer Familie.“
Christa freut sich auch. Mit Hintergedanken.
„Wir könnten einen Ortspolizisten gebrauchen. Ich rede mal mit Detlef. Vielleicht kann er dir den Posten versorgen.“
Hubertus hat eigentlich etwas Anderes vor, willigt aber ein.
Hubertus heiratet Irma. Die Hochzeit wird auch von den Nachbarn bejubelt. Dabei eröffnet Christa ihren Plan.
„Du spielst doch Geige. Und das nicht schlecht. Ich habe dir eine Geige gegen eine Schweinekeule getauscht.“
Hubertus begutachtet den Kauf. Spielt ein – zwei herrliche Lieder darauf. Die Familie ist begeistert. Ohne den wahren Wert dieser Geige zu begreifen.
„Ich habe noch eine Überraschung für dich. Bei den Dresdner Philharmonikern sind wegen des Krieges ein paar Plätze frei geworden. Du kannst dort Geiger werden.“
Hubertus kann nicht ablehnen. Christa hat ihm die Sprache verschlagen mit ihrer Initiative. In seinen Gedanken träumt er von mehr. Von einer Karriere im Westen für viel Geld. Er hatte Kontakt mit Nachbarn, die ihn grüßen. Sie sind gerade zu Hause und wollen komplett in den Westen umziehen.
„Wir haben die Erlaubnis bekommen, den Sektor wechseln zu dürfen.“
„Was? Dafür braucht man schon eine Erlaubnis?“
„Ja. Die registrieren jetzt jede Bewegung. Man muss sich hier abmelden und im neuen Wohnort anmelden.“
„Die deutsche Bürokratie ist zurück“, ruft Oma Helene. „Ich habe in einem Jahr im Deutschen Reich mehr Formulare ausgefüllt als in den zehn Jahren danach.“
„Drüben haben die von mir zehn ausgefüllte Formulare verlangt“, sagt Christa. „Uns blieb nur die Flucht bei dem Überschuß an Idioten.“
„Jede Unterschrift wirst du innerhalb zwanzig Jahren, hundert Mal bereuen im Westen“, antwortet lachend Detlef. „Außen hui, Innen pfui!“
„Da haben wir aber Glück, hier zu sein“, antwortet Helene. Hubertus ist mit den Feststellungen so nicht einverstanden. Er träumt immer noch.
„Ich muss mal Dorthin fahren. Ich glaub das Alles nicht.“
Hubertus wird mittlerweile zum Dorfpolizisten ernannt. Er bekommt feierlich eine sowjetische Pistole. Tokarew. Dazu musste er bei der sowjetischen Kommandantur ein Protokoll über 24 Schuß unterzeichnen. Detlef kennt die Prozedur. Er trägt eine Kalaschnikow im Dienst und die Tokarew immer.
Mathias, der jetzige Schwager, lebt zeitweise im Westen. Er macht Hubertus auf einen Weg aufmerksam, bei dem Hubertus problemlos in den Westen und zurück kommt. Hubertus nimmt sich vor, diesen Weg zu benutzen. Er will eigentlich nur mal schauen. Mathias hat ihm den entsprechenden Kontakt versprochen.
Vor Freude darüber, spricht Hubertus mit Irma darüber.
„Ich kann uns den Weg in den Westen organisieren. Ich muss nur mal schauen, welche Aussichten uns dort bieten.“
Irma sieht das teilweise misstrauisch. Ist aber einverstanden. Sie würde auch gehen. Der Westen lockt doch irgendwie zu sehr.
Herbert ist strickt dagegen. Er sieht sich allein auf dem Hof. Ohne Unterstützung. Wobei das eigentlich nur als Vorwand dient. Er ist der Hauptmann als Ältester, während Hubertus eigentlich der Stellverteter oder ein Geselle wäre.
Korr1202260856

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